Haushaltsrede CDU
Sehr geehrter Herr Landrat,
sehr Damen und Herren der Kreisverwaltung,
sehr geehrte Gäste,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
„Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.“ (Alan Karg)
Und wer Zukunft möchte, der muss Realismus zulassen. Der Haushalt ist die Politik der Zukunft in Zahlen. Lassen Sie uns gemeinsam unsere Zukunft gestalten. Denn „mehr als die Vergangenheit, interessiert uns die Zukunft, denn in ihr gedenken wir auch zu leben“.
Die kommunale Familien (wir Kommunen und Kreise) stehen vor großen Herausforderungen. Heute werden wir den Kreishaushalt 2026 und die mittelfristige Finanzplanung bis 2029 für unseren Main-Tauber-Kreis verabschieden. Die finanziellen Herausforderungen liegen auf der Hand.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle müssen die Leistungsfähigkeit unseres Landkreises und der 18 Kommunen immer im Auge haben. Wir sind verpflichtet, diese zu gewährleisten. Ich verspreche Ihnen, die Union hier im Kreistag wird dies auch tun und immer eng mit der Kreisverwaltung zusammenarbeiten.
Leider werden der kommunalen Familie aber immer mehr Pflichtaufgaben auferlegt. Diese Pflichtaufgaben, schnüren uns die Luft zum Atmen ab. Und leider übersteigen die Summen der Leistungsversprechen aus der Politik immer mehr unsere personelle und finanzielle Leistungsfähigkeit.
Nur eine starke kommunale Familie kann das Land auch stark machen.
- Die kommunalen Amts- und Mandatsträger sind die unverzichtbaren Multiplikatoren des Staates.
- Die kommunalen Mitarbeiter sind die Garanten für Rechtsstaatlichkeit und Funktionsfähigkeit.
- Die kommunale Familie ist das Fundament unsere Demokratie.
Die Politik darf dieses Fundament weder beschädigen noch gefährden.
Es ist inzwischen guter Brauch, dass man finanziell sehr teure Versprechen an verschiedene Gruppen in unserer Gesellschaft mit Garantien für die Menschen abgibt,
die Bezahlung aber überwiegend der kommunalen Familie aufbürdet. Die Landkreise werden hierbei teilweise über die Kreisumlage von den Kommunen mitfinanziert.
Die originären kommunalen Aufgaben vor Ort geraden dabei immer mehr ins Hintertreffen. Oft sind politische Wünsche nicht zu Ende gedacht und in ihrer Umsetzung praktisch nicht möglich. Manfred Rommel sagte einmal: “Es wird viel nachgedacht, quergedacht und umgedacht, aber wenig zu Ende gedacht.“
Wir im Kreistag haben fast keine Einwirkungs- bzw. Gestaltungsmöglichkeiten mehr. Auf einen griffigen Nenner gebracht: „Wer bestellt muss auch bezahlen“. Der finanzpolitische Grundsatz des Konnexitätsprinzips gerät leider immer mehr in Vergessenheit. Es muss sich wieder auf das Machbare konzentriert und keine weiteren romantische Luftschlösser auf dem Rücken der kommunalen Familie gebaut werden. In einer Haushaltsrede hier im Kreistag darf und müssen die politischen Auswirkungen aus Berlin bzw. Stuttgart auf unseren Landkreis ganz klar angesprochen werden, auch wenn es vielleicht dem einen oder anderen nicht passen wird.
Hier die politischen Auswirkungen auf unseren Landkreis:
Vorab ein Satz zu den Freiwilligkeitsleistungen, da sie immer wieder andiskutiert werden. Um weiterhin handlungsfähig zu sein, müssen wir uns gegenüber ehrlich sein, und alle Freiwilligkeitsleistungen auf den Prüfstand stellen. Vor dem Hintergrund des Zuschusses an die Stadt Wertheim für das Bürgerspital Wertheim steigen die freiwilligen Leistungen um 625.000,00 Euro. Hinzu würden Steigerungen in Bereichen wie z.B. bei der Schulsozialarbeit und Familienzentren aufgrund gemeldeter Mehrbedarfe kommen.
Die CDU-Kreistagsfraktion begrüßt die Konsolidierungsmaßnahmen der Landkreisverwaltung gewisse Positionen einzufrieren, reduzieren und zu streichen.
