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16.10.2026

Beispielhaftes Bauen ausgezeichnet: Mit gelungenen Beispielen weitere Impulse geben

Um die Qualität der bebauten Umwelt zur Diskussion zu stellen, hat die Architektenkammer Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Landratsamt Main-Tauber-Kreis das Auszeichnungsverfahren „Beispielhaftes Bauen Main-Tauber-Kreis 2017 – 2026“ umgesetzt. Schirmherr ist Landrat Christoph Schauder. Ziel des Verfahrens ist es, gut gestaltete Architektur aus allen Lebensbereichen aufzufinden und durch das gelungene Beispiel weitere Impulse für die positive Entwicklung der Baukultur im Landkreis zu geben.

Landrat Schauder: Herausragendes Signal beim „Bauen im Bestand“

„Als ländlicher Raum stehen wir vor einer handfesten baukulturellen Herausforderung: In vielen Ortskernen erleben wir Leerstände, während auf der grünen Wiese neu gebaut wird. Vor diesem Hintergrund sehe ich es als herausragendes Signal, dass das ‚Bauen im Bestand‘ mit gleich acht Prämierungen die größte Kategorie in diesem Auszeichnungsverfahren darstellt. Dies zeigt deutlich, worauf es in Zukunft ankommt: Wir müssen das Vorhandene mit neuem Leben füllen. Gleichzeitig setzen auch die prämierten ‚öffentlichen Bauten‘ und ‚Industrie- und Gewerbebauten‘ echte Maßstäbe. Mein herzlicher Dank gilt allen Bauherren, Planern und Handwerkern für ihren Mut zur Qualität, der Architektenkammer für die verlässliche Partnerschaft und der Jury für ihre engagierte Arbeit“, erklärte Landrat Christoph Schauder bei einer Pressekonferenz im Landratsamt.

Architektenkammer: Jury vom hohen Niveau der Arbeiten beeindruckt

„Insgesamt war die Jury von dem hohen Niveau der eingereichten Arbeiten beeindruckt. Ausgezeichnet wurden jedoch nur solche Arbeiten, die im Sinne der Ausschreibung als rundum beispielhaft anzusehen sind. In der Gruppe der Auszeichnungen gibt es keine weiteren Platzierungen, da die Arbeiten aus unterschiedlichen Bereichen stammen und schwer vergleichbare Bauaufgaben beinhalten. Maßgeblich war aber, wie die jeweilige Bauaufgabe am konkreten Ort und für die jeweilig verschiedenen Nutzer gelöst wurde. Alle ausgezeichneten Arbeiten sind in diesem Sinne beispielhaft. Die hervorragende Lösung der jeweiligen Bauaufgabe konnte nur durch das gemeinsame Engagement der Bauherrschaften und der Planenden gelingen. Deswegen gilt die Auszeichnung auch beiden gleichermaßen“, ergänzte Christiane Keck von der Architektenkammer Baden-Württemberg bei einer Pressekonferenz im Landratsamt.

Der Wettbewerb im Überblick

Zum Verfahren wurden 37 Arbeiten eingereicht, die alle den Teilnahmebedingungen entsprachen. Eine siebenköpfige Jury, zusammengesetzt aus vier Fachjuroren und drei Sachjuroren, tagte am Donnerstag, 17., und Freitag, 18. September, unter dem Vorsitz von Manfred Sautter. Vom Vormittag bis zum Mittag des ersten Tages nahm die Jury in mehreren Durchgängen insgesamt 25 Arbeiten in die engere Wahl. Danach durchquerte die Jury den Main-Tauber-Kreis, um die in die engere Wahl genommenen Objekte vor Ort anzuschauen. Nach intensiven Beratungen vergab die Jury 17 Auszeichnungen.

