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01.10.2026

Gewinnung und Verwendung von Rohstoffen im Blick - Tag der Heimatforschung widmet sich Geologie der Region

Rund 70 Teilnehmer kamen vor kurzem in Grünsfeld zum 36. Tag der Heimatforschung zusammen. Dieser war dem Thema Geologie und Rohstoffe im und um das Taubertal gewidmet. Die gemeinsame Veranstaltung des Archivverbunds Main-Tauber und des Main-Tauber-Kreises eröffnete Frank Mittnacht, Leiter des Amts für Kultur und Tourismus des Landkreises, in Vertretung von Landrat Christoph Schauder. Die Geologie forme die Kulturlandschaft und sei eine Art offene Geschichtsbücherausstellung, sagte der Landkreisvertreter zu den Teilnehmern. Dabei handelte es sich um Mitglieder der Heimat- und Kulturvereine aus dem gesamten Kreisgebiet, aber auch um interessierte Einzelpersonen.

Bürgermeister Joachim Markert als Hausherr stellte „in der guten Stube der Stadt Grünsfeld“, dem Rienecksaal, einige prägnante Daten zur Stadtgeschichte vor. Als letztes Zeugnis der ehemals durch Stadtmauer und Tore gesicherten und deswegen auch als Klein-Rothenburg titulierten Kommune hatte er den letzten noch erhaltenen Stadttorschlüssel mitgebracht. Er dankte den anwesenden Vereinsvertretern dafür, dass sie bei ihrer Tätigkeit „viel Herzblut in die Geschichte ihrer Orte stecken“.

Die Leiterin des Archivverbunds Main-Tauber, Dr. Monika Schaupp, wies darauf hin, dass die Zeit schnell verfliege, aber es sei in der verflossenen Zeit auch einiges erreicht worden, wie sie anhand einiger Aktivitäten der Heimat- und Kulturvereine darstellte. Einem Ausblick auf künftige Veranstaltungen, bei denen es um Wissensverwaltung, Demokratiewahrung und Erinnerungsgeschichte geht, schloss sich der Dank an Stadt und Landkreis für die gute Unterstützung des Tags der Heimatforschung an. Die Erhaltung der reichen Kulturlandschaft schaffe einen lebenswerten ländlichen Raum.

Den Fachvortrag zum Thema hielt der Geologe Jelger Krijn vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB), welches im Regierungspräsidium Freiburg angesiedelt ist. Nach seinem Studium der Geowissenschaften in Amsterdam und Freiburg ist er dort seit 2024 tätig.

Zunächst erläuterte er die allgemeinen Aufgaben seiner Behörde. Im Internet stellt das LGRB vielfältige Informationssysteme wie zum Beispiel einen Kartenviewer zur Landesgeologie oder auch ein Bohrdatenportal bereit. Sein konkreter Arbeitsbereich, die Rohstoffgeologie, ist planerisch tätig und unterstützt bei der Kartierung, Erkundung und Bewertung von Rohstoffvorkommen. Aktuell erfolgt dies für die Region Heilbronn-Franken. Hier sind rund 50 Gewinnungsstellen in Betrieb, in denen Kalkstein, Sulfatgestein und Steinsalz abgebaut werden.

Die Main-Tauber-Region hat dabei Anteil am Buntsandstein-Odenwald sowie an den von Muschelkalk und Lettenkeuper geprägten Gäulandschaften. Durch die Schichtstufenbildung, bei der Gesteinsschichten zunächst gestapelt ablagern und dann durch tektonische Erdbewegungen in eine Kipplage kommen, sind die im Norden des Kreisgebiets liegenden Gesteinsformationen älter als die im Süden.

Auf das Erdzeitalter Trias (vor rund 200 bis 250 Millionen Jahren) konzentriert, stellte der Referent die damals entstandenen Schichten Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper und deren spezifisches Vorkommen im Kreisgebiet vor. Die unterschiedlichen Gewinnungs- und Verwendungsformen der Rohstoffe wurden mit konkreten Beispielen aus der Region bebildert. Eine regionale Besonderheit im Gebiet zwischen Rothenburg und Würzburg bilden dabei die Quaderkalke, die die Hochflächen des Tauberlands bilden. Der Abbau in Krensheim findet bereits seit über 800 Jahren statt, aus diesen Steinen wurde zum Beispiel das Olympiastadion in Berlin errichtet.

Das theoretisch Gehörte wurde anschließend auf einem Rundgang praktisch vorgeführt. Der Schorren, die Gesteinsformation, auf der einst die Grünsfelder Burg aufragte, lässt an seinem Fuß einen Blick in seinen geologischen Aufbau zu. Einen Trick zur Bestimmung von Gesteinen verriet Krijn auch, als er ein kleines Fläschchen verdünnte Salzsäure aus seinem Rucksack zog. Auf Kalkstein aufgetragen schäumt die Säure, bei anderen Gesteinsarten dagegen nicht. Solcherlei Tests empfehlen sich jedoch nur für fachlich Versierte.

An markanten Gebäuden in der Hauptstraße und an der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul wurde auf dem weiteren Rundgang die unterschiedliche Verwendung von Kalkstein und Lettenkeuper-Sandstein gezeigt. Teils hat dies ästhetische, teils handwerklich-bildhauerische Gründe, da der Sandstein für Figuren wesentlich filigraner zu bearbeiten ist.

Am Museum im Amtshaus wartete schon Christine Kastner, 1. Vorsitzende des Kulturvereins Grünsfeld, auf die Teilnehmer. Auf einem Rundgang durch die der religiösen Volkskunst gewidmeten Ausstellungsräume wurden historische Hintergründe erläutert. Christine Kastner erzählte auch die eine oder andere Anekdote zu den ausgestellten Objekten. In der benachbarten pädagogischen Steinmetzwerkstatt wurde nochmals das Thema Geologie veranschaulicht, nun in Form bearbeiteter Steine. Alfred Beetz, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Grünsfeld und 2. Vorsitzender des Kulturvereins, stand hier für Fragen der Interessierten zur Verfügung. Noch in durchsichtige Folie verhüllt konnte schon in das nächste Projekt des Kulturvereins gespickt werden. Die Restaurierung von zwei großformatigen Holzskulpturen der Kirchenpatrone wird unter anderem vom Landkreis finanziell unterstützt. Die Skulpturen waren ursprünglich wohl um 1635 für das Kloster Schöntal geschaffen, aber vor einiger Zeit in Grünsfeld aufgefunden worden.

Wer noch nicht genug gesehen und gehört hatte, konnte im Leuchtenbergsaal noch durch die 2015 eingerichtete Ausstellung „Grünsfeld – Geschichte einer tauberfränkischen Stadt“ gehen. Zum Abschluss traf man sich wieder im Rienecksaal, wo der 36. Tag der Heimatforschung mit einem vom Landkreis ausgerichteten Empfang ausklang. Bei einem guten Gläschen Wein und Kanapees tauschten sich die Teilnehmer über das Gehörte aus und pflegten die Kontakte untereinander.

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