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30.05.2017

Erster Kreishandwerkerempfang - Unternehmen Aeckerle war Gastgeber

Die Gewinnung junger Menschen und die handwerkliche Ausbildung waren die zentralen Themen beim ersten Kreishandwerkerempfang des Main-Tauber-Kreises. Landrat Reinhard Frank hatte gemeinsam mit der Handwerkskammer Heilbronn-Franken und der Kreishandwerkerschaft des Main-Tauber-Kreises ins Unternehmen Aeckerle Holzbau nach Lauda-Königshofen eingeladen.

Landrat Reinhard Frank versucht sich an der Montage einer Holzdachkonstruktion
Landrat Reinhard Frank versucht sich an der Montage einer Holzdachkonstruktion

Landrat Frank freute sich über eine illustre Gästeschar aus Handwerk, Bildung, Politik und Verwaltung. Er dankte Jörg Aeckerle, der die Gastgeberrolle übernommen und seine Produktionshalle für den Empfang bereitgestellt hatte. Frank erklärte, dass rund 8600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Main-Tauber-Kreis in handwerklichen Berufen tätig sind. Hinzu kommen rund 1200 geringfügig Beschäftigte.

Er bezeichnete das Handwerk als Beschäftigungsmotor und Rückgrat der Gesellschaft. „Obwohl die Wirtschaft boomt und im Handwerk gute Möglichkeiten für berufliche Karrieren bestehen, muss heute aufgrund der demografischen Entwicklungen mehr denn je um beruflichen Nachwuchs gekämpft werden.“ Es müsse deshalb Ziel aller Beteiligten sein, jungen Menschen „Lust auf das Handwerk“ zu machen. „Eine handwerkliche Ausbildung garantiert ein auskömmliches Einkommen, die Arbeit ist vielfältig und abwechslungsreich“, sagte Frank.

In die Gewinnung von jungen Menschen für das Handwerk bringt sich auch die Wirtschaftsförderung des Main-Tauber-Kreises – die den ersten Kreishandwerkerempfang organisierte – durch die Entsendung von Ausbildungsbotschaftern, Werbekampagnen, Elternabende sowie die Teilnahme an Berufsinformationsmessen und Berufsinformationstagen ein.

Landrat Frank erklärte weiter, dass der Landkreis als Träger der Beruflichen Schulen viel für diese Bildungseinrichtungen tut. So investiert der Main-Tauber-Kreis mit Unterstützung des Kreistages in die Sanierung der Beruflichen Schulen und auch in deren technische Ausstattung. Abschließend ging Frank auf die Chance ein, aus dem Kreis der Geflüchteten Nachwuchskräfte zu gewinnen. Im Main-Tauber-Kreis sei hierzu beispielsweise das Integrationsnetzwerk Hohenlohe-Tauber aktiv.

Bürgermeister Thomas Maertens (Lauda-Königshofen) attestierte dem Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ steigende Bedeutung. Die Firmen verfügten über eine gute Auftragslage, und es werde deshalb zusehends schwieriger, Handwerksbetriebe kurzfristig für neue Projekte zu gewinnen. Deshalb müssten junge Leute für das Handwerk begeistert werden. „Diese haben heute tolle Berufschancen und müssen sich nicht mit dem in den 1970er und 1980er Jahren dominanten Thema der Arbeitslosigkeit auseinandersetzen“, sagte Maertens. Dies bringe allerdings auch ein verändertes Auftreten der Jugendlichen mit sich. Deshalb seien heute Unternehmen und Handwerksbetriebe gefordert, sich diesem neuen Selbstbewusstsein zu stellen. Die Stadt Lauda-Königshofen habe dies schon frühzeitig erkannt und veranstalte deshalb regelmäßig ihre Ausbildungsmesse mit rund 100 Ausstellern.

Laut Kreishandwerkermeister Michael Szabo ist der frühere Ausgleich zwischen dualer und wissenschaftlicher Ausbildung aus dem Gleichgewicht geraten. „In 20 Jahren werden wir ausreichend Professoren, Ingenieure, Techniker und Wissenschaftler, aber nicht mehr ausreichend Handwerker haben“, sagte er. Über die Jahre hinweg sei die Zahl der Ausbildungsverträge um rund 28 Prozent zurückgegangen. Die Integration von Flüchtlingen könne dies nicht ausgleichen. Er forderte deshalb, dass nach der Schulbildung und vor einem Studium eine Praktikumszeit in Unternehmen und Handwerksbetrieben als Orientierungsphase vorgegeben werden sollte.