Die Arbeiten wurden in die Gruppen „Wohnen“ (drei Beiträge), Öffentliche Bauten (acht Beiträge, drei ausgezeichnet), Industrie- und Gewerbebau (fünf Beiträge, drei ausgezeichnet), Landwirtschaftliche Bauten (keine Beiträge), Bauen im Bestand (17 Beiträge, acht ausgezeichnet), Garten- und Landschaftsanlagen (ein Beitrag, ausgezeichnet), Städtebauliche und stadtgestalterische Projekte (ein Beitrag, ausgezeichnet) und Innenraumgestaltungen (zwei Beiträge, einer ausgezeichnet) eingeteilt.

Bauherrinnen und Bauherren sowie Architektinnen und Architekten werden am Donnerstag, 4. März 2027, um 18 Uhr mit Urkunden und Plaketten gewürdigt. Die ausgezeichneten Arbeiten werden dann in einer Ausstellung, einer Broschüre, im Internet sowie in der App Architekturführer Baden-Württemberg der Öffentlichkeit vorgestellt (in letzterer nur, wenn die Bauherrschaft der Adressveröffentlichung nicht widersprochen hat).

Die ausgezeichneten Beiträge

Naturerlebnishaus

Naturerlebnishaus © lazy bones
Naturerlebnishaus © lazy bones

Fertigstellung: 2022

Adresse: Zum Waldseilgarten 1, Boxberg

Bauherrschaft: Lazy Bones e.V., Verein für Jugend und Kultur, Boxberg

Architektur: Ingenieurteam Jouaux PartGmbBH, Grünsfeld

Projektleitung: Christine Jouaux

Jurybegründung: Mit der Wiederverwendung von Baumaterialien und dem bewussten Einsatz einfacher Mittel zeigt das Projekt eindrucksvoll, wie nachhaltig und ressourcenschonend besondere Qualität entstehen kann. Als Erweiterung des Waldseilgartens fügt sich das Naturerlebnishaus sensibel in den Wald ein und nimmt sich gegenüber der natürlichen Umgebung bewusst zurück. Durch die Verwendung von Holz und die freie Formensprache des Gebäudes ist ein einladender Lern-, Spiel- und Erfahrungsraum entstanden. Überzeugend sind die multifunktionale Nutzung und die jederzeit frei zugängliche Dachfläche. Spielerisch integrierte Elemente wie die Kugelbahn oder das Waldtelefon machen den Ort lebendig und schaffen einen wertvollen Raum zum gemeinsamen Entdecken und Erleben. Sehr lobenswert ist die engagierte Initiative des Vereins, der hier Naturpädagogik für junge Menschen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis macht.

Grundschule Nord

Grundschule Nord © Norbert Miguletz
Grundschule Nord © Norbert Miguletz

Fertigstellung: 2024

Adresse: Kopernikusstraße 8, Bad Mergentheim

Bauherrschaft: Stadt Bad Mergentheim

Architektur: STUDIOBORNHEIM Unger Ritter Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB, Christopher Unger, Peter Ritter, Frankfurt am Main

Projektleitung: Stadtbauamt Bad Mergentheim

Jurybegründung: Schon beim Ankommen überzeugt die Schule mit einer ausgesprochen freundlichen Ausstrahlung. Die klare städtebauliche Setzung und die gekonnte Gliederung schaffen Ruhe und Orientierung. Das großzügige Foyer empfängt mit einer einladenden Geste, die sich konsequent durch das gesamte Ensemble zieht. Grüne Lichthöfe, spannende Blickbezüge und eine harmonische, von Holz geprägte Materialität schaffen einen lichtdurchfluteten und wohltuenden Lern- und Lebensort für Kinder ebenso wie für Pädagoginnen und Pädagogen. Besonders erfreulich sind die Vielfalt der Lernräume, die flexible Nutzbarkeit der Aula und des Foyers sowie der Raum für individuelle Entwicklung. Auch der Freiraum fügt sich überzeugend in das Gesamtkonzept ein und erweitert die pädagogischen Qualitäten nach außen. Eine beispielhafte Schule, bei der man unweigerlich denkt: Auf diese Schule wäre ich gerne gegangen!