Trotz dieser Konsolidierung, steigen die Freiwilligkeitsleistungen im Ergebnishaushalt von 6,54 Millionen Euro in 2025 auf 6,95 Millionen Euro in 2026.
Sozialetat
Lassen Sie mich mit unserem größten Brocken dem Sozialetat Teilhaushalt 4 beginnen.
Der Aufwand für den Sozialetat 2026 steigt auf knapp 125 Millionen Euro (2020 waren wir noch bei 73 Millionen Euro), dieser Anteil, knapp die Hälfte (49,7 Prozent) an den ordentlichen Aufwendungen im Ergebnishaushalt 2026, schießt durch die Decke des finanziell Machbaren. Hinzu kommt noch der enorme Verwaltungsaufwand.
Die TOP-Leistungsbereiche im Sozialetat sind: die Eingliederungshilfe, die Jugendhilfe und die Hilfe zur Pflege. Die Kosten für das Bürgergeld bzw. jetzt Grundsicherung und der Unterkunft sowie für die Flüchtlingsaufnahme entspannen sich ein wenig. Die Erträge bei diesen Aufwendungen bleiben deutlich hinter den Ausgaben zurück, sie sind im Haushalt mit 48,3 Millionen Euro kalkuliert. Somit liegt unser Zuschussbedarf im Sozialetat bei satten 76,5 Millionen Euro, dies sind ca. 30 Punkte Kreisumlage. Bei diesen Zahlen sind noch keine Personalkosten eingerechnet.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dies macht mir schon ein wenig Sorgen. Eines sollten wir nicht vergessen, ein Sozialstaat muss bezahlbar sein, in guten wie auch in schlechten Zeiten. Und er kann nur funktionieren, wenn es eine funktionierende Volkswirtschaft gibt. Wir brauchen dringend eine Neuausrichtung der Sozialpolitik. Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar. Diese viel zu hohen Sozialausgaben und das fehlende Konnexitätsprinzip bringen uns in die Sackgasse. Der Bund bestimmt ganz überwiegend den Sozialhaushalt bzw. die Sozialleistungen und wir müssen diese bezahlen. Wie heißt es oft so treffend: „Den letzten beißen die Hunde“. Wer bestellt, muss bezahlen, sollte auch hier gelten.
Wir, die kommunale Familie sind das letzte Glied der Kette, liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist einfach nicht mehr machbar. Wir sind schon lange nicht mehr bei der Frage, wie lange dürfen wir uns dies noch leisten. Wir sind bei der Erkenntnis angelangt, dass wir uns diesen Sozialstaat nicht mehr leisten können. Dies müssen unsere „Sozialromantiker“ in Berlin doch auch irgendwann einmal kapieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich kurz auf das Bürokratiemonster Eingliederungshilfe dem BTHG - der größte Block im Sozialhaushalt - eingehen. Denn der Aufwand in diesem Bereich, steigt, steigt und steigt immer weiter an.
Bei Beginn der Umsetzung im Jahr 2019 lagen wir noch bei Ausgaben in diesem Bereich von 23,8 Millionen Euro. Heute liegen wir bei satten 44,5 Millionen Euro für knapp 1.100 Eingliederungshilfeleistungen im Kreis. Die Kreisverwaltung rechnet hier mit einem Ertrag von 5,6 Millionen Euro.
Wir von der CDU-Kreistagsfraktion stehen dazu, jeder beeinträchtigten Person muss geholfen werden. Dieses Gesetz war bestimmt gut gemeint, die Umsetzung lässt aber zu wünschen übrig. „Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht.“ Der Aufwand in der Kreisverwaltung steht nicht im Verhältnis zu den Mehrleistungen, die eigentlich bei den Menschen ankommen sollen. Das komplizierte und aufwendige Bedarfsbemessungsverfahren muss dringend reformiert werden. Auf diese hohe Bürokratiehürde weisen die kommunalen Spitzenverbände schon seit Jahren hin. Man möchte es aber leider nicht hören.
Jugendhilfe: bei den Hilfen zur Erziehung, junge Volljährige, Kindertagesbetreuung, Jugendsozialarbeit usw. wird mit einem Aufwand von 31,8 Millionen Euro gerechnet. Hier steht ein Ertrag von 11,0 Millionen Euro gegenüber. Der immer größer werdende Zuschussbedarf von aktuell 20,8 Millionen Euro liegt zum Teil in den gesellschaftlichen Veränderungen, im System der Kindertagesstätten und Schulen, Kindertagesbetreuung und Kindertagespflege und in der Prävention. Die Lage bei den Flüchtlingszahlen, sprich UMA, entspannt sich hier ein wenig.
