Sprungziele
Startseite
Öffnungszeiten
Kontakt
Ideen & Beschwerden
Vorlesen
Seiteninhalt
16.12.2015

Landrat initiiert "Masterplan Integration"

Die Unterbringung, Versorgung und Betreuung von Flüchtlingen und Asylbewerbern war eine der größten Herausforderungen für das Landratsamt Main-Tauber-Kreis im Jahr 2015. Unter anderem wurden annähernd 1000 Plätze für die Unterbringung in allen Teilen des Kreisgebiets neu eingerichtet oder stehen kurz vor der Fertigstellung. Das Thema Asyl bleibt darüber hinaus im Jahr 2016 unverändert im Fokus. In einem Rück- und Ausblick fasste Landrat Reinhard Frank jetzt die aktuelle Lage zusammen. Er setzt sich zudem aktuell dafür ein, dass alle beteiligten Institutionen im Landkreis einen „Masterplan Integration“ entwickeln.

Landrat Frank initiierte ein Aktionsbündnis Integration
Landrat Frank initiierte ein Aktionsbündnis Integration

Die Unterbringung von Flüchtlingen geschieht in Baden-Württemberg im Rahmen eines dreistufigen Verfahrens. Für die Erstaufnahme sorgen die Regierungspräsidien in ihren Erstaufnahmeeinrichtungen. Eine solche Einrichtung mit rund 1000 Plätzen besteht seit September 2015 in der ehemaligen Polizeiakademie in Wertheim.

In der zweiten Stufe werden die Flüchtlinge gemäß einer Einwohnerquote auf die Stadt- und Landkreise verteilt. Dort erfolgt die vorläufige Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften, welche die Landkreisverwaltung als untere staatliche Aufnahmebehörde errichten, verwalten und betreiben muss. Die Städte und Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, an der Beschaffung geeigneter Grundstück und Gebäude mitzuwirken.

„Durch eine gewaltige Kraftanstrengung ist es gelungen, im Jahr 2015 jeweils rechtzeitig neue Unterkünfte fertig zu stellen und in Betrieb zu nehmen“, erklärt Landrat Reinhard Frank. Im Sinne einer dezentralen und integrationsfreundlichen Verteilung hätten sich hierbei alle Städte und Gemeinden im Main-Tauber-Kreis mit ihren Bürgermeistern, Gemeinderäten und Verwaltungsmitarbeitern in vorbildlicher Weise eingebracht. Allein Wertheim bleibt als Standort einer Erstaufnahmeeinrichtung von der Errichtung von Gemeinschaftsunterkünften ausgenommen. Im Landratsamt sorgten insbesondere der Eigenbetrieb Energie- und Immobilienmanagement, das Amt für Soziale Sicherung, Teilhabe und Integration, die vorgesetzten Dezernenten für Immobilien bzw. Soziales sowie die hausinterne Lenkungsgruppe unter der Leitung des Ersten Landesbeamten mit äußerst engagierter Arbeit dafür, dass die Unterkünfte rechtzeitig fertig gestellt wurden.

Zum Jahresbeginn 2015 standen im Main-Tauber-Kreis 427 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften zur Verfügung (Bad Mergentheim 285, Külsheim 60, Tauberbischofsheim 54, Lauda-Königshofen 28).

Stand heute stehen 1113 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften zur Verfügung (Tauberbischofsheim 318, Bad Mergentheim 285, Lauda-Königshofen 188, Külsheim 60, Weikersheim 60, Boxberg 50, Igersheim 48, Assamstadt 39, Freudenberg 22, Niederstetten 43).

In Vorbereitung und Planung befinden sich weitere Kapazitäten in Werbach (38), Großrinderfeld (39), Grünsfeld (51), Ahorn (51), Weikersheim (15), Niederstetten (22) und Creglingen (50), so dass nach Abschluss eine Gesamtkapazität von 1379 Plätzen zur Verfügung steht. Das Jahresziel 2015 wird damit knapp, aber vollständig erreicht. Bis heute gehört der Main-Tauber-Kreis zu den wenigen Landkreisen, in denen auf den Betrieb von Notunterkünften in Turnhallen oder Zelten bislang verzichtet werden konnte.