TauberPhilharmonie

TauberPhilharmonie © Philipp Muerdter
TauberPhilharmonie © Philipp Muerdter

Fertigstellung: 2019

Adresse: August-Laukhuff-Straße 19, Weikersheim

Bauherrschaft: Stadt Weikersheim

Architektur: HENN GmbH

Projektleitung: Peter Bäuml, Berlin

Landschaftsarchitektur: Prof. Schmid | Treiber | Partner Freie Landschaftsarchitekten, Leonberg

Objektüberwachung: Seyfried Psiuk Architekten, Schwäbisch Gmünd

Jurybegründung: Als Leuchtturmprojekt mit überregionaler Strahlkraft setzt das Konzerthaus ein selbstbewusstes architektonisches Zeichen. Beispielhaft zeigt das skulpturale Bauwerk, wie der Glanz urbaner Kulturstätten angemessen in ländliche Räume transportiert werden kann. Umgeben von malerischen Weinbergen und in unmittelbarer Nähe zu Schloss und Tauber fügen sich die einem aufgeklappten Flügel nachempfundenen Dächer trotz ihrer Größe harmonisch in die Landschaft ein. Heimische Hölzer und Gesteine bilden eine gelungene Materialkomposition. Im raumhoch verglasten Foyer entstehen beeindruckende Blickbezüge zwischen innen und außen. Der imposante Konzertsaal besticht durch seinen spektakulären optischen Eindruck, der durch die sensationelle, raffiniert ausbalancierte Akustik noch übertroffen wird. Mit einem flexiblen Zweitsaal beweist die moderne Spielstätte höchste funktionale Anpassungsfähigkeit.

Altenbergsaal und Küchenerweiterung REBgut - die Weinherberge


Altenbergsaal und Küchernerweiterung REBgut - die Weinherberge © Julius Stark
Altenbergsaal und Küchernerweiterung REBgut - die Weinherberge © Julius Stark

Fertigstellung: 2022Adresse: Rebgutstraße 80, Lauda-Königshofen

Bauherrschaft: privat

Architektur: SCHREINER Architekten PartGmbB, Tauberbischofsheim

Projektleitung: Klaus Schreiner

Jurybegründung: Der Topografie der umgebenden Weinberge folgend wurde der neue Saal so in den Hang integriert, dass die Landschaft in einer sanften Wellenbewegung über das Gebäude hinwegzugleiten scheint. Als Ergänzung eines gewachsenen Ensembles schafft der flexibel nutzbare Saal ideale Voraussetzungen für Tagungen und Feiern in besonderem Ambiente. Die eindrucksvolle Weinbergwand sowie ein Oberlichtband mit Blick auf die sich im Jahreslauf wandelnden Reben erzeugen eine authentische Raumwirkung. Dank der durchdacht gestalteten Akustikdecke wird eine hervorragende Klangqualität garantiert. Großzügige Verglasungen öffnen den Raum zum Innenhof und lassen im Dialog mit dem majestätischen Kastanienbaum ein faszinierendes Lichtspiel entstehen. Tagsüber nimmt sich der Saal durch Spiegelungen in der Glasfassade zurück, während die nächtliche Beleuchtung ihm eine einzigartige stimmungsvolle Atmosphäre verleiht.

Brennerei Herz


Brennerei Herz © Brigida González
Brennerei Herz © Brigida González

Fertigstellung: 2019

Adresse: Buchener Straße 30, Bad Mergentheim

Bauherrschaft: Eva Maria Bartosch-Herz, Bad Mergentheim

Architektur: architekturbüroKLÄRLE Rolf Klärle Freier Architekt BDA, Bad Mergentheim

