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Klimastabiler Wald

Kann die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegen den Klimawandel gestärkt werden?

Gegen den Klimawandel gibt es keine Patentrezepte. Ziel der Förster ist es daher, die Widerstandsfähigkeit der Wälder zu stärken. Dies kann durch die folgenden Maßnahmen erreicht werden:

  • Verbesserung der Wuchsbedingungen einzelner Bäume.
  • Förderung von Baumarten, die aufgrund tiefergehender Wurzeln an Trockenheit und Hitze besser angepasst sind oder von Natur aus einen geringeren Wasserbedarf haben.
  • Risikoverteilung durch Baumartenmischung.
  • Fällung von Bäumen mit Insektenbefall.

Die Bäume im Wald wachsen in ständiger Konkurenz zueinander um Licht, Wasser und Nährstoffe. Diese Konkurenz ist zum Teil erwünscht, um lange astfreie Stämme zu erzeugen, aus denen später die vielfältigsten Produkte gefertigt werden können. Gleichzeitig schwächt eine zu hohe Konkurrenzsituation die Bäume. Bäume mit kleinen Kronen können nämlich nur wenig Reserven aufbauen und nur kleine Wurzeln ausbilden. Diese können den Baum bei Wind nicht besonders gut festhalten und nur wenig Wasser aufnehmen.

Die wichtigsten Entwicklungen spielen sich nämlich unterirdisch ab. Entscheidend ist die Fähigkeit des Bodens, das Wasser zu speichern und die Fähigkeit der Bäume, das Wasser aufzunehmen. Wenn die Konkurrenz entschärft ist, können die Bäume ihre Wurzeln ungehindert ausbilden und sich so besser mit Wasser versorgen. Dadurch steigt auch die Widerstandskraft gegen Insektenbefall.

Die Baumarten des Waldes haben unterschiedliche Wurzelsysteme, Nährstoffansprüche und Kronenformen. Kombiniert man die „richtigen Baumarten“, können das vorhandene Wasser, die Nährstoffe und das Licht besser genutzt werden. Der Wald wird in sich „stabiler“. Grundsätzlich gilt: „je homogener die Verhältnisse, desto größer das Risiko“.

Im Wald verdrängt die am besten an einen Standort angepasste Baumart die anderen. Ohne steuernde Maßnahmen entmischen sich unsere Wälder also von ganz allein. Daher sind durchdachte, zielorientierte, aktive Eingriffe in den Wald notwendig, die fast immer aus der Entnahme einzelner Individuen zugunsten anderer bestehen. Das fängt mit dem „Ausmähen“ frisch gesetzter Pflanzen an und zieht sich durchs ganze Bestandesleben.

Sollte man den Wald in Ruhe lassen?

Eine zeitweise Stillegung ist nur in sehr alten Wäldern sinnvoll: Das starke Wachstum der Bäume ist beendet, die vorhandenen Bäume haben sich ihren Platz gesichert, die Konkurrenz ist weitgehend erloschen und die Dynamik in der Entwicklung beginnt erst wieder, wenn einige alte große Bäume absterben.

In jüngeren und mittelalten Wäldern (30-120 Jahre) ist „Nichtstun“ dagegen kontraproduktiv: Das Wachstum der Bäume ist hoch, genau wie die Konkurrenz im Kronen- und Wurzelraum um Wasser, Licht und Nährstoffe. Es setzen sich sukzessiv die Bäume durch, die vitaler oder konkurrenzstärker sind. Durch den ständigen Zuwachs häuft sich bis zum Ausscheiden von konkurrenzschwächeren Bäumen das Holzvolumen auf der Fläche („Holzvorrat“) an. Ein hoher Holzvorrat ist der Vitalität der Bäume abträglich, weil der Einzelbaum aufgrund der hohen Konkurrenz Mangel an Licht, Wasser und Nährstoffen erleiden muss. Das eindeutige Indiz sind hochgeschobene kleine Baumkronen. Die geringe Blattmasse einer kleinen Krone kann nur wenig Energie bereitstellen.

Ein hoher Holzvorrat bedeutet auch ein höheres Risiko, weil die Bäume „kopflastig“ werden und die Wurzelausbreitung gehemmt wird. Wegen der geringeren Durchwurzelung ist die Wasserversorgung eingeschränkt. Zudem werden die Wälder zunehmen dunkler. Durch das wenige durchkommende Licht erhalten nachwachsende Bäume und keimende Samen nicht mehr genug Energie, um zu überleben. Es entwickeln sich eintönige Hallenbestände. Die Pflanzen- und Insektenvielfalt geht verloren.

