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27.01.2026

Landkreis stellt Weichen für landkreisweiten Glasfaserausbau

Das Landratsamt und die 18 Städte und Gemeinden im Main-Tauber-Kreis möchten den Glasfaserausbau als wichtige Infrastrukturmaßnahme strategisch neu ausrichten und aktiv vorantreiben. „Dabei räumen Landkreis und Kommunen dem eigenwirtschaftlichen Ausbau durch private Unternehmen auch künftig den Vorrang ein. Jedoch sind ergänzende Projekte mit Landes- und Bundesförderung notwendig, um den Landkreis flächendeckend mit Glasfaser versorgen zu können“, fasst Landrat Christoph Schauder zusammen.

Der Main-Tauber-Kreis hat dazu im zweiten Halbjahr 2025 Gespräche mit Breitbandunternehmen geführt, die bereits über eigene Glasfaserinfrastruktur im Landkreis verfügen. Einzelne Telekommunikationsunternehmen haben auch bereits eigenwirtschaftliche Ausbauaktivitäten für Teile des Kreisgebiets angekündigt. Vor diesem Hintergrund haben Landkreis und Kommunen ihr weiteres gemeinsames Vorgehen vereinbart. Dazu gehören die Vorbereitung und die Umsetzung eines Förderverfahrens. Hierzu müssen umfangreiche Konzepte erstellt und externe Beratungsleistungen in Anspruch genommen werden. Für die kommenden Planungsschritte hat der Landkreis bereits 200.000 Euro Fördermittel eingeworben.

Erster Baustein des neuen Vorgehens ist ein bundesweiter Branchendialog mit interessierten Telekommunikationsunternehmen. Dieser läuft seit dem 8. Dezember 2025 und dient dazu, das privatwirtschaftliche Ausbauinteresse im Landkreis abzufragen. Konkretisiert werden soll dieses Ausbauinteresse im Frühjahr 2026 mit einem Markterkundungsverfahren. Dabei wird geprüft, welche Adressen in den kommenden Jahren durch Unternehmen eigenwirtschaftlich (also ohne staatliche Förderung) ausgebaut werden. Anhand des Ergebnisses sollen die verbleibenden Adressen im Landkreis bestimmt werden können, die im Rahmen eines landkreisweiten Förderprojekts angeschlossen werden sollen. Der Branchendialog und das Markterkundungsverfahren sind zwingende Voraussetzung für einen möglichen Förderantrag bei Bund und Land, der im zweiten Halbjahr 2026 gestellt werden könnte.

In der Vergangenheit haben der Landkreis und die Kommunen bereits von Fördermitteln des Bundes und Landes profitiert und die Basis für den erfolgreichen Breitbandausbau gelegt. Von 2017 bis 2020 erfolgten der geförderte Ausbau des Basiskonzepts mit mindestens 50 Mbit/s und die Anbindung aller 82 Schulen im Landkreis mit einem direkten Glasfaseranschluss durch die Telekom Deutschland GmbH. Von November 2020 bis Juli 2024 wurde die Erschließung der restlichen weißen Flecken und der Glasfaseranschlüsse in den Gewerbegebieten durch das Unternehmen NGN Fiber Network KG mithilfe ergänzender Bundes- und Landesmittel realisiert.

Zudem war in einem Kooperationsvertrag zwischen dem Main-Tauber-Kreis, allen Städten und Gemeinden im Landkreis sowie der BBV Deutschland GmbH im Jahr 2021 ein eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau durch die BBV für alle Städte und Gemeinden im Landkreis vereinbart worden. Dieses Projekt ist ins Stocken geraten, was jedoch auch bundesweit für den privat finanzierten Glasfaserausbau im Allgemeinen gilt und keine spezifische Herausforderung im Main-Tauber-Kreis ist.

Begonnen hat die BBV – jetzt LEONET – ihr Ausbauvorhaben bis heute lediglich in den Kernorten Creglingen und Wittighausen. „Aufgrund der veränderten Marktsituation möchte die BBV bzw. LEONET den weiteren flächendeckenden Glasfaserausbau im Landkreis neu bewerten. Weitere Ausbauplanungen im Landkreis liegen derzeit nicht vor. Somit ist der Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2021 aus Sicht von Kreis und Kommunen die Grundlage entzogen worden. Sie wird daher nicht mehr aktiv weiterverfolgt“, erklärt Landrat Christoph Schauder. Die Entwicklung der vergangenen Jahre habe dazu geführt, „dass ein eigenwirtschaftlicher Ausbau mit nur einem Unternehmen nicht mehr der aktuellen Marktsituation entspricht, sondern in Zukunft in jeder Region in der Regel mehrere Unternehmen parallel aktiv sein werden, auch im Main-Tauber-Kreis.“ Als Beleg für diese neue Lage führt der Landrat den Glasfaserpakt Baden-Württemberg an, der im Juli 2025 von 24 Akteuren der Telekommunikationsbranche unterzeichnet wurde.

Deutlich wird die neue Entwicklung auch in der Ankündigung der Firma GlasfaserPlus, einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom und des IFM Global Infrastructure Fund, für einen eigenwirtschaftlichen Ausbau. Das Unternehmen hat die Ausbauplanungen bereits in den Kommunen Külsheim, Lauda-Königshofen, Tauberbischofsheim und Weikersheim vorgestellt und einen eigenfinanzierten Glasfaserausbau in Teilen der betreffenden Kommunen angekündigt.

Bis 2028 sollen so 9721 Haushalte mit Glasfaser versorgt werden, ohne dass sich die Kommunen oder der Landkreis finanziell beteiligen müssen. Geplant sind die Versorgung von 758 Haushalten im Stadtteil Külsheim, 836 Haushalten im Stadtteil Weikersheim, 2674 Haushalten im Stadtteil Lauda und 5453 Haushalten in den Stadtteilen Tauberbischofsheim und Dittigheim. Die Vermarktung in den jeweiligen Ausbaugebieten hat bereits begonnen. Weitere eigenwirtschaftliche Ausbauaktivitäten setzen beispielsweise die Stadtwerke Wertheim und das Stadtwerk Tauberfranken schrittweise in ihren Konzessionsgebieten um.

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