Jurybegründung: Produzieren, verkaufen und feiern werden in einem einzigen Raum vereint – ein Konzept, das Offenheit und Robustheit zugleich ausstrahlt und der Nutzung eine überzeugende Bühne bietet. Inmitten seiner Umgebung behauptet sich das Bauwerk als Juwel an einem rauen Ort. Besondere Anerkennung verdient das auffallend gestaltete Dach, das in Kombination mit einer überlegten Beleuchtung eine spannende Innen- und Außenwirkung erzeugt und dem Gebäude bei Tag wie bei Nacht ein unverwechselbares Gesicht verleiht. Die bewusste Beschränkung auf fünf Materialien zeugt von gestalterischer Disziplin und schafft ein stimmiges Gesamtbild, ohne an Charakter zu verlieren. Dass die Beheizung mit Hilfe der Brennanlage erfolgt, zeigt, wie folgerichtig Funktion und Nachhaltigkeit hier zusammengedacht wurden. Ein mutiger, handwerklich präziser Bau, der Bauherrschaft und Architekt gleichermaßen zur Ehre gereicht.

Spedition Dölzer

default © Bruno Blesch
default © Bruno Blesch

Fertigstellung: 2026

Adresse: Gänsäcker 16, Ahorn-Berolzheim

Bauherrschaft: Felix Dölzer Besitz GmbH & Co. KG, Großrinderfeld

Architektur: ÜBERBAU architektur Bruno Blesch Freier Architekt BDA, Boxberg

Jurybegründung: Besonders beeindruckend ist der hohe gestalterische Anspruch von Bauherr und Architekt, mit dem eine meist rein funktional gelöste Bauaufgabe hier außer gewöhnlich überzeugend umgesetzt wurde. Am Rande des Gewerbegebiets setzt der klare, schlichte Baukörper ein selbstbewusstes Zeichen. Trotz der nutzungsbedingt mächtigen Kubatur wirkt das Gebäude ruhig und selbstverständlich. Die weitgehende Verwendung von Holz verbindet konstruktive Qualität mit einem ressourcenschonenden Ansatz. Große Sorgfalt in Planung und Ausführung zeigt sich durch präzise gelöste Details. Die Fassadengestaltung überzeugt durch das differenzierte Spiel der Lattung mit unterschiedlichen Tiefen. Kleine Fenster zum Innenhof schaffen eine charmante Verbindung von Innen und Außen. Einladend wirken das harmonisch bepflanzte Staudenband und der Innenhof, der eine hohe Aufenthaltsqualität für die Mitarbeitenden bietet.

Sanierung Bungalow

Sanierung Bungalow © Kathrin Herz
Sanierung Bungalow © Kathrin Herz

Fertigstellung: 2026

Adresse: Dr.-Schier-Straße 1, Bad Mergentheim

Bauherrschaft: Prof. Dr. Thorsten Weimar, Bad Mergentheim

Architektur: Dr. Kathrin Herz, Bad Mergentheim

Jurybegründung: Dieses Haus hat Geschichte – als früherer Wohnsitz des Chefarztes der nahen Klinik ist es Zeugnis einer ganzen Epoche. In schöner Umgebung gelegen, überzeugt dieser Wohnbungalow aus den 1960er Jahren durch die mutige Entscheidung, Innenausbau und Fassadenmaterialien weitgehend zu erhalten, statt sie einer modernen Überformung zu opfern. Mit der historischen Bausubstanz wurde so sorgfältig und respektvoll umgegangen, als handle es sich um ein eingetragenes Denkmal: Türen, Einbauten und Parkett sind original erhalten und tragen wesentlich zur Atmosphäre des Hauses bei. So entsteht ein besonderer Ort, der die Handschrift seiner Zeit bewahrt und zugleich zeitgemäß bewohnbar bleibt. Bemerkenswert ist, wie hell und großzügig sich die Innenräume präsentieren, obwohl das Gebäude von außen sehr klein wirkt – ein Kontrast, der die Qualität des ursprünglichen Entwurfs eindrucksvoll bestätigt.

