Seiteninhalt
24.02.2026

Bühne frei an der Gewerblichen Schule - Karlsruher Klassenzimmertheater gastierte in Tauberbischofsheim

Das Karlsruher Klassenzimmertheater „THEATERmobileSPIELE“ gastierte kürzlich mit drei Aufführungen des von Heinrich von Kleist verfassten Theaterspiels „Der zerbrochene Krug“ an der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim (GTB). Knapp 200 Oberstufenschüler des Technischen Gymnasiums, des Wirtschaftsgymnasiums, des Martin-Schleyer-Gymnasiums und des Matthias-Grünewald-Gymnasiums gewannen auf diese Weise neue Zugänge zu einer abiturrelevanten Pflichtlektüre.

Kleists Einakter ist ein analytisches Drama. Das auslösende Ereignis ist schon geschehen und bleibt als Vorgeschichte zu entdecken. Die Handlung spielt in Huisum, einem niederländischen Dorf bei Utrecht. Der klumpfüßige Dorfrichter Adam hatte sich dort in die Kammer des Bauernmädchens Eve geschlichen, um es zu verführen. Als Eves Bräutigam Ruprecht an die Türe klopfte und Einlass begehrte, musste Adam durch das Fenster fliehen, zerbrach dabei einen kostbaren Krug und verlor seine Perücke im Weinspalier des Hauses.

Die eigentliche Handlung des Stückes beginnt, als Eves Mutter Frau Marthe zum Dorfrichter kommt, um gegen den „Krugzertrümmrer“ zu klagen. Die Situation spitzt sich zu, als der Gerichtsrat Walter unangemeldet eintrifft, um die Gerichtsbarkeit in Huisum zu überprüfen. Unter seiner Aufsicht und angesichts der spitzfindigen Bemerkungen des Schreibers Licht ist Adam gezwungen, zu lügen und die Tatsachen zu verdrehen. Er verstrickt sich immer mehr in seine Ausflüchte und kann die Entdeckung der Wahrheit doch nicht aufhalten. Am Ende flieht er aus dem Dorf.

Für die rund 70-minütige Kompaktversion, die die Schüler zu sehen bekamen, schlüpften Petra Ehrenberg und David Lison in die unterschiedlichsten Rollen und verwischten damit auch Geschlechtergrenzen. Regisseur Thorsten Kreilos und Ausstatter Marcus Stiefel-Dürr hatten zudem ausdrucksstarke Bilder gefunden. So türmten sich die Aktenorder, die gleichzeitig als Versteck für Naturalien aller Art dienten. Sie veranschaulichten so die Vermischung von Beruf und Privatsphäre und machten damit die fragwürdige Amtsführung des Dorfrichters Adam deutlich.

Kleists Lustspiel ist auch eine Komödie voller Wortwitz und komischer Effekte. Die Inszenierung nahm dazu Anleihen bei Loriot, dem Großmeister des deutschsprachigen Humors. So zum Beispiel, wenn Petra Ehrenberg als Schreiber Licht mit Evelyn-Hamann-Gedächtnisperücke auftrat und mit den Tücken eines Elektrokabels zu kämpfen hatte. Oder wenn Licht und der Gerichtsrat Walter dem fliehenden Adam per Fernglas nachblickten: „Ja, wo laufen sie denn hin?“.

Im Anschluss an die Aufführung konnten die Schüler mit den beiden Schauspielern über Darstellung, Bühnenbild, Kostüme und Interpretationsansätze sprechen. Dem Klassenzimmertheater war es offensichtlich gelungen, mit Phantasie einen fiktionalen Raum entstehen zu lassen und damit den Schülern eine neue Sichtweise auf ein scheinbar bekanntes Werk zu ermöglichen.

Seite zurück nach oben Seite drucken