Hilfe zur Pflege: hier stehen dem Aufwand von 8,2 Millionen Euro, ein Ertrag von 0,4 Millionen Euro gegenüber. Der hohe Zuschussbedarf liegt hier begründet, weil u.a. die Zahl der Hochbetagten zunimmt und die Pflegequote im Landkreis steigt, die Steigerungen bei Tarif-, Sach- und Investitionskosten jetzt bei uns ankommt und das neue Personalbemessungssystem zu höherem Personalbedarf führt.
Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen, Danke zu sagen: Wir möchten uns bei all dem Pflegepersonal in unserem Landkreis für ihre hervorragende Arbeit und ihr Engagement ganz herzlich bedanken. Das Pflegepersonal macht nicht die Gesetze, das Pflegepersonal macht einfach einen tollen Job. Dafür vielen herzlichen Dank.
Bei dem Bürgergeld bzw. jetzt Grundsicherung und der Flüchtlings- bzw. Migrationspolitik spüren wir dank der neuen Bundesregierung etwas Entspannung. Ein Beispiel in der Grundsicherung: der im Juni 2022 eingeführte Rechtskreiswechsel für Ukrainische Kriegsflüchtlinge fällt für ab 1. April 2025 eingereiste Flüchtlinge jetzt weg. Was übrigens 77 Prozent der Bevölkerung für richtig erachten. Wir müssen hier weiterhin alles dafür tun, um arbeitswillige ukrainische Flüchtlinge schneller in Arbeit zu bringen. Die Landkreisverwaltung plant 2026 mit einem Aufwand von 15,4 Millionen Euro, dem 11,3 Millionen Euro Ertrag gegenüberstehen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind für die Schwachen in unserer Gesellschaft da. Eines sollte aber ganz klar sein, diejenigen die arbeiten können, aber nicht wollen, dürfen aus diesem Topf wenig oder Garnichts bekommen. Wir sind mit dem heutigen Kabinettsbeschluss auf einem guten Weg, um wieder eine neue Kultur des Fleißes und hoffentlich der Freude an der Arbeit zu bekommen. Weiter, zeigt die konsequente und vernünftige Migrationspolitik unseres Bundesinnenministers schon Erfolge. All diese Entscheidungen, auch wenn sie manchen in der Koalition oder Opposition nicht gefallen, wirken sich positiv auf unseren Kreishaushalt und in unseren Kommunen aus. Was ist in unserem Sozialstaat noch möglich? Und was ist nicht mehr möglich? Dies müssen wir und dies werden wir weiterhin ganz klar benennen, auch wenn es weh tut.
Lassen Sie mich eines zum Ausdruck bringen. Wir als Gesellschaft, wir als Christdemokraten stehen weiterhin zu unserer Pflicht und sehen es auch als unsere Aufgabe und Auftrag, Menschen, die wirklich Schutz - und ich betone - wirklich Schutz bedürfen, adäquat unterzubringen und den notwendigen Schutz anzubieten. Alle Landkreise in der Bundesrepublik Deutschland haben hier gemeinsam gefordert: Es muss dringend einen ehrlichen Kurswechsel in der Migrationspolitik geben ! Die Missstände in der Migrationspolitik wie z.B. die hohen Sozialleistungen und vieles mehr, dürfen und müssen endlich angegangen werden. Kanzler und Bundesinnenminister haben geliefert.
Baumaßnahmen
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich den Bereich des Teilhaushaltes 4 verlassen und kurz auf die Baumaßnahmen im Kreis eingehen. Stellvertretend hier: Straßen-/Radwegebau und Schulsanierungen.
Kommen wir zum Straßen- und Radwegebau: Der Sanierungsstau wurde die letzten Jahre kontinuierlich abgebaut und es wurde viel investiert. Was wir sehr begrüßen. Wir müssen aber ein wenig Wasser in den Wein leeren. Da die Straßen Lebensadern unserer Infrastruktur sind, bedauern wir sehr, dass für das Deckenprogramm der Kreisstraßen nur 1,4 Millionen Euro eingeplant werden können. Wenn wir die geplanten Maßnahmen in 2026 aber anschauen, können wir feststellen, dass die Straßenbaukommission dieses Geld mit Augenmaß im gesamten Kreis begleitet. Hierfür herzlichen Dank an die Straßenbaukommission.
