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Waldpflege

Was ist eine Mischwuchsregulierung?

In sehr jungen Beständen (bis 30 Jahre) ist die Entwicklungsdynamik enorm. Alle jungen Bäume streben nach Sonnenlicht.

Bäume, die schnell nach oben wachsen, breiten ihre Äste aus, um möglichst viel Licht zu erhalten. Benachbarte Bäume, die langsamer wachsen, geraten unter Druck , erhalten nur noch wenig Sonnenlicht und sterben rasch ab. Dadurch können gemischte Wälder sehr schnell ihre Mischung verlieren und sich zu Monokulturen entwickeln.

Der Förster/die Försterin muss die jungen Mischbestände immer im Auge behalten und in der Regel in periodischen Abständen von drei bis fünf Jahren lenkend eingreifen, um diese unerwünschte Entwicklung zu Reinbeständen zu unterbinden. Diesen aktiv lenkenden Eingriff zur Erhaltung der Baumartenmischung nennt man Mischwuchsregulierung. Die Mischwuchsregulierung ist der wichtigste Eingriff zur Aussteuerung der Baumartenzusammensetzung der künftigen Waldgeneration. Nur so kann die erwünschte Vielfalt auf Dauer erhalten bleiben.

Vielfalt ist ökologisch vorteilhaft und unverzichtbar zur Risikostreuung unter den Bedingungen der zur erwartenden Klimaveränderung!

Was ist eine Durchforstung?

20 bis 40 Jahre nach der Begründung haben die Bäume durch die gegenseitige Konkurrenz ihre Äste im unteren Stammraum bis auf eine Höhe von sieben bis zehn Metern verloren, diese sind wegen Lichtmangels abgestorben. Dieses Phänomen wird Astreinigung oder Qualifizierung genannt.

Ab diesem Zeitpunkt müssen die Vitalität und die Stabilität einzelner Bäume gezielt gefördert werden, indem benachbarte Bäume entnommen werden (Durchforstung). Die geförderten Bäume erhalten die Möglichkeit, ihre Baumkronen auszubauen, weil die Astentwicklung durch die gegenseitige Beschattung nicht mehr behindert wird, und den Wurzelraum besser zu erschließen. Die Abstände der ausgewählten Bäume sollen baumartabhängig zwischen acht (bei Nadelbäumen) und 15 Metern (bei Laubbäumen) betragen. Bei diesen Abständen lässt sich gewährleisten, dass die Bäume dauerhaft bis ins hohe Alter eine große Krone ausbilden können und sich im Kronenraum nicht um den vorhandenen Platz streiten müssen.

Das Zuwachspotenzial wird auf wenige Bäume konzentriert, so dass diese rasch dicker werden. Außerdem werden die Bäume standfester gegen Sturmereignisse, weil sie unbedrängt eine starke Wurzel und eine große, tiefangesetzte Krone ausbilden können.

Unterbleiben Durchforstungen, wachsen die Bäume bei größtmöglicher gegenseitiger Konkurrenz im Kronen- und Wurzelraum um Licht, Wasser und Nährstoffe in die Höhe. Dadurch leidet die Stabilität, weil die Wurzeln klein bleiben und die Baumkronen durch die gegenseitige Konkurrenz hochgeschoben werden: Die Bäume werden „kopflastig“ und labil. Aufholen lassen sich Versäumnisse nicht mehr, weil die Reaktionsfähigkeit der einzelnen Bäume, das heißt ihr Wurzel- und Kronenwachstum, mit zunehmendem Alter rasch abnimmt.

Wie kann die Eiche natürlich verjüngt werden?

Als Naturverjüngung bezeichnet man das Keimen und Heranwachsen der Samen, die von den Waldbäumen selbst produziert werden. Es ist die natürlichste Art der Reproduktion. Waldbäume bilden unregelmäßig in manchen Jahren überdurchschnittlich viele Samen, die für den Nachwuchs sorgen sollen. Bei schwerfrüchtigen Baumarten nennt man das Phänomen „Mast“, weil früher Schweine gezielt zur Mästung mit den fettreichen Früchten in die Wälder getrieben wurden.

Viele Keimlinge vergehen wieder. Die naturverjüngten Bäumchen haben den enormen Vorteil einer ungestörten natürlichen Wurzelentwicklung: Sie können sich besser im Boden verankern und Wasser auch aus der Tiefe aufnehmen, wenn die obere Bodenschicht ausgetrocknet ist. Die Naturverjüngung gewährleistet außerdem, dass der breite Genpool erhalten bleibt.

Kaum eine Baumart gibt ihren Nachkömmlingen mehr Energie mit auf den Weg als die Eiche. Ein Eichenkeimling kann noch für zwei bis drei Jahre Energie aus der Eichel ziehen, aus welcher er sich entwickelt hat, bevor er vollständig auf seine eigene Photosynthese angewiesen ist. Während dieser Zeit kann die junge Pflanze auch nur mit wenig Licht auskommen und hat Gelegenheit, ihre Pfahlwurzel tief in den Boden auszubreiten. Ist der Energievorrat aus der Eichel jedoch aufgebraucht, ändern sich die Verhältnisse schlagartig. Nun benötigen die jungen Eichen sehr viel Licht, um weiter existieren zu können.

Alte Eichenbestände lassen viel Licht durch die Kronen einfallen, so dass außer dem Eichennachwuchs auch viele begleitende Baumarten (Hainbuchen, Buchen, Ahorne, Esche) und Sträucher keimen und aufkommen können. Die jungen Eichen sehen sich der Konkurrenz anderer Baumarten ausgesetzt, die rascher keimen und ein starkes Höhenwachstum aufweisen. Die rasch aufwachsende Konkurrenz sorgt ihrerseits für die Beschattung der jungen Eichen, so dass diese häufig aus Lichtmangel eingehen.

Dieses Phänomen macht eine erfolgreiche Eichenverjüngung so schwierig. Ohne menschliches Zutun ist es auf den meisten Standorten kaum möglich, Eichen erfolgreich zu verjüngen.

Die Förster müssen also nachhelfen: Nach einem Samenjahr, wenn viele Eicheln gekeimt sind, werden der gesamte vorhandene Aufwuchs von ein bis zehn Metern Höhe und einige alte Bäume entfernt. Es bleiben nur noch einige alte „Mutterbäume“ stehen, die genug Licht durchlassen, damit die jungen Eichen heranwachsen können. In den Folgejahren müssen die aufkommenden Schößlinge der konkurrierenden Baumarten regelmäßig entfernt werden. Die jungen Eichen können sich so unbedrängt entwickeln und aufwachsen.

Nur dieses konsequente Vorgehen führt zum Erfolg – nämlich die Nachhaltigkeit bei der klimatoleranten Baumart Eiche zu wahren. Denn wir haben zwar viele alte Eichenbestände, jedoch nur wenig jüngere. Um alle alten Eichenbestände erfolgreich wieder in Eichen zu verjüngen, benötigen wir noch mindestens 100 Jahre. Wir müssen dazu alle Samenjahre im angemessenen Umfang konsequent zur Verjüngung nutzen.

Das beschriebene Verfahren ist sehr aufwendig und kostet viel Geld. Es ist aber notwendig zur dauerhaften Erhaltung der nachfolgenden Eichengeneration.

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