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12.06.2018

Journalisten auf den Spuren jüdischer Kultur im Taubertal

Auf Einladung des Tourismusverbandes „Liebliches Taubertal“ begab sich eine Gruppe Journalisten aus ganz Deutschland vom 6. bis 9. Juni auf die Spuren jüdischer Kultur zwischen Rothenburg und Wertheim. Neben der interessanten Historie hatten die Pressevertreter aber auch Gelegenheit, die touristische Qualität der Ferienlandschaft kennen zu lernen.

Der Tourismusverband „Liebliches Taubertal“ hat parallel zu seinen Aktivitäten auf den deutschen und internationalen Messen und Märkten die Gelegenheit genutzt, die Kontakte zu Medienvertretern weiter zu pflegen und zu intensivieren. „So ist es uns auch in diesem Jahr wieder gelungen, Journalisten aus dem gesamten Bundesgebiet für unsere Pressereise zu gewinnen“, erklärte Geschäftsführer Jochen Müssig.

Ausgangspunkt der Pressereise war die weltbekannte Stadt Rothenburg ob der Tauber. Von dort führte die Reise über Creglingen, Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim, Werbach und Külsheim bis nach Wertheim.

Erste Erwähnungen jüdischen Lebens im Taubertal finden sich im Jahr 1218 für Grünsfeld und im Jahr 1222 für Wertheim, was zugleich die ältesten Nachweise jüdischer Ansiedlungen in Baden-Württemberg sind. Phasen der Ausgrenzung und Ausweisung aus einzelnen Gebieten wechselten sich mit liberaleren Phasen ab. Jeder Landesherr agierte eigenständig. Die regionale Kleinräumigkeit und territoriale Zersplitterung des tauberfränkischen Gebiets ermöglichte es vertriebenen Juden, in nicht allzu großer Entfernung zu ihrem Herkunftsort neue Aufnahme zu finden und ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Judenemanzipation setzte in Folge der Aufklärung in der Region verhalten ein, erst die politischen Veränderungen nach 1803/1806 schufen eine verbesserte Rechtsgrundlage für jüdisches Leben. Die völlige rechtliche Gleichstellung der Juden mit ihren christlichen Nachbarn erfolgte erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dies war auch die Phase der höchsten Mitgliederzahlen der rund 30 jüdischen Gemeinden im Gebiet des heutigen Main-Tauber-Kreises.

Der NS-Staat setzte ab 1933 jüdischem Leben dann ein gewaltsames Ende. Nach Verfolgung und Entrechtung in ihrer Heimat wurden die letzten badischen Juden am 22. Oktober 1940 deportiert, die württembergischen Juden ereilte dieses Schicksal in den Jahren 1941/42. Seitdem existieren im baden-württembergischen Teil des Taubergebiets keine jüdischen Gemeinden mehr.

Die Journalisten aus Berlin, Hamburg, Trier, Stuttgart, Dresden, Ingolstadt und Würzburg wurden zum Auftakt der Pressereise in Rothenburg ob der Tauber vom Geschäftsführer des Tourismusverbands, Jochen Müssig, empfangen. Nach einem einführenden Vortrag von Kreisheimatpflegerin Claudia Wieland konnte bei einer speziellen Stadtführung mit Pfarrer Dr. Oliver Gußmann die wechselvolle jüdische Geschichte der alten Reichsstadt anhand zahlreicher Monumente und vieler weiterer Spuren zurückverfolgt werden. Ein Besuch der Judaica-Abteilung im Reichsstadtmuseum vervollständigte diesen ersten Einblick in die jüdische Kultur des Taubertals.

Das Jüdische Museum in Creglingen und ein Vortrag von Sebastian Hobrack, Lehrer der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, im Deutschordensschloss Bad Mergentheim, bildeten die thematischen Hauptpunkte des zweiten Besuchstages, der den Journalisten zudem kulturelle und touristische Sehenswürdigkeiten wie den Riemenschneider-Altar in der Herrgottskirche, das Schloss Weikersheim und den Kurpark Bad Mergentheim näher brachte.

Eine Stadtführung in Tauberbischofsheim endete mit dem Besuch des Limbach-Hauses, in dem ein Raum zur Erinnerung an die ehemalige einheimische jüdische Bevölkerung eingerichtet ist. Hier wurden die Journalisten von der Vorsitzenden des Vereins der Tauberfränkischen Heimatfreunde, Kerstin Haug-Zademack, empfangen. Es folgten ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof in Wenkheim und eine Führung durch die ehemalige Synagoge. Katharina Bähne, Vorsitzende des Vereins „die schul“, gab dazu auch Kostproben koscheren Essens. Niklashausen mit dem Pfeiferhannes-Museum und dem „kleinen Dom in Taubertal“ waren Stationen auf dem Weg nach Wertheim, wo es bei einer Wanderung durch die Stadt Erläuterungen zu jüdisch-bedeutsamen Plätzen, Häusern und Menschen gab. Darüber hinaus wurden im Grafschaftsmuseum die jüdischen Abteilungen besichtigt. Auf dem Programm stand danach auch ein Besuch des ehemaligen jüdischen Friedhofs.

Eine Klosterführung in Bronnbach, ein Besuch des jüdischen Friedhofs in Külsheim sowie eine Führung durch die Brunnenstadt auf jüdischen Spuren bildeten den Abschluss dieser geschichtlich wie touristisch interessanten Pressereise.

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