Schulsanierungen: Die Generalsanierung des Beruflichen Schulzentrums in Wertheim geht in die Zielgerade. Für das Jahr 2026 werden zur Schlussabrechnung nochmal 1,5 Millionen Euro eingeplant. Erfreulich ist, dass nach einigen Preissteigerungen, die Sanierungskosten von insg. 46,5 Millionen Euro nach derzeitigem Stand eingehalten werden können. Auch bei der Schule und dem Schulkindergarten in Unterbalbach geht es voran. Hier sind 1,5 und 0,5 Millionen Euro eingeplant. Für die Generalsanierung der beruflichen Schule in Tauberbischofsheim laufen die Vorbereitungen. Hier sind 130.000 Euro im Haushalt eingestellt. Außerdem sind für die Sporthallen im Berufsschulzentrum Wertheim 1,6 Millionen Euro und in Bad Mergentheim 1,0 Millionen Euro vorgesehen. Diese Schulsanierungen sind für uns keine infrage zu stellenden Ausgaben, sie sind für uns Investitionen in die Bildung unserer Jugend, sie sind Investitionen für unsere Zukunft. Herzlichen Dank an die Landkreisverwaltung für diese klugen, strukturierten und zielorientierten nachhaltigen Investitionen.
Kommen wir nun zum ÖPNV incl. Schülerbeförderung. Unser Kreis hat weiterhin eine Vorreiterrolle in Baden-Württemberg, die hart erarbeitet wurde. Es wird leider aber immer schwieriger, den „Status Quo“ zu halten. Steigende Aufwendungen, vor allem steigende Lohn- und Sachkosten bei den Fuhrunternehmen sowie bei der Schülerbeförderung und höhere Kraftstoffkosten treiben die Kosten extrem nach oben. Dem Aufwand von 15,5 Millionen Euro stehen knapp 10,7 Millionen Euro Ertrag gegenüber. Wir begrüßen, dass die Landkreisverwaltung in diesem Bereich den Zuschuss zum Ruftaxi (übrigens 100 Prozent Freiwilligkeitsleistung) weiterhin auf das Niveau von 2024 bei 900.000 Euro eingefroren hat. Sollten Zuschüsse vom Bund oder Land reduziert werden bzw. steigen die Defizite weiter an, müssen wir uns hier vor Ort auch über Kürzungen der Fahrpläne oder aber über eine Diskussion bezüglich Fahrpreiserhöhungen mit den Partnern im Verbund unterhalten. Das Defizit im ÖPNV incl. Schülerbeförderung macht ca. zwei Punkte Kreisumlage aus.
Thema Deutschlandticket: nur einen Satz. Da der Fahrpreis für das Deutschlandticket leider auch vorgegeben ist, sind der Verwaltung hier die Hände gebunden. Der Bund und die Länder sollten sich mal über die drei Milliarden Euro Kosten Gedanken machen. Wären die Gelder aufgeteilt auf alle Kreise in der Bundesrepublik Deutschland für ihre ÖPNV als Zuschuss nicht viel besser angelegt?
Personalkosten
Das Personal in der Landkreisverwaltung leistet hervorragende Arbeit. Durch die immer mehr werdende Bürokratie und immer aufwendigeren Arbeitszuwächse bzw. Abläufe können wir sehr gut nachvollziehen, dass die Ämter natürlich wieder Stellen anmelden. Trotz diesem enormen Bedarf sieht die Landkreisverwaltung keine zusätzliche Stellen im Haushalt 2026 vor. Wir begrüßen diese „Stelleneinfrierung“, bitten aber darum, dass das Personal nicht überfordert wird. Die Steigerung der Personalkosten im Planansatz 2025 von 55,5 Millionen Euro gegenüber dem Planansatz für 2026 von 56,3 Millionen Euro resultieren allein durch die erwarteten tarif- und besoldungsrechtlichen Erhöhungen. Durch die Einsparungen in Höhe von 800.000 Euro und den Personalkostenersatz von 2,8 Millionen Euro in 2025 gegenüber dem Ersatz von 3,6 Millionen Euro für 2026 steigen die Personalkosten netto um nur 23.000 Euro. Apropos Tariferhöhung: Wir können die „weltfremde“ Forderung von Verdi mit ihren sieben Prozent überhaupt nicht nachvollziehen. Unsere Haushalte werden dies nicht aushalten. Ergänzend darf ich Hamburgs SPD Finanzsenator Dr. Andreas Dressel zitieren: „Das ist zu viel, das ist nicht leistbar, dies sind astronomische Forderungen“. Und die Forderung nach einem zusätzlichen freie Tag für Gewerkschaftsmitglieder dient wohl eher der Mitliederwerbung, als dem Tarifgefüge“. Recht hat er. Entschuldigung für die Wortwahl, aber, die haben wohl den Knall immer noch nicht gehört?
