Mentale Gesundheit von Beginn an - Wirtschaftsschule startet Projekt mit AOK und Kitzberg Kliniken
Die Kaufmännische Schule Bad Mergentheim geht neue Wege, um ihre Wirtschaftsschüler nicht nur fachlich, sondern auch mental zu unterstützen. Mit dem gemeinsamen Projekt der AOK Heilbronn-Franken und der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim „Gesunde Schule – Mentale Gesundheit von Beginn an“ sollen die Jugendlichen über einen längeren Zeitraum auf ihrem schulischen Weg begleitet und bei persönlichen Herausforderungen unterstützt werden.
Den Auftakt des Gesundheitsprojekts bildete zu Beginn des Schuljahres ein besonderer Kennenlerntag. Organisiert und geleitet wurde die Veranstaltung von Simone Arzt, die als freiberufliche Präventions- und Gesundheitsmanagerin an der Akademie der Kitzberg Kliniken in Bad Mergentheim tätig ist. Dort wirkt sie am Aufbau eines regionalen Netzwerks für mentale Gesundheit mit, an dem verschiedene Akteure aus dem Gesundheitswesen, den Schulen und den Unternehmen aus der Region beteiligt sind – darunter auch die Kaufmännische Schule Bad Mergentheim.
Abteilungsleiter Michael Krank stellte den Schülerinnen und Schülern das geplante Projekt vor. Sein besonderer Dank galt der AOK, durch deren Unterstützung die Aktion realisiert werden konnte. Anschließend übernahm Simone Arzt die Leitung des Kennenlerntages. Mit viel Fachkenntnis und abwechslungsreichen, aktivierenden Methoden gelang es ihr, die Schülerinnen und Schüler von Beginn an einzubeziehen und sie zur persönlichen Auseinandersetzung mit ihren Werten, Stärken, Herausforderungen und Zielen anzuregen.
Dabei ging es nicht nur um ein gegenseitiges Kennenlernen. Die Jugendlichen sollten sich auch bewusst mit ihren schulischen und beruflichen Zielen auseinandersetzen und überlegen, welche Schritte sie auf dem Weg dorthin unternehmen können. Mit einem abgewandelten Zitat des Dichters Christian Morgenstern brachte die Expertin die Herausforderung auf den Punkt: „Wenn ich mein Ziel nicht kenne, werde ich den Weg nicht finden.“
So stellten sich die Schülerinnen und Schüler zunächst in Zweiergruppen gegenseitig vor und tauschten sich über ihre individuellen Interessen, Bedürfnisse und Herausforderungen aus. Anschließend erarbeiteten sie, welche Werte ihnen als Klasse besonders wichtig sind. Daraus entstand ein gemeinsames Leitbild, in dem Begriffe wie Respekt, Hilfsbereitschaft, Loyalität, Ehrlichkeit, Toleranz und Nachsichtigkeit eine wichtige Rolle spielen.
Im weiteren Verlauf rückten die persönlichen Ziele der Jugendlichen in den Mittelpunkt. Insbesondere die Frage, warum ihnen der mittlere Bildungsabschluss wichtig ist, wurde intensiv reflektiert. Dabei zeigte sich, dass ein Großteil der Klasse zwar ein schulisches Ziel vor Augen hat, vielen jedoch noch nicht klar war, wie dieses konkret erreicht werden kann.
Mit gezielten Übungen und Methoden führte Simone Arzt die Schülerinnen und Schüler deshalb Schritt für Schritt von der persönlichen Zielsetzung hin zu konkreten Handlungsmöglichkeiten. Sie setzten sich mit ihren eigenen Stärken und Schwächen auseinander und identifizierten mögliche Hindernisse auf ihrem Weg. Als belastende Faktoren nannten die Jugendlichen unter anderem mangelnde deutsche Sprachkenntnisse, Schlafprobleme, übermäßigen Handykonsum und privaten Stress.
Mithilfe der SMART-Methode und der ABC-Analyse lernten die Schülerinnen und Schüler schließlich, Ziele konkreter zu formulieren, Prioritäten zu setzen und ihre Vorhaben regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Die verschiedenen Arbeitsphasen machten dabei deutlich: Mentale Gesundheit bedeutet auch, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen, sich realistische Ziele zu setzen und selbst Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen.
Die Ergebnisse der Übungen wurden auf Plakaten festgehalten. Damit entstanden für die Schülerinnen und Schüler persönliche und gemeinsame „mentale Leitplanken“, an denen sie sich in den kommenden zwei Jahren orientieren können.
Zum Halbjahr wird das Projekt fortgesetzt. Dann sollen die Jugendlichen reflektieren, inwiefern sie ihre Vorsätze und die zusammen vereinbarten Werte im Schulalltag umsetzen konnten. Gemeinsam soll anschließend herausgefunden werden, was den Schülerinnen und Schülern hilft, ihre Ziele weiterzuverfolgen und Herausforderungen im Schulalltag gut zu bewältigen und an welchen Stellen sie konkrete Unterstützung benötigen. Auf diese Weise soll die mentale Gesundheit nicht nur einmalig thematisiert, sondern kontinuierlich begleitet werden.
Zum Abschluss des Kennenlerntages fiel das Fazit der Klasse insgesamt positiv aus. Besonders deutlich wurde dabei, dass die Jugendlichen nicht nur viel über ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, sondern auch über sich selbst, ihre Ziele und mögliche Wege zu deren Verwirklichung erfahren hatten.