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27.07.2026

Neue Quartiere für heimische Fledermäuse - Erste Stele im Regierungsbezirk steht in Wittighausen

Das Regierungspräsidium Stuttgart hat im Rahmen der Naturschutzbeauftragten-Tagung 2026 ein Hilfsquartier für Fledermäuse in Wittighausen errichtet. Dort befindet sich ein optimaler Standort in einem hochwertigen, durch Biberaktivitäten geschaffenen Feuchtgebietskomplex. Ziel der Maßnahme ist es, das Quartierangebot für Fledermäuse zu erhöhen. Weitere solche Stelen sollen im gesamten Regierungsbezirk folgen.

Alle hier heimischen Fledermausarten sind streng geschützt. Sie werden unter anderem durch den Verlust strukturreicher Offenlandbereiche, geeigneter Quartiere oder alter Gehölzbestände beeinträchtigt. Auch der Rückgang des Insektenangebots, ihrer Nahrung, sowie der Ausbau der Windkraft beeinflussen die Bestände vieler Fledermausarten derzeit negativ. Aus diesem Grund werden im Rahmen des Artenschutzprogramms und der Artenschutzoffensive des Landes Baden-Württemberg gezielte Maßnahmen zur Förderung von Fledermäusen umgesetzt.

Der Biber hat am Insinger Bach in Wittighausen aus einem einfachen Bachlauf ein reich strukturiertes und naturschutzfachlich hochwertiges Feuchtbiotop in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft geschaffen und somit ein wichtiges Jagdgebiet für die lokale Fledermauspopulation bereitgestellt. Die Stele soll dafür sorgen, dass Fledermäuse näher an ihrem Nahrungsgebiet Quartier finden und weniger Energie für die Suche aufwenden müssen.

„Wir haben diesen Standort gewählt, da er bereits eine hohe Qualität als Nahrungshabitat aufweist und eine Nutzung durch Fledermäuse bereits vorhanden ist. Das einzige, an dem es im Gebiet fehlt, sind ausreichend alte Bäume mit Höhlen oder Rindenspalten, in denen die Fledermäuse tagsüber Zuflucht finden“, erklärt Florian Back vom Regierungspräsidium Stuttgart. Er ist für die Umsetzung der Artenschutzoffensive des Landes zuständig.

„Durch die Installation einer Fledermausstele kann hier schnell, effektiv und dauerhaft das Quartierangebot erhöht und somit die Lebensraumqualität gestärkt werden“, ergänzt Karl-Heinz Geier, Sachgebietsleiter Naturschutz bei der Unteren Naturschutzbehörde des Main-Tauber-Kreises.

Finanziert wird die Stele über Mittel der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg. Die Gemeinde Wittighausen hat ein kommunales Flurstück für die Installation zur Verfügung gestellt. Sie hat im Ried gemeinsam mit der Flurneuordnung, der Ortsgruppe des NABU und dem Landschaftserhaltungsverband unter Mithilfe des Bibers ein Paradies für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten geschaffen.

Speziell entwickelte Quartiermöglichkeiten

Entwickelt und errichtet wurde die Quartierstele von Dr. Christian Dietz, einem anerkannten Experten für Fledermäuse. Die wartungsfreie Stele ist so konzipiert, dass auf allen Seiten unterschiedliche Quartierstrukturen vorhanden sind. Durch die verschiedenen Materialien, Spaltenbreiten und Raumgrößen ist ein breites Spektrum an unterschiedlichen mikroklimatischen Bedingungen und Hangplätzen vorhanden, die je nach Jahreszeit und Sonneneinstrahlung kleinräumig gewechselt werden können.

Für die Verankerung der Stele verzichtete man bewusst auf ein großvolumiges Betonfundament. Stattdessen wurde ein punktueller Schraubanker verwendet, mit dem die Eingriffe in den Boden auf ein Minimum reduziert werden konnten.

Monitoring und langfristige Etablierung

Mit der ersten Fledermausstele in Wittighausen ist der Startschuss gefallen: In den kommenden Jahren wird das Regierungspräsidium Stuttgart weitere Stelen an ausgewählten Standorten im gesamten Regierungsbezirk errichten. Begleitend dazu wird ein Monitoring vorgenommen. Es soll aufzeigen, wie schnell und von welchen Fledermausarten die neuen Quartiere angenommen werden und ob Anpassungen erforderlich sind, um bestimmte Arten noch gezielter zu fördern. Erste Erfahrungen mit bereits bestehenden Fledermausstelen sind vielversprechend. Vor allem spaltenbewohnende Arten wie die Mückenfledermaus und die Zwergfledermaus nutzen die künstlichen Quartiere gerne. Die neuen Stelen leisten damit einen wichtigen Beitrag, den streng geschützten Tieren zusätzliche Rückzugsorte zu bieten und ihre Lebensräume langfristig zu stärken.

Hintergrundinformationen

Das Artenschutzprogramm Baden-Württemberg dient dazu, die stark gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten gezielt zu erhalten und zu fördern. Die Artenschutzoffensive (ASO) des Landes Baden-Württemberg verfolgt das Ziel, artspezifische Schutz- und Fördermaßnahmen umzusetzen, um die Populationen ausgewählter Fokusarten zu stärken. Die ASO basiert auf den drei Projektsäulen „Landesweites Artenhilfsprogramm“, „Landesweites Feldvogelschutzprogramm“ und „Landesweites Amphibienschutzprogramm“.

Die Naturschutzbeauftragten-Tagung ist ein Vernetzungstreffen der Naturschutzbeauftragten des Regierungspräsidiums Stuttgart. Die Naturschutzbeauftragten sind ehrenamtliche Kenner von Natur und Landschaft, die in den Stadt- und Landkreisen jeweils auf fünf Jahre bestellt werden, um der unteren Naturschutzbehörde mit ihrem Rat zur Seite zu stehen. Sie beraten und unterstützen die unteren Naturschutzbehörden insbesondere bei der Beurteilung von Vorhaben und Planungen, die mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden sind.

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