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16.10.2026

"Ein Jahr im Zeichen der Demokratie": Kreiskuratorium eröffnet Reihe / Mit Digitalisierung das Gemeinwesen stärken

Mit einem Vortrag über künstliche Intelligenz (KI) und Demokratie hat das Kreiskuratorium für Erwachsenenbildung im Main-Tauber-Kreis seine Weiterbildungsreihe „Ein Jahr im Zeichen der Demokratie“ im Landratsamt in Tauberbischofsheim eröffnet. Die Reihe findet erstmals statt, Schirmherr ist Landrat Christoph Schauder. Zu Gast waren Vertreterinnen und Vertreter aus Kreispolitik, Bildungsarbeit, Kirchen, Behörden, Schulen und weiteren gesellschaftlichen Bereichen.

Vorsitzende Schelhaas: Abgestimmtes Angebot von acht Trägern

Im Namen des Kreiskuratoriums eröffnete die Vorsitzende Christine Schelhaas, zugleich Leiterin der Volkshochschule Mittleres Taubertal e.V., die Veranstaltung und stellte den Zusammenschluss vor. Ihm gehören acht staatlich anerkannte Träger der Erwachsenenbildung an: die Evangelische Erwachsenenbildung Odenwald-Tauber, das Evangelische Bildungswerk Hohenlohe, die Katholische Erwachsenenbildung Dekanat Mergentheim, die Kreisarbeitsgemeinschaft Main-Tauber-Kreis, der Landfrauenverband Main-Tauber-Kreis sowie die Volkshochschulen Bad Mergentheim, Mittleres Taubertal und Wertheim. Die Träger stimmen ihre Bildungsarbeit untereinander ab.

So soll vor Ort ein breites Angebot für alle Zielgruppen entwickelt werden, ohne dass Doppelangebote entstehen. Eigene Kurse veranstaltet das Kreiskuratorium nicht. Es bündelt die Angebote seiner Mitglieder, etwa in gemeinsamen Reihen zu gesellschaftlich wichtigen Themen. Gerade in einem Flächenlandkreis mit rund 1300 Quadratkilometern, 18 Städten und Gemeinden sowie der landesweit geringsten Bevölkerungsdichte sei diese Präsenz von Freudenberg bis Creglingen von großer Bedeutung. „Wir kommen mit unseren flächendeckenden Angeboten vor Ort zu den Menschen, ermöglichen sozial wichtige Begegnungen und gemeinsames Lernen in der Realität“, betonte Schelhaas.

Dezernentin Krug: Erwachsenenbildung als demokratische Schlüsselressource

In Vertretung von Landrat Christoph Schauder sprach Dezernentin Elisabeth Krug, die im Landratsamt für Jugend, Soziales und Gesundheit zuständig ist. Sie erinnerte an die Gründung des Kreiskuratoriums im Jahr 1979. Bereits in den 1970er Jahren hätten die Bildungsträger im Kreis erkannt, dass die Erwachsenenbildung einer stärkeren Koordination bedürfe. Ziel sei es gewesen, Bildungsangebote besser aufeinander abzustimmen, Doppelstrukturen zu vermeiden, Angebotslücken zu schließen und so die Weiterbildung im Landkreis dauerhaft zu sichern. Die damaligen Herausforderungen seien bis heute aktuell, insbesondere begrenzte finanzielle Mittel, personelle Engpässe und die Sicherstellung von Bildungsangeboten in einem Flächenlandkreis.

Die Förderung der Erwachsenenbildung sei verfassungsrechtlich verankert. Demokratie lebe von mündigen Bürgerinnen und Bürgern, die Verantwortung übernehmen, Argumente kritisch prüfen und sich am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen. Mit Blick auf Desinformation, Deepfakes, automatisierte Meinungsverstärkung und sogenannte Bestätigungsschleifen könne die Erwachsenenbildung zu einer demokratischen Schlüsselressource werden. Der Landkreis unterstütze die Träger mit dem Votum des Kreistags finanziell und übernehme über das Jugendamt die Geschäftsführung des Kreiskuratoriums. „Die Erwachsenenbildung ist und bleibt eine Investition in die Zukunft unserer Region“, sagte Krug.

Verhaltensökonom Staehlin: KI eröffnet neue Dimension und neue Möglichkeiten

Im Mittelpunkt des Abends stand die Keynote von Thomas Staehelin, Verhaltensökonom und Architekt für die Governance künstlicher Intelligenz. Wie Christine Schelhaas in ihrer Einführung erläutert hatte, nutzt mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland KI, jede und jeder Dritte mindestens wöchentlich. Nur eine kleine Minderheit habe jedoch gelernt, wie diese Systeme funktionieren. Staehelin stellte daher die Frage, wie Digitalisierung gestaltet werden kann, die das demokratische Gemeinwesen stärkt. Er warb dafür, dem Thema nicht zu pessimistisch zu begegnen. KI eröffne eine neue Dimension und damit neue Möglichkeiten. Als Chancen nannte er, komplexe Entscheidungen durchzuspielen, Planungswerkzeuge für Bürgerinnen und Bürger sowie für Träger zu schaffen und die Übersetzungsmöglichkeiten zu nutzen. Als Beispiel für einen offenen Umgang verwies er auf die Niederlande, die sich sehr experimentierfreudig zeigen.

Zugleich benannte Staehelin deutlich die Grenzen. Ein zentrales Problem sei die Voreingenommenheit der Systeme. KI antworte stets sehr selbstbewusst, auch wenn die Antworten nicht immer zuträfen. Sprachmodelle reagierten zudem empfindlich auf die Formulierung einer Frage und neigten zu übermäßiger Zustimmung. Vielfach fehlten noch Grundlagen, Experten und Evidenz. KI könne eine Lernmaschine sein, aber ebenso eine Lernverweigerungsmaschine. Deshalb solle man sich genau überlegen, welche Aufgaben man dauerhaft an KI übergibt. Für den weiteren Weg plädierte er dafür, das Spielfeld abzustecken, etwa durch politische Leitlinien, Datenethik und einen rechtlichen Rahmen, und zugleich Spielraum für Erkundung, Experimente und Lernen zu schaffen. Am Ende seines Vortrags machte Staehelin deutlich, dass die letzte Entscheidung immer durch den Menschen getroffen werden müsse.

Zum Abschluss dankte Schelhaas allen beteiligten Bildungsinstitutionen, die sich seit Jahrzehnten kollegial und ohne Konkurrenzdenken für eine vielfältige Weiterbildung einsetzen, sowie dem Landkreis für die langjährige Zusammenarbeit und die finanzielle Unterstützung. Stellvertretend für alle Förderer überreichte sie Dezernentin Krug eine gerahmte Danksagung mit den Logos der acht Bildungsträger zur Weitergabe an Landrat Schauder sowie einen Blumenstrauß aus acht verschiedenen Blumenarten als Zeichen für die Vielfalt der Mitglieder. Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch.

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