Sanierung und Erweiterung Wohnhaus F

Sanierung und Erweiterung Wohnhaus F © Barbara von Brunn
Sanierung und Erweiterung Wohnhaus F © Barbara von Brunn

Fertigstellung: 2023

Adresse: Rieneckstraße 3, Grünsfeld

Bauherrschaft: Dr. Ulrich Feuerstein, Grünsfeld

Architektur: Lurz, von Brunn Architekten Partnerschaft mbB Philipp Lurz / Barbara von Brunn, Wittighausen

Jurybegründung: Auf engstem Raum im dörflichen Umfeld ist ein perfekt auf den Nutzer abgestimmtes Ensemble entstanden. Durch seine reduzierte, klare Formensprache bildet der Neubau zwar einen Kontrast zum feinfühlig und mit hohem Anspruch sanierten Wohnhaus, fügt sich aber dennoch harmonisch ein und schafft über den Hof eine schlüssige Verbindung. Die geschützte Dachterrasse mit sorgfältig ausgewählten Pflanzen überrascht mit einem fantastischen Blick über die umgebenden Dächer ins Grüne. Lichtdurchflutete Innenräume, hochwertige Materialien und eine spürbare Großzügigkeit erzielen eine hohe räumliche Qualität und zeugen von einer gemeinsamen Vision von Bauherr und Planenden. Der spannungsvolle Dialog zwischen Alt und Neu, zwischen erhaltener Substanz und zeitgemäßer Architektursprache, macht den besonderen Reiz aus – ein hervorragendes Beispiel einer innerörtlichen Aufwertung und Nachverdichtung.

Umbau Scheune zu Wohnhaus W

default © Bruno Blesch
default © Bruno Blesch

Fertigstellung: 2018

Adresse: Kirchweg 24, Boxberg-Wölchingen

Bauherrschaft: Familie Wilhelmi, Boxberg

Architektur: ÜBERBAU architektur Bruno Blesch Freier Architekt BDA, Boxberg

Jurybegründung: Ein gelungenes Beispiel für die behutsame Transformation eines alten Bauernhofes: Nach jahrelangem Leerstand wurden Scheune, Stall und Wohnhaus zu neuem Leben erweckt und bieten abwechslungsreiche Wohnräume für eine fünfköpfige Familie. Der umgebaute Scheunenraum als Herzstück und Familienmittelpunkt überzeugt durch sein spannungsreiches Raumkonzept aus Treppen, Stegen und Rampen. Die historische Tragstruktur aus Holz und der Hängekamin mit offenem Feuer sorgen für Wohlfühlatmosphäre. Helle Wände kontrastieren mit dunklen Einbauten und verleihen dem Raum eine moderne Ausstrahlung. Kleine Details aus dem Bestand wie die früheren Stallfenster, die zu Schuhschränken umgebaut wurden, verleihen dem Wohnhaus seinen unverwechselbaren Charakter. Der verglaste Fachwerkgiebel durchflutet den Innenraum mit Tageslicht und schafft Sichtbezüge zur sensibel unter dem Scheunendach integrierten Terrasse.

Umnutzung Scheune zu Wohngebäude

Umnutzung Scheune zu Wohngebäude © Barbara von Brunn
Umnutzung Scheune zu Wohngebäude © Barbara von Brunn

Fertigstellung: 2024

Adresse: Synagogengasse 4, Tauberbischofsheim-Dittigheim

Bauherrschaft: privat

Architektur: Lurz, von Brunn Architekten Partnerschaft mbB Philipp Lurz / Barbara von Brunn, Wittighausen

Projektleitung: Philipp Lurz, Julia Zejnilagic

Jurybegründung: Behutsam weiterentwickelt, verbindet die ehemalige Scheune historische Bausubstanz mit zeitgemäßem Wohnen. Durch die Erhaltung der Grund- und Außenmauern sowie die behutsame Ergänzung neuer Bauteile entstand ein charakterstarkes Gebäude mit hoher Wohnqualität. Großzügige, lichtdurchflutete Räume und eine offene Grundrissgestaltung schaffen ein zeitgemäßes Wohnumfeld. Besondere Aufmerksamkeit gilt den sorgfältig bewahrten historischen Spuren: Ein in der Scheunenwand entdeckter jüdischer Hochzeitsstein sowie sichtbar belassene Bruchsteinmauern verleihen dem Haus Identität und erzählen von seiner Geschichte. Die Verbindung von historischer Bausubstanz, handwerklicher Sorgfalt und modernen Wohnansprüchen ist beispielhaft gelungen. Entstanden ist ein außergewöhnliches Wohnhaus, das den charaktervollen Bestand in die Gegenwart überführt und so zur qualitätsvollen Entwicklung der Ortsmitte beiträgt.