Den Festvortrag hielt Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zum Thema „Zukunft des Handwerks – Chancen und Herausforderungen“. Er stellte heraus, dass der Anteil der Handwerksbetriebe und -berufe im Main-Tauber-Kreis weit über dem Landesdurchschnitt liegt. Das Handwerk hat im Landkreis rund 20 Prozent Anteil an den Arbeitsplätzen, im Landesdurchschnitt nur etwa 13 Prozent. „Allerdings verschärft diese starke Stellung des Handwerks auch die Sorge, dass mehr Fachkräfte und Auszubildende gewonnen werden müssen“.

Flüchtlinge böten ein gewisses Potenzial, und immerhin seien derzeit 44 Flüchtlinge in der Region Heilbronn-Franken in einer Ausbildung. Dennoch sind beispielsweise im vergangenen Ausbildungsjahr 491 Lehrstellen unbesetzt geblieben. Auch die Situation der Finanzwelt trägt gegenwärtig zur Überhitzung des Handwerks bei. Viele Sparer legen ihr Geld in ihren Häusern an. Dies ziehe eine hohe Bautätigkeit in allen zugehörigen Handwerksbereichen nach sich. Demzufolge steige auch der Fachkräftebedarf, und der Markt reagiere mit hohen Baupreisen. Es sei deshalb wichtig, die Vielfalt des Handwerks und der beruflichen Karrierechancen herauszustellen.

Schnörr erklärte, dass nach einer dualen Ausbildung die weitere Qualifikation zum Meister oder Betriebswirt im Handwerk möglich ist. „Häufig verdienen diese ausgebildeten Menschen mehr als Wissenschaftler“. Er erinnerte auch daran, dass der Meistertitel inzwischen dem Bachelor-Abschluss gleichgestellt ist. „Wir treiben in Deutschland auf eine College-Blase zu“, warnte er vor der ungleichen Entwicklung von Studium und dualer Ausbildung.

Das Handwerk habe deshalb bei der Suche nach Nachwuchs neue Wege eingeschlagen, beispielsweise mit Filmspots. Ziel sei, das Image des Handwerks weiter aufzubessern und so zu mehr Ausbildungsverhältnissen zu kommen. Inzwischen spüre man einen langsam wachsenden Zuspruch und sei auf dem richtigen Weg. Als weitere Maßnahmen nannte er beispielsweise das Siegel „Top Ausbildungsbetrieb“, Bildungspartnerschaften der Betriebe mit Schulen sowie das in Wertheim initiierte Pilotprojet „Bauen, Architektur, Schule“, welches in Kürze auch kreisweit angeboten werden soll.

Zum Abschluss sprach Gastgeber Jörg Aeckerle. Er stellte sein Unternehmen vor, welches 1931 als Mühlen- und Sägebetrieb gegründet wurde. Heute ist es ein moderner Holzbetrieb, der sich auf Holzhäuser und Holzelementarbau spezialisiert hat. 35 Beschäftigte gehen hier ihrer Arbeit nach, und es wird auch Wert auf Ausbildung gelegt. In der Regel sind drei bis fünf Auszubildende im Betrieb. „Ich sehe optimistisch in die Zukunft, denn auch in der Familie steht bereits interessierter Nachwuchs in den Startlöchern“, sagte Aeckerle abschließend. Die Veranstaltung wurde musikalisch durch Dixie Eight unter der Leitung von Gustav Endres begleitet.

Informationen zum Handwerk im Main-Tauber-Kreis und zur „Karriere daheim“ gibt es beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis – Wirtschaftsförderung, Gartenstraße 1, 97941 Tauberbischofsheim, Telefon 09341/82-5708, Fax: 09341/828-5708, E-Mail wirtschaftsfoerderung@main-tauber-kreis.de, oder im Internet unter www.main-tauber-kreis.de/wirtschaft.

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