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10.12.2025

38 Jungvögel der Wiesenweihe ausgeflogen - Landratsamt sucht ehrenamtliche Wiesenweihenschützer

Ein seltener und damit ein besonderer Anblick in Baden-Württemberg: Der Greifvogel Wiesenweihe kommt im gesamten „Ländle“ nur in den Landkreisen Main-Tauber und Schwäbisch Hall vor. Um die seltene Vogelart bestmöglich zu schützen, ist das Landratsamt Main-Tauber-Kreis stetig auf der Suche nach ehrenamtlichen Wiesenweihenschützern.

Um diese Jahreszeit lassen sich die mittlerweile bereits ausgewachsenen Jungvögel die Sonne der Sahelzone östlich der Sahara auf die Federn scheinen. Als Langstreckenzieher verbringen sie die kalten Monate im Winterquartier in Afrika und machen sich gegen Ende März wieder auf in die tauberfränkischen Brutgebiete, wo sie ab Mitte April erneut beobachtet werden können.

In der Region angekommen, begeben sie sich meistens an den Ort ihrer Geburt, denn war ein Brutjahr erfolgreich, scheinen die Chancen hoch, dass die Brut dort erneut gelingt. Im ersten Jahr nach dem Schlupf suchen sich nur die „frühreifen“ Jungvögel aus dem vergangenen Jahr einen Partner, bauen ein Nest und ziehen Junge groß. Das Werben der Männchen um ein Weibchen ist dabei ein echter Hingucker, denn während der Balz zeigen die Greifvögel spektakuläre Flugmanöver über den Feldern im Main-Tauber-Kreis.

Als ehemaliger Feuchtwiesenvogel brütet die Wiesenweihe mittlerweile fast ausschließlich in Getreideäckern der Region. Brutplätze sind also genügend vorhanden, doch birgt die Brutplatzwahl auch gewisse Risiken.

Ab Ende Juni picken sich die Jungvögel nach knapp 30 Tagen im Ei aus der Schale. Als erstes erblicken sie die bräunlich gefärbte Mutter, die schneeweißen Geschwister und das wortwörtliche Bett im Kornfeld. Der silber-graue Vater kümmert sich um die Nahrungsversorgung. Hat er etwas erbeutet, fliegt das Weibchen hoch und übernimmt die Beute vom Männchen im Flug. Der Speiseplan kann hier je nach Verfügbarkeit durchaus sehr variabel sein. So werden am liebsten kleinere Säugetiere, Reptilien und größere Insekten erbeutet. Umso mehr Futter vorhanden ist, desto höher ist die Überlebenswahrscheinlichkeit der Jungvögel. Die Zeit zwischen den Fütterungen kann vier bis sechs Stunden betragen. Dazwischen sind die Tiere fast nicht zu sehen.

Das auffällige Werben der Männchen zu Beginn der Brutzeit ist wichtig, denn diese werden dabei von ehrenamtlichen Vogelschützern beobachtet. Dadurch können das betroffene Feld und der genaue Neststandort des Paares herausgefunden werden. Flügge werden die Jungvögel erst nach rund 35 Tagen. Dies kollidiert oftmals mit der Ernte des Getreidefeldes, in dem die Tiere brüten. Wenn der Neststandort bekannt ist, können die betroffenen Bewirtschaftenden rechtzeitig über die Brut informiert werden. Bei der Ernte wird nun eine Restfläche um das Nest ausgespart und erst gedroschen, wenn die Vögel ausgeflogen sind. Entschädigt wird der Ernteverlust über die Landschaftspflegerichtlinie des Landes Baden-Württemberg.

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Ehrenamt und Naturschutz konnte der Bestand der Wiesenweihe im Main-Tauber-Kreis von ehemals vier Brutpaaren im Jahr 2004 auf mittlerweile 20 Brutpaare 2025 erweitert werden. Diese positiven Zahlen zeigen deutlich, wie gut kooperativer Artenschutz zwischen Naturschutz und Landwirtschaft funktionieren kann. Mit 38 Jungvögeln von 20 Brutpaaren, welche 2025 im Main-Tauber-Kreis ausgeflogen sind, geht der Trend für diesen seltenen Greifvogel seit dem Jahr 2022 wieder nach oben. Auf der roten Liste Deutschland wird die Wiesenweihe weiterhin unter der Kategorie zwei (stark gefährdet) gelistet. Ohne die gute Zusammenarbeit bleiben viele Nester unentdeckt und die Überlebenschance der Tiere ist gering, denn nur wenn die Neststandort bekannt sind, können Nestschutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Landratsamt sucht ehrenamtliche Wiesenweihenschützer

Bürgerinnen und Bürger, die diesen seltenen Greifvogel unterstützen möchten und sich vorstellen können, ein Gebiet auf das Vorkommen der Tiere zu kontrollieren und Bruten aufzuspüren, können sich bei Ann-Kathrin Bröger aus dem Umweltschutzamt des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis unter der Telefonnummer 09341/82-5756 oder per E-Mail an ann-kathrin.broeger@main-tauber-kreis.de melden.

Landbewirtschaftende können spezielle Nahrungsfelder anlegen und die Nahrungsverfügbarkeit und die Überlebenschancen der Jungvögel erhöhen. Gefördert wird dies durch die Landschaftspflegerichtlinie des Landes Baden-Württemberg.

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