Sprungziele
Startseite
Öffnungszeiten
Kontakt
Ideen & Beschwerden
Vorlesen
Seiteninhalt
23.12.2015

Gut für Flüchtlinge und Auftraggeber

Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften des Main-Tauber-Kreises können in der Regel nicht sofort in den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden. Sie möchten aber auch nicht längere Zeit untätig sein. Zudem bringen die Flüchtlinge aus ihren Herkunftsländern Arbeitsbegabungen und Lebenserfahrungen mit, die sie gewinnbringend für die Gesellschaft einbringen können. Daher wurde die gesetzliche Möglichkeit geschaffen, dass Asylbewerber Arbeitsgelegenheiten bei staatlichen, kommunalen und gemeinnützigen Trägern übernehmen können.

Flüchtlinge halfen bei der Sanierung des Busbahnhofes in TBB
Flüchtlinge halfen bei der Sanierung des Busbahnhofes in TBB

Im Main-Tauber-Kreis wurden bereits zahlreiche Arbeitsgelegenheiten geschaffen. Unter anderem helfen Flüchtlinge in den Bauhöfen der Städte und Gemeinden bei Reinigungsarbeiten und gärtnerischen Pflegemaßnahmen. Sie wirken in Pflegeheimen bei der Essensgabe an pflegebedürftige Menschen oder durch die Begleitung bei Spaziergängen mit. Der Kommunale Landschaftspflegeverband hat Flüchtlinge bei der Pflege von Trockenhängen eingesetzt. Zudem unterstützen Asylbewerber viele Aktivitäten der Vereine und kirchlichen Einrichtungen, zum Beispiel durch die Mithilfe bei der Renovierung von vereinseigenen und kirchlichen Gebäuden.

„Von dieser Arbeitsgelegenheiten profitieren alle Beteiligten“, erklärt Landrat Reinhard Frank. Die Flüchtlinge könnten ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und ihren Alltag während des oftmals langwierigen Asylverfahrens sinnvoll strukturieren. Im Rahmen ihrer gemeinnützigen Tätigkeiten finden sie oftmals Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und lernen das Leben, die Arbeitswelt und die Gepflogenheiten in Deutschland kennen. Die Auftraggeber wiederum können mit geringem finanziellen Aufwand Projekte umsetzen oder Arbeiten erledigen lassen, die ansonsten liegen bleiben würden – und sie leisten einen wertvollen Beitrag zur Integration und Arbeitsmarktfähigkeit von Flüchtlingen. Daher ruft Landrat Reinhard Frank staatliche und kommunale Stellen sowie gemeinnützige Organisationen wie Kirchen und Vereine dazu auf, geeignete Arbeitsgelegenheiten zur Verfügung zu stellen. Zuletzt haben die katholischen und evangelischen Dekane im Landkreis zugesagt, gemeinsam 100 solche Arbeitsgelegenheiten zu schaffen.

Bei der zu leistenden Arbeit muss es sich nach den gesetzlichen Bestimmungen um eine „zusätzliche“ Arbeit handeln, also Tätigkeiten, welche sonst nicht oder nicht zu diesem Zeitpunkt verrichtet worden wären. Die Tätigkeiten dürfen keine nicht geförderten Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt verdrängen.

Die Arbeitsgelegenheiten begründen weder ein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts, noch ein Beschäftigungsverhältnis im Sinne der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung. Sie sollen zeitlich und räumlich so gestaltet werden, dass sie von den Flüchtlingen stundenweise ausgeführt werden können und zumutbar sind.

Die Flüchtlinge sollen durch einen Ansprechpartner vor Ort informiert und begleitet werden. Die Arbeitszeit darf 100 Stunden pro Monat nicht überschreiten. Die Aufwandsentschädigung beträgt 1,05 Euro je Stunde. Sie wird von der Institution übernommen, welche die Arbeitsgelegenheit bereitstellt. Die Bezahlung erfolgt direkt an den jeweiligen Flüchtling.

Die Flüchtlinge erhalten über das Landratsamt Gesundheitshilfe und müssen daher nicht krankenversichert werden. Eine Haftpflicht- oder Unfallversicherung muss bei Bedarf über die Institution, die die Arbeitsgelegenheit anbietet, abgeschlossen werden.

Ist für die Arbeitsgelegenheit eine Prüfung der Gesundheit bzw. ein Gesundheitszeugnis erforderlich, muss dieses extra angefordert werden. Die Kosten hierfür trägt die wieder die Körperschaft, die die Arbeitsgelegenheit anbietet.

Es kann sein, dass ein Flüchtling bei positivem Ausgang seines Asylverfahrens eine reguläre Erwerbstätigkeit aufnehmen darf bzw. bei negativem Ausgang zur Ausreise aufgefordert wird. Die Arbeitsgelegenheit wäre in diesem Fall zu beenden.

Ansprechpartnerin beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis für die Meldung zusätzlicher gemeinnütziger Tätigkeiten ist Sylvia Karner, E-Mail: sylvia.karner@main-tauber-kreis.de, Telefon: 07931/4827-6393. Das Landratsamt muss in jedem Einzelfall prüfen, ob die vorgeschlagene Arbeitsgelegenheit den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Seite zurück nach oben Seite drucken Seite weiterempfehlen