In sehr jungen Beständen (bis 30 Jahren) herrscht eine hohe Dynamik. Die Entwicklung ist so rasch, dass überwachsene junge Bäume schon nach kurzer Zeit absterben. Gemischte Bestände können sich sehr schnell zu Reinbeständen entwickeln. Der Förster/die Försterin muss die jungen Mischbestände immer im Auge behalten und in der Regel in kurzen Zeitabständen von drei bis fünf Jahren Jahren lenkend eingreifen, um diese unerwünschte Entwicklung zu Reinbeständen zu unterbinden.

Warum gibt es so viele gefährdete Nadelwälder?

Dazu muss man sich die Rahmenbedingungen und die Zielsetzung der Waldbewirtschaftenden vor 60 bis 100 Jahren vor Augen führen. Die Waldbestände sind stets ein Ausfluss ihrer Zeit. Nachfolgend soll die Entwicklung skizziert werden:

Viele Wälder wurden im Mittelalter gerodet, um Flächen für den Acker- und Weinbau sowie für Weideflächen zu gewinnen. Der verbleibende Wald ist seit dem Mittelalter sehr intensiv bewirtschaftet worden. Damals gehörte zu jeder Siedlung Wald, meistens am Rand der Gemarkung. Holz war unentbehrlich für die Herstellung von Werkzeugen, Fahrzeugen, Mühlen, Behältern, Brettern, Balken, Einfriedungen, Stickeln, Faschinen sowie zur Nutzung als Heizmaterial, Holzkohle, Gerbrinde etc. Fast alles wurde aus Holz hergestellt. Der Wald diente zudem als Weide oder Viehtrieb.

Die wichtigste Baumart war zu der Zeit die Eiche, weil sie sehr vielseitig verwendet werden konnte. Folglich wurde die Eiche systematisch begünstigt, denn ohne aktive Begünstigung unterliegt sie der Konkurrenz der Mischbaumarten. Im dünn besiedelten Taubertal ohne leistungsfähige Verkehrswege hatte sich die lokale Bedarfsdeckungswirtschaft lange gehalten. Die alten, über 160-jährigen Eichenbestände stammen aus dieser Zeit.

Erst der Ausbau leistungsfähiger Verkehrswege und die Industrialisierung beendeten diese lokal orientierte „Bedarfsdeckungswirtschaft“. Die wachsende Wirtschaft verlangte nach viel mehr Holz als bisher bereitgestellt werden konnte. Gefragt waren Nadelhölzer, die gerade, gleichförmige Baumstämme ausbilden, rasch wachsen und im Sägewerk eingeschnitten werden können oder die als Holzpfähle in den Bergwerken benötigt wurden.

Die Waldgeneration mit den meisten gefährdeten Nadelbaumbeständen stammt aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen lagen eindeutig auf der Steigerung der Produktion, zum Beispiel aufgrund der Autarkiebestrebungen im Dritten Reich und des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dazu wurden Nadelbäume, speziell die rasch wachsende Fichte, bevorzugt. Es war zwar durchaus bekannt, dass die Fichte wegen ihres großen Wasserbedarfs nicht standortsgemäß ist, Rückschläge gab es aber nur sehr selten.

Weil Fichten-Monokulturen nicht zukunftsfähig sind, begann man seit den 1970er Jahren, verstärkt andere Baumarten zu pflanzen und zu fördern. Die damals begonnenen Prozesse nennt man „Waldumbau“. Naturschonender Waldumbau benötigt einen langen Zeitraum. So konnte der Fichtenanteil im Main-Tauber-Kreis von 25 Prozent in den 1970er Jahren bis heute auf circa sechs Prozent abgesenkt werden.

Im Taubertal gibt es aber auch sehr viele „neue Wälder“ aus den Aufforstungen im Zeitraum von 1830 bis 1950. Diese umfassen etwa ein Drittel des heute vorhandenen Waldes. Aufgeforstet wurden ehemalige Schafweiden, aufgelassene Weinberge und Allmendflächen mit Waldkiefern. Die Waldkiefer wurde als sehr anspruchslose Baumart eingeschätzt, die mit schwierigen Standortbedingungen zurechtkommt.

Seit den 1970er Jahren erfolgte die Hinwendung zur naturnahen Waldbewirtschaftung. Man erkannte, dass die Berücksichtigung ökologischer und standörtlicher Aspekte zu vielfältigen und gemischten Wäldern führt. Die Wälder werden dadurch stabiler und weniger anfällig gegen schädigende Belastungen. Die Waldbehandlung ist seit etwa 50 Jahren auf den Fokus ökologische Stabiltität ausgerichtet; die monetäre Verwertbarkeit des Holzes ist nachrangig.

