In Flüssen und Bächen wird das Wasser knapp - Umweltschutzamt schränkt Wasserentnahme ein
Das Umweltschutzamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern einschränkt. Die Regelung gilt von Mittwoch, 1. Juli, bis mindestens Mittwoch, 30. September. Anlass für die Entscheidung war die anhaltende Trockenheit im Frühjahr sowie in den vergangenen Wochen, die verbreitet zu Niedrigwasser in Seen, Flüssen und Bächen gesorgt hat. Zudem ist auch mittelfristig keine grundlegende Änderung der Witterungsverhältnisse zu erwarten. Eine Möglichkeit, die Gewässerökologie der betroffenen Gewässer mit weniger weitreichenden Einschränkungen zu schützen, besteht nicht.
Die Allgemeinverfügung gilt für alle oberirdischen Gewässer im Main-Tauber-Kreis mit Ausnahme von Main und Tauber. Weiterhin erlaubt bleiben das Schöpfen mit Handgefäßen (zum Beispiel Gießkanne oder Eimer) sowie das Tränken von Vieh direkt aus dem Gewässer. Ausgenommen von dieser Regelung sind außerdem alle Wasserkraftanlagen, Fischteichanlagen und sonstigen Wasserbenutzungsanlagen, die das entnommene Wasser nach Gebrauch wieder in das Gewässer einleiten.
Die mit wasserrechtlicher Erlaubnis des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis zugelassenen Wasserentnahmen aus oberirdischen Gewässern zum Zweck der Produktion bestimmter Lebensmittel in der Landwirtschaft und im gewerblichen Gartenbau müssen auf 50 Prozent der erlaubten Wassermenge reduziert werden, alle anderen zugelassenen Wasserentnahmen sind entsprechend der Konkretisierungen der Allgemeinverfügung untersagt.
Zur Notwendigkeit der Allgemeinverfügung verweist das Landratsamt darauf, dass im Main-Tauber-Kreis der mittlere Niedrigwasserstand an fast allen maßgeblichen Pegeln erreicht oder bereits unterschritten wurde. Viele kleinere Gewässer im Landkreis weisen nach örtlicher Prüfung des Umweltschutzamtes bereits seit längerer Zeit einen niedrigen Wasserstand auf.
Nach einem sehr trockenen April war auch der Mai in diesem Jahr mit etwa 60 Millimetern (mm) Niederschlag im Flächenmittel in Baden-Württemberg deutlich zu trocken und erreichte nur rund zwei Drittel des klimatologischen Sollwertes von 96 mm. Im Juni wurden bisher landesweit lediglich rund 49 mm Niederschlag gemessen. Dies entspricht lediglich 46 Prozent des langjährigen Juni-Mittels von 107 mm (Bezugszeitraum 1961 bis 1990).
Gemäß Lagebericht des Niedrigwasser-Informationszentrums Baden-Württemberg war die klimatische Wasserbilanz Anfang Juni im Bezugszeitraum von 1991 bis 2026 noch nie so niedrig wie aktuell. Sie liegt im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) bei 63 mm von November bis Mai. Der Durchschnitt für diese Monate liegt laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) bei 277 mm.
In Baden-Württemberg melden 34 Prozent der NIZ-Pegel der Niedrigwasser-Informationszentrale extrem niedrige Wasserstände und weitere 43 Prozent sehr niedrige Wasserstände. Die Tauber zeigt flächendeckend niedrige Abflusswerte. Der Bezugspegel der Tauber in Bad Mergentheim weist mit Stand vom Sonntag, 28. Juni, mit 77 Zentimetern und einem Abfluss im Tagesmittel von 1,20 m³/s Niedrigwasser auf. Die Wassertemperatur ist mit 22 Grad (Tauberbischofsheim, Archshofen) sowie 23 Grad (Igersheim, Bad Mergentheim) deutlich zu hoch.
Erst nach andauernden Niederschlägen kann damit gerechnet werden, dass sich die Situation verbessert. Kurze starke Niederschläge, wie sie bei einem Gewitterregen auftreten, führen nur sehr kurzfristig zu einer Erhöhung des Abflusses in den Gewässern. Das Landratsamt wird die Situation kontinuierlich weiter beobachten und bei Bedarf weitere Maßnahmen ergreifen.
Die öffentliche Bekanntmachung kann unter www.main-tauber-kreis.de/oeffentliche-bekanntmachungen abgerufen werden. Für weitere Informationen steht das Umweltschutzamt im Landratsamt unter der Telefonnummer 09341/82-5775 zur Verfügung.