Gesamtergebnishaushalt
Kurz ein paar Worte zum Gesamtergebnishaushalt. Nachdem wir 2023 das erste Mal in der Kreisgeschichte mit einem Negativergebnis abgeschlossen haben. Und 2024 incl. 2025 auch mit einem nicht ausgeglichenen Haushalt auskommen mussten bzw. müssen, wird unsere ordentliche Rücklage zum 31.12.2025 aufgebraucht sein. Für das Haushaltsjahr 2026 sieht es nicht besser aus. Die Landkreisverwaltung geht von einem negativen ordentlichen Ergebnis von rund 6,7 Millionen Euro aus.
Haushaltsentwurf insgesamt
Wir müssen ehrlich zu uns sein, der Haushaltsentwurf birgt gewisse Risiken. Das größte Risiko verbirgt sich bei den Ansätzen im Sozialetat. Wir alle wissen noch nicht, was in 2026 und den Folgejahren alles passieren wird: Flüchtlingsströme / Ukraine-Krieg vor allem aber im Wirtschafts- und Energiesektor. Unsere Bitte Richtung Berlin lautet: Die gescheiterte Wirtschaftspolitik der letzten Jahre wieder in den Griff zu bekommen. Die Wirtschaft stagniert, die Industrieproduktion sinkt, und besonders die mittelständischen Betriebe leiden unter der hohen Energiekosten, Personalkosten, Bürokratie und Abgaben. Investitionen bleiben aus. Und während immer mehr Unternehmer ihre Produktion ins Ausland verlagern oder ganz dicht machen, ruft eine Bundesarbeitsministerin völlig unverständlich zum „Klassenkampf“ gegen Arbeitgeber auf.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ohne entschlossene Wachstumsimpulse drohen Jobverluste, Standortschwäche und ein schleichender Wohlstandsverlust, ein Alarmzeichen für die Politik und Gesellschaft. Am Ende werden wir, die kommunale Familie darunter leiden. Der Main-Tauber-Kreis kann im vierten Jahr hintereinander seinen Haushalt nicht ausgleichen. Der Schuldenstand wird von 44 Millionen Euro in diesem Jahr auf über 49,3 Millionen Euro im nächsten Jahr steigen. Für die Jahre 2027, 2028 und 2029 sieht es nicht besser aus, 2029 müssen wir mit einem Schuldenstand von über 58 Millionen Euro rechnen. Es werden durchweg negative Ergebnisse prognostiziert.
