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01.12.2021

Eine aktuelle Wiederaneignung Rothenburgs im Bild

Im Rahmen von „Pittoresk! Selbstbild – Fremdbild – Wiederaneignung“ präsentiert das RothenburgMuseum die erste zeitgenössische Wiederaneignung des Stadtbildes: Claudia Hädickes Kunstklassen zeigen ihre Werke – Eine Kooperation des RothenburgMuseums mit der örtlichen Montessori-Schule.

Unter dem programmatischen Titel „Pittoresk! Selbstbild – Fremdbild – Wiederaneignung“ präsentiert die von Dr. Hellmuth Möhring im Rahmen der Themenjahre zu „Rothenburg als Landschaftsgarten“ konzipierte zweijährige Sonderausstellung einen bildmächtigen Zugriff auf die Tauberstadt vom 18 Jahrhundert bis in
die Gegenwart. Repräsentative, auf die Zentralperspektive geeichte Ansichten eines Johann Friedrich Schmidt (ca. 1730 – 1785) treten in Kontrast zu Werken des Biedermeier und der Romantik. In der Abfolge der ausgestellten Werke wird deutlich, wie die aus Großbritannien stammende Ästhetik des Pittoresken zu einem Wahrnehmungswandel geführt hat. An die Stelle klassisch komponierter Gemälde mit den sanktionierten Bildsujets aus antiker Mythologie und Historien treten private, teilweise flüchtige Bildthemen, der Betrachterstandpunkt wird demokratisiert, das Geschmacksurteil subjektiviert.
Rothenburg ob der Tauber als bürgerliches Idyll des Biedermeier oder als von der „Neuen Zeit“ vergessenes, intakt bewahrtes Mittelalter genoss seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einen besonderen Stellenwert bei Genremalern und war sozusagen synonym mit einer Vielzahl „malerischer“ Motive. Neben Werken deutscher Zeichner und Maler wie Hans Thoma und Theodor Alt sind besonders viele britische Künstler vertreten: Arthur Wasse, Elias Bancroft, Edward Harrison-Compton und Adeline S. Illingworth. Die Ausstellung zeigt hier ein breites Spektrum an Sichtweisen von außen – von „gothic“ bis „picturesque“ – und dokumentiert mit dem Übergang ins Medium der Fotografie, wie bestimmte aus der Malerei herrührende Motive sich bereits um 1900 zu einem ikonischen Kanon verfestigten. Ein Kanon, der spätestens mit Aufkommen der Ansichtspostkarte auch Züge des Kitsches gewinnen konnte.


Diesen spannenden Gegenüberstellungen von Selbstbild und Fremdbild, von Kunst und Kitsch fügt die Ausstellung nun einen ersten Aspekt der produktiven Wiederaneignung hinzu. Unter Anleitung von Claudia Hädicke, selbst Künstlerin und Mitglied im Rothenburger Künstlerbund e.V., zeigen Schüler von fünf Jahrgangsstufen der örtlichen Montessori-Schule, wie ihr sehr gegenwärtiger Blick auf die Tauberstadt ausfällt. Und dieser Blick ist bereits von den gewählten Medien her spannend: Die Spannweite reicht hier von Fotografien, Fotogrammen, Scannografien, Lomografien und IPad-Zeichnungen bis hin zu Video- und Rauminstallationen. „Spiegelungen“ zählen zu den von den Schülerinnen und Schülern gewählten Leitmotiven, und in höchst anspruchsvoller Reflexion greifen sie bspw. Themen des 18. Jahrhunderts wie die Camera Obscura oder das Claude-Glass auf. Bereits das Titelbild „Buntes Treiben“ von Hannah H. (16 Jahre) zeigt das Niveau der Spiegelungen: Inspiriert von David Hockneys IPad-Zeichnungen aktualisiert dieses Werk das Aquarell von Harrison-Compton von 1908.


Die Schülerinnen und Schüler der Rothenburger Montessori-Schule markieren mit der ab 19. Juni 2021 laufenden „Wiederaneignung“ nur den Anfang des partizipativen Ansatzes von Dr. Möhrings Pittoresk-Ausstellung. Ab Herbst 2021 werden dann der Fotoclub Rothenburg e.V., Anfang 2022 ein P-Seminar des Reichsstadtgymnasiums Rothenburg und ab Frühjahr 2022 dann die Künstler Robert Hellenschmidt, Eichi Takeyama und Reiner Grunwald folgen. Die programmatische Ausstellung „Pittoresk! – Selbstbild, Fremdbild, Wiederaneigung“ wird daher bis Ende 2022 verlängert werden, so dass auch die kritischen Zeichnungen des Rothenburger Karikaturisten Robert Hellenschmidt sowie die Traumbilder des Rothenburger Malers Eiichi Takeyama und Ansbacher Künstlers Reiner Grunwald als Beispiele künstlerischer Wiederaneignungen aktueller Wahrnehmungsbilder von Rothenburg ob der Tauber gezeigt werden können.


RothenburgMuseum
Öffnungszeiten: April bis Oktober 9:30–17:30 Uhr und November bis März 13–16 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 5 €; Familie 10 €
Kontakt: RothenburgMuseum | Klosterhof 5 | 91541 Rothenburg o. d. T.
Tel. +49 9861 939043 | museum@rothenburg.de | www.rothenburgmuseum.de 

Bitte beachten Sie die tagesaktuellen Hinweise zu Corona und informieren Sie sich vor Ihrem Besuch, ob die Einrichtung geöffnet hat.

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