Gibt es auch Laubbaummonokulturen?

Die Rotbuche hatte vor mehr als 100 Jahren von der geänderten Wirtschaftsart im Wald profitiert. Sie ist extrem konkurrenzstark, weil sie mit wenig Licht auskommt und dort noch gut wachsen kann, wo andere Baumarten aufgrund Lichtmangels stark beeinträchtigt sind. Zudem wirft sie so viel Schatten, dass kaum eine andere Baumart unter ihr gedeihen kann.

Die Buchen werden grundsätzlich natürlich verjüngt, das heißt durch Samenfall der vor Ort wachsenden Mutterbäume. Die natürliche Verjüngung kommt in Gang, indem einige alte Bäume entnommen werden, so dass etwas Licht auf den Boden fällt und die Samen keimen können. Die naturnahe Bewirtschaftung entnimmt alte Bäume dann, wenn diese „reif“ sind; das ist der Zeitpunkt, wenn die Qualität und die Vitalität nachlassen. Dieser Zeitpunkt ist dann erreicht, wenn das Holz zu verfärben droht, die Belaubung schütter wird, Kronenteile absterben oder gar der Baum als solcher abstirbt. Die Verjüngung erfolgt einzelbaumweise, und auf den ganzen Bestand bezogen zieht sich dieser Prozess über Jahrzehnte dahin.

Bei diesen Bedingungen, also unter Schatten, kann sich die Rotbuchen-Verjüngung sehr gut entwickeln und überwächst die Mischbaumarten. Nach vielen Jahren unter „Schirm“ sind aus Mischverjüngungen Buchen-Monokulturen geworden.

Nach den absoluten Trockenjahren 2003 und 2018 bis 2020 müssen wir leider feststellen, dass die alten Buchen auf schlechter wasserversorgten Standorten massive Trockenschäden aufweisen. Die Buche als „Mutter des Waldes“ und Baumart mit bisher sehr hoher Konkurrenzfähigkeit steckt klimabedingte Belastungen doch nicht so gut weg wie bisher angenommen wurde. Die Folgegeneration sollte deshalb zur Risikovorsorge Mischbaumarten enthalten.

Der Fokus lag bei der bisher praktizierten Art der Buchenbewirtschaftung auf den alten Bäumen. Künftig muss sich die Behandlung der alten Bäume auch nach der Zusammensetzung der Verjüngung richten. So wird man hier und dort vorzeitig alte Bäume einschlagen, damit mehr Licht auf den Boden kommt und so die Mischung der Verjüngung erhalten bleibt, oder es werden die Vorraussetzungen geschaffen, dass Mischbaumarten eingepflanzt werden können. Ziel muss es sein, Mischungen zu erzielen.

Wie soll ein neuer, klimastabiler Wald aufgebaut werden?

Erfolgsaussichten werden den Baumarten eingeräumt, die unter den hiesigen Verhältnissen über viele Jahrzehnte die Belastungen durch Hitze, Trockenheit und Wassermangel sowie die dadurch begünstigten Schädlinge gut widerstanden haben.
Dazu zählen insbesondere die Eichenarten samt den sie von Natur aus begleitenden Laubbäumen (Traubeneiche, Stieleiche, Spitzahorn, Kirsche, Feldahorn, Elsbeere, Speierling, Hainbuche, Winterlinde...).

Dazu kommen Baumarten, die aus Süd- und Südosteuropa seit Jahrhunderten eingeführt wurden (Walnuss, Edelkastanie, Baumhasel, Schwarzkiefer).

Abgerundet wird das Portfolio der eher „klimastabilen“ Baumarten durch die aus Nordamerika eingeführten Baumarten Douglasie, Roteiche, Robinie, Schwarznuss und Tulpenbaum.

Als wesentlich empfindlicher gegen Hitze, Wassermangel und Trockenheit haben sich die weitverbreiteten, sehr wüchsigen Baumarten Fichte und Rotbuche erwiesen.

Grundsätzlich soll das Risiko durch Mischung von Baumarten begrenzt werden. So ist gewährleistet, dass beim Ausfall einer Baumart nicht der gesamte Waldbestand flächig abstirbt.

Daher wird eine kleinflächige Mischung angestrebt. Der Bestand sollte wie ein Mosaik mit kleineren oder größeren Steinchen ausgeformt sein. Die Mindestgröße eines Mosaiksteinchens beträgt 15 Quadratmeter – das entspricht der Fläche, die die Krone eines ausgewachsenen Baums einnimmt.

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