Kreisumlage
Eine Erhöhung der Kreisumlage war uns bewusst, sie ist unumgänglich. Der Vorschlag der Verwaltung, die Kreisumlage auf 35,35 Punkten anzuheben, können wir alle nachvollziehen. Wir, die Union, werden dies auch so mittragen. Die Landkreisverwaltung hat hier den Blick auf die Situation in unseren Kommunen gerichtet. Liebe Landkreisverwaltung, herzlichen Dank für die gelebte Solidarität. Dass die Kreisumlage jetzt so ausfällt und dass sie stabilisiert werden kann, haben wir der Kommunikation - was übrigens in Stuttgart sehr positiven Anklang fand - zwischen Landrat Christoph Schauder, Fraktionskollege Wolfgang Reinhart und der Landesregierung zu verdanken. Innerhalb von nur 36 Stunden nach Haushaltseinbringung wurden die entsprechenden Weichen gestellt. Durch Überzeugungsarbeit aus dem Main-Tauber-Kreis, sprich durch unseren Landrat, konnte erreicht werden, dass die Landeshilfen erst 2026 und nicht wie vorgesehen noch in diesem Jahr fließen werden. Die weiteren Erhöhungen der Kreisumlage in der mittelfristigen Finanzplanung lassen wir einfach mal so stehen. Lassen Sie uns hier von Jahr zu Jahr neu entscheiden. Die in den Finanzplanungen unseres Kreishaushaltes vorgesehenen Umlagen wie z.B. diese Kreisumlage werden die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommunen trotz der nur moderaten Erhöhung enorm fordern. Manch eine Kommune wird ihre Pflichtaufgaben in Zukunft nicht mehr ohne massive Steuererhöhungen erledigen können. Zumal zur Kreisumlage in Baden-Württemberg ja noch eine FAG Umlage an das Land mit 22,10 Punkten zu leisten ist. Im Finanzplanjahr 2027 und 2028 werden damit rund 60 Prozent der Umlagekraft der Kommunen abgeschöpft. Diese hohen Umlagen schränken unsere Kommunen und dadurch auch der Wohlfühlfaktor unserer Bürger, in ihren Entwicklungen sehr stark ein. Viele Kommunen bekommen leider auch keinen ausgeglichenen Haushalt mehr hin. Die Kommunen werden sich überlegen müssen, was, wann und wie sie z.B. mit ihren Gemeindeverbindungsstraßen umgehen werden. Hier werden die nächsten Jahre zig Millionen Euro notwendig sein. Auch muss die eine oder andere Kommune sich überlegen, wie sie bei Themen wie z.B. barrierefreie Bushaltestellen, Hitzeplanungen, Klimaschutzmanager, Klimaneutralitätsmanager, Vereinsförderung u.v.m auf die Bremse drücken bzw. einsparen können, um ihre Haushalte einigermaßen hinzubekommen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich zum Schluss kommen: Ich verspreche Ihnen, wir als CDU-Kreistagsfraktion werden weiterhin die kommunalen Finanzen im Blick haben. Und immer wieder unsere Anliegen Richtung Berlin oder Stuttgart senden. Wir sind in einer Zeit angelangt, in der wir alle auch über schmerzhafte Einschnitte reden müssen und „Liebgewonnenes“ leider nicht mehr möglich sein wird. Ich bin aber überzeugt, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir alle bereit dazu sind, zusammenzustehen und dies auch wirklich wollen, dann werden wir für die schwierigen Themen auch Lösungen finden.
Manfred Rommel sagte einmal: „Finanzpolitik ist der hartnäckig unternommene Versuch, aus einer Ein-Liter-Flasche zwei Liter auszuschenken.“ Lasst uns die nächsten Jahre gemeinsam versuchen, diese zwei Liter zu reduzieren.
Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Dezernentinnen und Dezernenten, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, wir, die CDU-Kreistagsfraktion, bedanken uns ganz herzlich für Ihre Arbeit und Ihr Engagement zum Wohle unserer Bürger im Kreis. Herzlichen Dank an die gesamte Landkreisverwaltung für die hervorragende Zusammenarbeit. Ein besonderes „Vergelt´s Gott“ geht an die Damen und Herren im Büro des Landrats und an die Herren der Finanzen, Herrn Freidhof und Herrn Freitag. Lieber Dezernent Thorsten Hauck, Sie haben hier zwei herausragende Finanzexperten in Ihren Reihen.
Sehr geehrter Herr Landrat Christoph Schauder, die CDU-Kreistagsfraktion wird diesem Haushalt zustimmen.
Bei Ihnen, bei Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen im Kreistag, darf ich mich im Namen unserer Fraktion ebenfalls für die gute Zusammenarbeit zum Wohle unserer Bürger bedanken. Auch wenn wir mal nicht derselben Meinung sind bzw. waren, unter Demokraten und ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen darf man auch mal unterschiedlicher Meinung sein.
Liebe Landkreisverwaltung, liebe Damen und Herren Kreisräte, die Fraktion der Christdemokraten, wünscht Ihnen allen eine besinnliche Adventszeit und ein gesegnetes Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben. Für das neue Jahr 2026, wünschen wir Ihnen alles Liebe und Gute viel Erfolg und Zufriedenheit, vor allem aber Gesundheit und Gottes Segen. Herzlich Dank.