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11.12.2015

Asylhelfer trafen sich im Landratsamt

Die Aufnahme und Versorgung der im Main-Tauber-Kreis ankommenden Flüchtlinge stellt sowohl die Landkreisverwaltung als auch die zahlreichen ehrenamtlichen Helferkreise vor besondere Herausforderungen. Um die Aufgaben abzustimmen, fand auf Einladung von Landrat Reinhard Frank ein Informationsaustausch mit den Vorsitzenden der Helferkreise sowie den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Landkreisverwaltung im Landratsamt Main-Tauber-Kreis statt.

Informationsaustasch zwischen Helferkreisen und Landkreisverwaltung
Informationsaustasch zwischen Helferkreisen und Landkreisverwaltung

„Ohne den unermüdlichen Einsatz der zahlreichen Helferinnen und Helfer im Ehrenamt könnten wir die Mammutaufgabe Flüchtlingsaufnahme nicht meistern. Insbesondere bei der Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft bilden die Helferkreise eine ganz wichtige Stütze“, bekräftigte der Landrat. Landrat Frank lobte auch das hauptamtliche Team der Landkreisverwaltung. „Es ist eine Marathonaufgabe und oft sehr schwierig, Ängste in der Bevölkerung vor den ankommenden Flüchtlingen abzubauen“, sagte Landrat Frank. „Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie das Hausmeisterteam machen an der Basis einen hervorragenden Job“, erklärte Frank weiter.

„Aufgrund der demographischen Entwicklung sei ein Zuzug von jungen Menschen in den Main-Tauber-Kreis als grundsätzlich positiv zu bewerten“, sagte der Landrat. Bis zum Jahr 2030 werden im Landkreis rund 10.000 weniger Bürgerinnen und Bürger wohnen als noch im Jahr 2005. „Wenn die Eingliederung der Flüchtlinge gelingt, sind wir alle Gewinner“, erklärte Landrat Frank.

Sozialdezernentin Elisabeth Krug stellte die Entwicklung der Flüchtlingszahlen dar. Wöchentlich werden dem Main-Tauber-Kreis derzeit rund 53 Flüchtlinge pro Woche zugewiesen, für die eine adäquate Unterkunft bereitstehen muss. Die Spitzenposition bei der Flüchtlingsunterbringung hat die Stadt Tauberbischofsheim mit aktuell 318 Asylbewerbern übernommen, nachdem Bad Mergentheim bisher die meisten Flüchtlinge beherbergte.

„Die Entwicklung im kommenden Jahr ist mit dem berühmten Blick in die Glaskugel zu vergleichen“, sagte Sozialdezernentin Elisabeth Krug. „Sicher ist, dass die Flüchtlingszahlen weiter auf hohem Niveau anhalten werden und auch die Bleibewahrscheinlichkeit sehr hoch ist“, erklärte Elisabeth Krug weiter. Die bis Jahresende vermutlich verfügbaren 1300 Plätze für die Flüchtlingsunterbringung müssen deshalb bis Ende nächsten Jahres auf 2500 Betten aufgestockt werden. Die Städte und Gemeinden werden in naher Zukunft nicht nur Flüchtlinge in der vorläufigen Unterbringung aufnehmen müssen, sondern auch in der sogenannten Anschlussunterbringung. Die Planungen für die Unterbringung laufen in enger Abstimmung zwischen Landkreisverwaltung und den Städten und Gemeinden.

Die Personalgewinnung für die Betreuung der Flüchtlinge sieht Amtsleiter Jürgen Gotthard als wichtige Aufgabe für das kommende Jahr. Ein Sozialarbeiter soll die Betreuung von 130 Flüchtlingen übernehmen. Eine Hotline für Fragen der Bürger wird spätestens im Frühjahr eingerichtet. „Die beim Landratsamt eingereichten Spenden geben wir natürlich ohne Abzug an die Helferkreise weiter“, sagte Jürgen Gotthard.

Die Aufgaben des Sozialdienstes erklärte Koordinatorin Sylvia Karner. Sie ist seit 16 Jahren beim Landkreis als Sozialarbeiterin für die Flüchtlinge zuständig und leitet das Team aus aktuell sieben Kolleginnen und Kollegen. Sylvia Karner versuchte die Aufgaben zwischen Sozialdienst und ehrenamtlichen Helfern abzugrenzen. „Der Ankunftstag der Flüchtlinge gehört zwingend dem professionellen Team aus Sozialdienst, Heimleitung und Hausmeister. Zuerst ist natürlich die Zimmereinteilung wichtig, bevor dann die drängenden Fragen der Neuankömmlinge beantwortet werden“, erklärte Karner weiter. Erfahrungsgemäß kommen immer mehr Flüchtlinge an, die noch keinen Asylantrag gestellt haben, was nicht der Normalfall sein sollte. Zuständig für den Asylantrag ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). „Die Arbeit des Helferkreises setzt dann ein, wo die Hauptamtlichen nicht mehr eingreifen können“, so Sylvia Karner weiter.

Das Erlernen der deutschen Sprache ist die Basis für eine erfolgreiche Integration. Für jeden Flüchtling ist die Teilnahme an einem 100 Unterrichtsstunden umfassenden Basisdeutschkurs durch den Landkreis vorgesehen. Es gibt allerdings kein Sanktionsrecht, falls ein Flüchtling sich nicht an dem Kurs beteiligt. Eine gesetzliche Verpflichtung besteht hingegen darin, dass die Flüchtlinge im Rahmen der vorläufigen Unterbringung in der zugewiesenen Unterkunft wohnen müssen.

Alex Schuck von der neu eingerichteten Ökumenischen Fach- und Koordinierungsstelle für Flüchtlingsarbeit im Main-Tauber-Kreis berichtete über deren Aufgaben. Die Koordinierungsstelle dient als Koordinator der Helferkreise und soll diese miteinander vernetzen. Zu einer besseren Vernetzung und einem guten Informationsaustausch soll auch die Einrichtung eines digitalen Wissensmanagements führen. Justiziarin und Amtsleiterin Anja Hoch stellte dazu das Konzept vor. Die Wissensdatenbank Asyl bietet allen Mitgliedern der Helferkreise die Möglichkeit für einen internen Austausch von Informationen und Dokumenten. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass die Kreisverwaltung Informationsmaterial zur Verfügung stellt und damit alle Helferkreise den gleichen Wissenstand haben. Der Zugriff auf das System ist passwortgeschützt.

„Nicht zuschauen, sondern anpacken, ist die Botschaft der Stunde“, lautete das Fazit von Landrat Frank am Ende der Veranstaltung.

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