Für 2016 rechnet der Landkreis damit, dass die Kapazitäten weiter auf 2500 Plätze ausgebaut bzw. 1100 Plätze neu geschaffen werden müssen. Auch hierfür laufen Planungen und Überlegungen. Unter anderem hat der Landkreis das ehemalige Telekom-Gebäude in Tauberbischofsheim gekauft und baut das ehemalige THW-Gebäude in Bad Mergentheim um, das ihm der Bund kostenfrei zur Nutzung zur Verfügung stellt.

„Damit stehen wir 2016 abermals vor einer riesigen Herausforderung“, sagt Landrat Frank. Dabei müsse auch beachtet werden, dass die an vielen Standorten aufgestellten Wohncontainer nur eine begrenzte Zeit genutzt werden können. Zweitens stehen auch die kreisgehörigen Städte und Gemeinden vor einer großen Herausforderung: Spätestens nach 24 Monaten in der vorläufigen Unterbringung wechseln Asylbewerber – sofern sie das Land noch nicht verlassen mussten oder dies freiwillig getan haben – in die Anschlussunterbringung bei den Städten und Gemeinden. Damit haben die Städte und Gemeinden zwar später als der Landkreis, aber dennoch unausweichlich die Verpflichtung, zahlreiche Asylbewerber in Wohnungen unterzubringen. In dieser Gesamtsituation schlägt Landrat Reinhard Frank ein gemeinsames Vorgehen vor: „Der Kreis und die Kommunen sollten gemeinsam Systembauten errichten. Diese können schnell fertig gestellt werden. Zunächst können diese dem Landkreis zur Erweiterung seiner Kapazitäten in der vorläufigen Unterbringung und zur Ablösung der Wohncontainer dienen. Im zweiten Schritt könnten die Kommunen diese Systembauten in eigener Zuständigkeit für die Anschlussunterbringung nutzen.“ Diese Vorgehensweise hat der Landrat den Bürgermeistern und Oberbürgermeistern bereits in der Bürgermeisterversammlung sowie per Rundschreiben vorgeschlagen. „Die Städte und Gemeinden müssen im sozialen Wohnungsbau jetzt schnell viel tun und günstigen sowie ausreichenden Wohnraum schaffen“, bekräftigt er.

Landrat Reinhard Frank wies auch auf ein Konzept des Ingenieurbüros Klärle aus Weikersheim hin. Dieses zielt darauf ab, leerstehende Immobilien in den Städten und Gemeinden im Landkreis für die Flüchtlingsunterbringung zu nutzen und damit neues Leben insbesondere auch in kleinere Ortschaften mit rückläufiger Einwohnerentwicklung zu bringen. Das Büro Klärle hat hierzu eine Software vorgestellt, mit dem leer stehende Objekte erfasst und bewertet werden können.

Die große Herausforderung beginnt erst:

Unabhängig vom Ausbau der Unterbringungskapazitäten sieht Landrat Reinhard Frank die größte Herausforderung im Rahmen der Flüchtlingswelle noch bevorstehen. Nachdem ein großer Teil der Flüchtlinge längerfristig oder gar dauerhaft in Deutschland bleiben werde, müsse schnell für eine gute Integration gesorgt werden. „Die zugewanderten Menschen sind eine große Chance für Wirtschaft und Gesellschaft, wenn es gelingt, diese in Ausbildung und Arbeit zu bringen. Ausbildung und Arbeit führen individuell zu einem gesicherten Einkommen und gesellschaftlich zu Anerkennung und Wertschätzung“, sagt Landrat Reinhard Frank. „Einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten aktuell die ehrenamtlichen Helferkreise, die im Main-Tauber-Kreis an allen Standorten der Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung stehen. Dafür möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken“, sagt der Landrat.

Darüber hinaus möchte der Landrat ein „Aktionsbündnis Integration“ im Main-Tauber-Kreis initiieren und hat hierzu am Montag zahlreiche Institutionen ins Landratsamt geladen, darunter Bürgermeisterversammlung, Arbeitsagentur, Jobcenter, Vertreter von Schulamt, Beruflichen Schulen, Dualer Hochschule und Volkshochschulen, die Kammern, die regionale Wirtschaftsförderung, Caritas und Diakonie, Bildungs- und Weiterbildungsorganisationen sowie die beteiligten Ämter und Dezernate aus dem Landratsamt. Im Sinne eines „Wer macht was?“ möchte Landrat Frank die Partner für einen „Masterplan Integration“ im Main-Tauber-Kreis gewinnen.

Seite zurück nach oben Seite drucken Seite weiterempfehlen