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16.01.2020

"Multiresistente Erreger" / Teil 2 von 6: Bakterien sind allgegenwärtige Begleiter des Menschen

Die Praxis zeigt, dass einige der Multiresistenten Erreger (MRE) zunehmend Beachtung in der Öffentlichkeit finden, zum Beispiel der so genannte MRSA. Wie jedoch Resistenzen entstehen und was Erreger überhaupt sind, ist dagegen weniger geläufig. Deshalb berichten die Mitglieder des MRE-Netzwerks Main-Tauber-Kreis in dieser Serie über das, was jeder über MRE wissen sollte. Heute geht es um Mikroorganismen.

Unter Mikroorganismen bzw. Mikroben versteht man mikroskopisch kleine Organismen, die meist aus einer Zelle bestehen. Zu ihnen gehören Bakterien, ein großer Teil der Pilze, viele Algen und so genannte Protozoen, wozu beispielsweise die Amöben zählen. Viren, die Erreger von Schnupfen oder Grippe, sind im eigentlichen Sinne gar keine Lebewesen, da sie sich nur mit fremder Hilfe, also durch so genannte Wirtszellen, vermehren können. Dennoch werden sie meist auch zu den Mikroorganismen gezählt.

Bakterien kommen überall auf der Welt vor, auf der Erde, im Wasser, in der Luft, selbst in Geysiren und im ewigen Eis sowie auf Lebewesen. Auf und in einem menschlichen Körper tummeln sich rund 39 Billionen Bakterien – mehr als der Mensch eigene Körperzellen hat. Ein bis zwei Kilogramm des Körpergewichts des Menschen gehen auf ihre Kosten. Diese Bakterien brauchen wir zum Beispiel für den Schutzmantel der Haut oder unsere Verdauung.

Die wenigsten dieser Bakterien erzeugen Krankheiten. Das tun einige dann, wenn sie in eigentlich keimfreie Bereiche des Körpers gelangen, wie beispielsweise die Harnblase, Niere oder Lunge. Dann kann der typische Darmkeim E. coli eine Harnblasenentzündung oder Nierenentzündung auslösen oder der im Nasen-Rachen-Raum beheimatete Pneumokokkus eine Lungenentzündung. Häufig wird dann der Einsatz von Antibiotika nötig.

Viele Bakterien sind von Natur aus gegen bestimmte Antibiotika resistent, man könnte auch sagen immun. Dies ist abhängig davon, ob das Antibiotikum einen Angriffsort am Bakterium findet, an dem es anhaften und den Keim abtöten kann. Zusätzlich können Bakterien durch Veränderungen ihres Erbguts auch Antibiotikaresistenzen entwickeln oder ein Resistenzgen von einem „Bakterienkumpel“ bekommen. Das Ergebnis ist, dass das Antibiotikum keinen Angriffsort mehr finden kann. Bakterien sind Überlebenskünstler; je mehr sie mit Antibiotika konfrontiert werden, desto mehr resistente Stämme entwickeln sich.

Die resistenten Bakterienstämme sind nicht krankmachender als die sensiblen, die auf Antibiotika ansprechen. Die Auswahl der noch wirkenden Antibiotika ist nur geringer. Entwickelt ein Bakterium Resistenzen gegen mehrere Antibiotikaklassen, spricht man von einer Multiresistenz.

Das bekannteste multiresistente Bakterium ist der MRSA, welcher erstmals 1961 auftrat und seither vielfach in der Presse genannt wurde. Staphylokokken leben bei Menschen auf der Haut und im Nasen-Rachen-Raum, so auch der MRSA. Viele Menschen wissen nicht, dass sie selbst MRSA in sich tragen, denn sie werden dadurch nicht zwingend krank. Anders ist es bei immungeschwächten Menschen, die durch den Keim lebensbedrohlich erkranken können. Deshalb werden in den Krankenhäusern Risikopatienten auf diesen Keim hin untersucht und behandelt. Multiresistent können auch Darmkeime wie der E. coli werden. Da diese in Massen im Darm beheimatet sind, können sie beim Träger nicht ausgerottet werden.

Egal, ob ein Bakterium auf Antibiotika sensibel oder resistent ist, durch Desinfektionsmittel wird es abgetötet. In einem normalen Haushalt sind diese Desinfektionsmittel bis auf wenige Ausnahmefälle wie bei infektiösen Durchfallerkrankungen nicht nötig, spielen aber in Krankenhäusern sowie Gemeinschaftseinrichtungen eine wichtige Rolle, um Übertragungen von Krankheitserregern zu vermeiden.

ÜBER DIE SERIE

Das MRE-Netzwerk Main-Tauber-Kreis möchte mit dieser Serie einen Beitrag zu mehr Wissen über multiresistente Erreger leisten. In insgesamt sechs Teilen werden wichtige Informationen über Multiresistente Erreger kurz zusammengefasst. Im nächsten Teil wird darüber berichtet, was Antibiotika für den Alltag bedeuten. Bei Fragen stehen Ansprechpartner im Gesundheitsamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis zur Verfügung, Tel.: 09341/82-5579, E-Mail: gesundheitsamt@main-tauber-kreis.de. Weitere Informationen und Merkblätter stehen unter www.main-tauber-kreis.de/gesundheitskonferenz zum Download bereit. 

Autor/in: Dr. Barbara Eisenhauer

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