Ackerbürgerhaus

Ackerbürgerhaus © architekturbüroKLÄRLE
Ackerbürgerhaus © architekturbüroKLÄRLE

Fertigstellung: 2024

Adresse: Ochsengasse 13, Bad Mergentheim

Bauherrschaft: Rolf Klärle Freier Architekt BDA, Bad Mergentheim

Architektur: architekturbüroKLÄRLE Rolf Klärle Freier Architekt BDA, Bad Mergentheim

Jurybegründung: Trotz massiver Schäden in der historischen Substanz gelingt dank virtuos geführter Detailarbeit und hoher Sensibilität eine städtebaulich perfekt integrierte, zukunftsweisende Revitalisierung eines historischen Kleinods. Das einst als Werkstatt, Lager und später auch als Wohnung genutzte spätmittelalterliche Kulturdenkmal verbindet auch heute wieder Wohnen und Arbeiten in einer modernen Interpretation. Mit spürbarem Feingefühl und hoher baulicher Qualität wurde das Fachwerkhaus zukunftsfähig gemacht: Die gekonnte Verknüpfung von historischer Struktur, einem offenen Raumkonzept und neuen Materialien entwickelt den Charakter des Hauses kraftvoll weiter. Mutig eingesetzte Lichtbänder im Dachstuhl bringen Helligkeit in das ehemals dunkle Innere. Die behutsam eingefügte Dachterrasse auf dem mit einer modernen Gebäudehülle gestalteten Nebengebäude erlaubt flexible Mehrfachnutzungen.

Gasthof "Möhlers"

Gasthof Möhlers © FOTOSTUDIO PROFIL Brigitte Blesl
Gasthof Möhlers © FOTOSTUDIO PROFIL Brigitte Blesl

Fertigstellung: 2026

Adresse: Möhlerplatz 2, Igersheim

Bauherrschaft: Gemeinde Igersheim

Architektur: Jochen Elsner Freier Architekt, Bad Mergentheim

Stadtplanung: Haines-Leger Architekten + Stadtplaner BDA, Würzburg

Jurybegründung: Eine lebendige Ortsmitte ist die Visitenkarte einer Gemeinde, ein Gasthaus das Herzstück und der emotionale Mittelpunkt. Die Verbindung von historischer und zeitgenössischer Architektur fügt sich harmonisch in den Platz ein und wertet ihn gleichzeitig auf. Im Innern überrascht das Gebäude als wahres Raumwunder. Jedes Zimmer ist individuell eingerichtet und liebevoll abgestimmte Details in der Ausstattung schaffen eine warme, unverwechselbare Atmosphäre. Besonders erwähnenswert ist die Barrierefreiheit, die trotz anspruchsvoller Höhenunterschiede hervorragend gelungen ist. Nicht zuletzt ist der Mut der Gemeinde beispielhaft, das Projekt in Eigeninitiative beharrlich voranzutreiben und für die Dorfgemeinschaft einen echten Mehrwert zu schaffen – einen „Win-Win-Gasthof“. Das Ergebnis ist ein überzeugendes Beispiel für städtebauliche Wertschöpfung und ein ausgezeichneter Impuls für andere Kommunen!

