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25.03.2026

Wenn Menschlichkeit und Unternehmertum zusammenfinden - Bestatterin Anette Dölzer-Nachtmann aus Großrinderfeld ist ein Gesicht der Kampagne Next Generation Handwerk

Anette Dölzer-Nachtmann ist Teil der neuen Kampagne des Landesprojekts „Next Generation Handwerk“. Als Betriebsübernehmerin aus dem Kammerbezirk Heilbronn-Franken ist sie eine von neun baden-württembergischen Handwerkerinnen und Handwerkern, die im Rahmen der Kampagne über ihre Betriebsnachfolge berichten. Eine Betriebsübernahme im Handwerk kann viele Wege in die Selbstständigkeit eröffnen - manchmal auch ganz unerwartete. 

Die Geschichte von Anette Dölzer-Nachtmann zeigt, wie aus einem Quereinstieg, persönlicher Nähe und sorgfältiger Vorbereitung eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge im Handwerk entstehen kann. 

Anette Dölzer-Nachtmann ist Bestatterin. Sie begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg - und Angehörige in einer schweren Phase. Sie hat die Trauerhilfe Emmerling übernommen, nachdem ihr Vater viele Jahre im Betrieb tätig war und sich der bisherige Inhaber zur Ruhe setzen wollte. „Mir war schnell klar: Dieser Beruf ist unglaublich vielseitig – und vor allem sehr sinnstiftend“, sagt die Übernehmerin. Ursprünglich war Dölzer-Nachtmann Erzieherin. Fähigkeiten wie Kommunikationsstärke, psychologisches Feingefühl und der Umgang mit Trauer begleiteten sie bereits in ihrem früheren Beruf - und wurden zur wertvollen Grundlage für die Übernahme.

Die Betriebsübernahme selbst fand in einer besonderen Lebensphase statt: hochschwanger, mitten im Übergang, mit vielen neuen Verantwortungen. „Es war herausfordernd - aber alles ist machbar, wenn man gut vorbereitet ist und sich Unterstützung holt“, berichtet die Bestatterin.

Den Betrieb kennenlernen

Ein entscheidender Faktor für die gelungene Betriebsübernahme war für sie die frühzeitige Einbindung. Bereits ein Jahr vor der offiziellen Übernahme arbeitete sie im Betrieb mit, war an Entscheidungen beteiligt und lernte Abläufe, Mitarbeiter und Kunden intensiv kennen. „Dieses Jahr war enorm wichtig. Ich konnte sehen: Mit Familie, mit zwei kleinen Kindern - das ist machbar“, so die Übernehmerin. Besonders wertvoll sei die Erfahrung des bestehenden Teams gewesen. „Der größte Vorteil der Übernahme war für mich die Erfahrung der Mitarbeiter. Das gibt Sicherheit - fachlich und menschlich.“ Eingespielte Abläufe, Fachwissen und Vertrauen sorgten für Stabilität in einer sensiblen Übergangsphase.

Auch die Handwerkskammer spielte eine zentrale Rolle. Ob rechtliche Fragen, Struktur, Organisation oder Begleitung im Prozess - die Unterstützung war durchgehend präsent. „Die Handwerkskammer war immer an meiner Seite. Egal bei welcher Frage - ich hatte nie das Gefühl, allein zu sein“, unterstreicht Dölzer-Nachtmann.

Kreativität, Tradition und Wandel

Für Anette Dölzer-Nachtmann bedeutet Übernahme nicht, alles neu zu machen - sondern Bestehendes zu respektieren und behutsam weiterzuentwickeln. Die Bestattungskultur befindet sich im Wandel, Abschiede werden individueller, persönlicher. „Es geht nicht um Inszenierung. Es geht darum, Persönlichkeit sichtbar zu machen“, sagt sie. Neue, alternative Formen ergänzen klassische Bestattungen - nicht als Bruch, sondern als Erweiterung. Die Rückmeldungen der Angehörigen seien durchweg positiv. „Viele sind dankbar, dass sie den Abschied so gestalten dürfen, wie es zum Menschen passt.“ Ihr Fazit: Die Übernahme im Handwerk ist mehr als ein unternehmerischer Schritt. Sie verbindet Verantwortung, Kreativität, Menschlichkeit - und die Chance, Selbstständigkeit und Familie miteinander zu vereinen.

Mehr Geschichten und Erfahrungen von Übernehmern gibt es auf dem Instagram-Kanal „@nextgen.handwerk“ sowie weitere Informationen unter www.nachfolge-im-handwerk.de.

Das Projekt Next Generation Handwerk wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg im Rahmen der Kampagne „Nachfolge BW“.

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