Funktionen und Leistungen des Waldes
Was verstehen wir unter "Wald"?
Mitteleuropa war ursprünglich fast vollständig von Wäldern bedeckt. Im Laufe der Zeit haben sich je nach Klima und Boden charakteristische Formen entwickelt.
Wir verstehen unter Wald eine vom jeweiligen Standort abhängige Gesellschaft von Bäumen und Sträuchern, die zur Ausbildung einer speziellen Begleitflora und Fauna und zu einem Bestandesinnenklima führen, das sich deutlich von dem des Freilands unterscheidet. Bäume, Sträucher, Bodenpflanzen, größere Tiere und Kleinlebewesen sind durch vielfältige Beziehungen untereinander verknüpft. Dieses Beziehungsgefüge nennt man auch ein Ökosystem.
Das Gefüge wirkt dynamisch durch den Kreislauf der Stoffe, durch Werden und Vergehen, durch Wachsen, Sterben und Zersetzen.
Waldbäume können bei uns bis zu 40 Meter Höhe erreichen. Sie sind daher deutlich in der Landschaft wahrnehmbar. In unterschiedlichen Höhen bilden sich dabei mehrere Schichten wie Waldboden, Krautschicht, Strauchschicht, Baumschicht und Kronenraum aus. Die Vielfalt der herrschenden Bedingungen in den einzelnen Schichten bildet Lebensraum und Rückzugsmöglichkeiten für sehr viele Pflanzen und Tiere.
Wälder wurden in Mitteleuropa seit der menschlichen Besiedlung, also über hunderte von Jahren, genutzt. Die Nutzung als Rohstoffquelle hat die Vielfalt der ökologischen Verhältnisse nicht beeinträchtigt, eher noch verstärkt: Wälder vermitteln den Eindruck als ursprünglich und natürlich! Ganz im Gegensatz zu hochverdichteten Siedlungsbereichen, Verkehr und intensiv genutzter Landschaft.
Welche Leistungen erbringt der Wald?
Wald liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz. Wald ist Lebens- und Rückzugsraum für viele Pflanzen und Tiere. Das ist aber bei weitem noch nicht alles: Wald speichert das Treibhausgas CO2. Außerdem sorgt er für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt, schützt den Boden vor Abtrag durch Wasser und Wind, mildert Klimaextreme und reinigt die Luft. Der Wald gestaltet zudem das Landschaftsbild und vermittelt den Eindruck unserer gewohnten vielfältigen Kulturlandschaft. Außerdem bietet der Wald vielfältige Erholungsmöglichkeiten für den Menschen.
Diese Wirkungen sind unscheinbar und sie werden als selbstverständlich wahrgenommen. Erst wenn die Wälder diese Funktionen nicht mehr richtig erfüllen können – zum Beispiel bei geringem Waldanteil oder wenn den Wäldern ihrerseits zu hohe Belastungen zugemutet werden (zum Beispiel Klimaänderung, Immissionen, Grundwasserabsenkung) – werden die Auswirkungen spürbar. Die Schutzwirkungen der Wälder könnten allenfalls zum Teil und nur mit einem sehr hohem technischen Aufwand kompensiert werden, zum Beispiel Lawinenverbau, Wasserreinhaltung.
Die Förster haben den Auftrag, dafür zu sorgen, dass die Wälder ihre Funktionen dauerhaft erfüllen können.
Welche Bedeutung hat der Wald als Lebensraum?
Das vielfältige Beziehungsgefüge im Wald bietet Lebensraum für eine reiche Pflanzen- und Tierwelt, indem es Schutz vor Gefahren, günstige Bedingungen zur Fortpflanzung und eine Nahrungsgrundlage gewährt. Wald liefert aber auch den nachwachsenden Rohstoff Holz, der für den menschlichen Bedarf unverzichtbar ist und gleichzeitig klimaschädliche Treibhausgase speichert. Die Waldbewirtschaftung greift in die natürliche Dynamik ein und entnimmt selektiv einzelne Waldbäume. Die speziellen ökologischen Bedingungen, die die natürlichen Zerfallsprozesse oder spezielle bizarre Baumformen gewähren, werden in bewirtschafteten Wäldern weniger.
Deshalb werden im räumlichen Verbund einzelne Bäume oder Baumgruppen mit spezifischen Merkmalen als Habitatbäume ausgewiesen und dauerhaft erhalten. Einzelne abgestorbene oder umgestürzte Bäume bleiben als Totholz ungenutzt. Darüber hinaus werden ganze ausgewählte Waldbestände bei entsprechenden ökologischen Voraussetzungen als Waldrefugien dauerhaft aus der Nutzung genommen. Manche Waldbestände erhalten sogar über behördliche Verfahren einen speziellen Schutzstatus als Waldschutzgebiet oder als Naturschutzgebiet. Pflanzen und Tiere, die auf diese speziellen ökologischen Bedingungen (Baumhöhlen, zersetzendes Holz) angewiesen sind, finden so auch in bewirtschafteten Wäldern gut geeignete Lebensräume.
Welche Bedeutung hat der Wald als Freiraum und Erholungsraum?
Der Wald ist der größte Erholungsraum des Landes. Viele Menschen strömen in die Wälder, um beim Spazierengehen, beim Wandern, bei der Naturbeobachtung oder beim Sport Entspannung zu finden.
Viele Menschen leben in einer urbanen Umwelt, die geprägt ist von einer hohen Bevölkerungsdichte, einem hohen Technisierungsgrad, Arbeitsteilung, Leistungs- und Zeitdruck, Naturferne, Bewegungsarmut und Stress. Sie sehnen sich zum Ausgleich nach der ursprünglichen, weitgehend unberührten Natur und finden diese in den Wäldern, in denen man sich frei und ungezwungen bewegen kann – im Gegensatz zum getakteten Arbeitsleben. Die Schönheit und Vielfalt der natürlichen Formen und Farben, die Ruhe, das gedämpfte Licht, die kühle, reine Luft, die Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Der Wald hält dies kostenlos für die Erholungssuchenden bereit.
Von den Erholungssuchenden wird im Gegenzug Rücksichtnahme auf die Natur, auf die im Wald lebenden Pflanzen und Tiere und auf die Bedürfnisse anderer Erholungssuchenden erwartet. Wald ist Natur und kein gepflegter Stadtpark: Der Aufenthalt im Wald kann auch Gefahren bergen. Zum Beispiel können Äste aus den Baumkronen brechen oder abgestorbene Bäume können umstürzen oder abbrechen. Besondere Vorsicht ist bei starkem Wind oder schlechtem Wetter angezeigt. Der Aufenthalt im Wald erfolgt daher immer auf eigene Gefahr.