Sanierung Polizeisporthalle

Sanierung Polizeisporthalle © rüger+tröger architekten
Sanierung Polizeisporthalle © rüger+tröger architekten

Fertigstellung: 2023

Adresse: Willy-Brandt-Straße 5, Wertheim

Bauherrschaft: Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Heilbronn

Architektur: rüger + tröger architekten PartG mbB, Wertheim, Aldin Zeynilagic, Johannes Tröger

Jurybegründung: Erst die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudes und seinem gelungenen Wiederaufbau nach einem Brandanschlag offenbart die hier erbrachte Leistung. Vorbildlich ist, dass mit einfachen Mitteln und knappem Budget ein eigentlich zum Abbruch bestimmtes Gebäude spürbar aufgewertet wurde. Mit kleinen Eingriffen wird großer Effekt erzielt, etwa durch das Einfügen von Oberlichtbändern zwischen den Stahlträgern des Daches, wodurch die Halle unerwartet an Leichtigkeit und Helligkeit gewinnt. Überzeugend ist das gelungene Innenraumkonzept, das dem Haus eine neue Identität verleiht und eine motivierende Atmosphäre für die sportliche Nutzung schafft. Was als Verlust begann, wurde durch kluge Planung und wirtschaftlichen Weitblick zu einem Gewinn für die Nutzenden – ein Beispiel dafür, wie architektonische Intelligenz auch unter schwierigen Vorzeichen substanzielle Werte schaffen kann.

Erweiterung Lager und Büro Hieber AG

Erweiterung Lager und Büro Hieber AG © architekturbüroKLÄRLE
Erweiterung Lager und Büro Hieber AG © architekturbüroKLÄRLE

Fertigstellung: 2026

Adresse: Talstraße 25, Weikersheim

Bauherrschaft: Detlef Hieber, Weikersheim

Architektur: architekturbüroKLÄRLE Rolf Klärle Freier Architekt BDA, Bad Mergentheim

Jurybegründung: Mit hoher gestalterischer Qualität schafft der Erweiterungsbau einen Arbeitsort, der weit über seine funktionalen Anforderungen hinausweist. Die klare Organisation von Lager, Werkstatt und Büro schafft optimale Bedingungen für unterschiedliche Nutzungen. Die sichtbare Holzskelettkonstruktion verleiht der Halle im Erdgeschoss einen robusten Charakter, während im Obergeschoss helle, klar strukturierte Arbeitsbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Das präzise gestaltete Treppenhaus setzt einen markanten architektonischen Akzent. Besonders gelungen ist die warme Materialität der lasierten Holzlattung, die den Räumen Identität verleiht. Großzügige Verglasungen schaffen vielfältige Blickbeziehungen und binden die Umgebung in das Arbeitsumfeld ein. So entsteht eine Arbeitswelt, die Funktionalität, Repräsentation und Wohlbefinden auf überzeugende Weise miteinander vereint. Sorgfältig abgestimmte Materialien schaffen eine hochwertige, moderne und zugleich einladende Atmosphäre.

Revitalisierung Wasserspielplatz

0.9.143 © Sven Trabold
0.9.143 © Sven Trabold

Fertigstellung: 2026

Adresse: Spitzsteig, Königheim

Bauherrschaft: Gemeinde Königheim

Landschaftsarchitektur: IFK - Ingenieure Partnergesellschaft mbB, Mosbach

Projektleitung: Jürgen Glaser

Jurybegründung: Gerade in Zeiten des Klimawandels sind Orte der Abkühlung, des Schattens und des gemeinschaftlichen Miteinanders von besonderer Bedeutung. Umso erfreulicher ist es, dass hier ein vergessener Ort zu neuem Leben erweckt wurde. Als grün blaues Kleinod vereint die behutsame, naturnahe Gestaltung überzeugend Wiederverwendung, Ressourcenschonung sowie Klimaanpassung und löst gleichzeitig den Hochwasserschutz. Entstanden ist eine einladende Oase für alle Generationen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die neue Lebensqualität im öffentlichen Raum schafft und die Aufenthaltsqualität des Ortes nachhaltig stärkt. Beispielhaft ist die außergewöhnlich intensive Partizipation: Die Bürgerschaft wurde nicht nur beteiligt, sondern hat selbst mit angepackt. Dieses gelungene Kooperationsprojekt von Gemeinde, Planung, Fachfirmen und engagierter Bürgerschaft macht Mut und Lust auf Nachahmung.

Neugestaltung Gänsmarkt

Neugestaltung Gänsmarkt © Jens Hackmann
Neugestaltung Gänsmarkt © Jens Hackmann

Fertigstellung: 2025

Adresse: Gänsmarkt, Bad Mergentheim

Bauherrschaft: Stadt Bad Mergentheim

Landschaftsarchitektur + Stadtplanung: Planstatt Senner GmbH, Überlingen (Freiraum LPH 1-3 und Leitdetails); Stadt Bad Mergentheim (Freiraum LPH 4-9); fks Ingenieure PartG mbB Hanspeter Fernkorn Fabian Fernkorn Beratende Ingenieure, Bad Mergentheim (Erschließung LPH 1-9)

Jurybegründung: Der Wandel einer gefährlichen Verkehrskreuzung zu einem klimaangepassten Stadtplatz für alle ist beeindruckend: Wo Kinder früher nur an der Hand ihrer Eltern unterwegs sein konnten, wird heute gespielt, verweilt und sich begegnet. Überzeugend ist dabei nicht nur die konsequente Umsetzung des Schwammstadtprinzips, sondern auch die wohltuende Gestaltung mit Muschelkalk, klimaresilienten Bäumen und vielfältigen Aufenthaltsräumen im Spiel von Licht und Schatten. Der historische Brunnen wurde behutsam integriert, Gastronomie und Veranstaltungsflächen sinnvoll ermöglicht. Beispielhaft ist der schrittweise Prozess mit Verkehrsversuchen und Place-Making, der Akzeptanz geschaffen und die Bürgerschaft aktiv eingebunden hat, anstatt sie zu bevormunden. Als gelungenes Auftaktprojekt der bevorstehenden Landesgartenschau macht diese Transformation Lust auf ambitionierte Folge- und Nachahmungsprojekte.

Innensanierung katholische Kirche

Innensanierung katholische Kirche © Bruno Blesch
Innensanierung katholische Kirche © Bruno Blesch

Fertigstellung: 2023

Adresse: Unterschüpfer Straße 13, Boxberg-Unterschüpf

Bauherrschaft: Kirchengemeinde St. Jakobus Lauda, Lauda-Königshofen

Architektur: ÜBERBAU architektur Bruno Blesch Freier Architekt BDA, Boxberg

Jurybegründung: Lobenswert ist das feine Gespür für Raum, Material und Atmosphäre, mit dem der Kirchenraum behutsam weiterentwickelt wurde. Die Innensanierung überzeugt durch einen ruhigen, hochwertigen und stimmigen Gesamteindruck. Mit großer Zurückhaltung wurden die Eingriffe so gesetzt, dass sie den sakralen Charakter des Raumes stärken und seine besondere Wirkung unterstreichen. Ein sorgfältig abgestimmtes Beleuchtungskonzept unterstützt diese Atmosphäre und setzt ausgewählte Bereiche gezielt in Szene. Die Verwendung massiver Eiche verleiht dem Innenraum Wärme und Dauerhaftigkeit. Besonders gelungen ist die Neuinterpretation des Beichtstuhls: Das offene Konzept übersetzt eine traditionelle Funktion überzeugend in die Gegenwart und schafft einen niederschwelligen Ort der Begegnung. So entsteht ein harmonischer Kirchenraum, der Bestehendes respektvoll integriert und mit zeitgemäßen Mitteln weiterentwickelt.

Fotogalerie

Die Ergebnisse des Auszeichnungsverfahrens "Beispielhaftes Bauen" wurden von Christiane Keck (Architektenkammer), Verena Ernst (Bauamtsleiterin), Landrat Christoph Schauder und Rafael Grups (Kammergruppe Main-Tauber-Kreis) der Presse vorgestellt.
Die Ergebnisse des Auszeichnungsverfahrens "Beispielhaftes Bauen" wurden von Christiane Keck (Architektenkammer), Verena Ernst (Bauamtsleiterin), Landrat Christoph Schauder und Rafael Grups (Kammergruppe Main-Tauber-Kreis) der Presse vorgestellt.
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