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15.03.2018

Fachtag zur Gewaltprävention in Schulen

Ein Fachtag zum Thema Gewaltprävention für Verantwortliche der Schulsozialarbeit, Präventions-Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Interessierte fand kürzlich im Landratsamt Main-Tauber-Kreis statt. Dieser wurde vom Aktionskreis Sucht- und Gewaltprävention, Sicherheit und Gesundheitsförderung (AkS) initiiert. Der Einladung war ein interessiertes Fachpublikum gefolgt, das seine Arbeit in der Gewaltprävention weiterentwickeln oder seine bisherige Arbeit im Hinblick auf neue Strukturen und inhaltliche Veränderungen des Programmes überprüfen konnte.

Sozialdezernentin Elisabeth Krug wies auf die gesetzliche Verankerung von Prävention im fünften Buch Sozialgesetzbuch hin. „So wird die Grundlage für eine stärkere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger, Länder und Kommunen in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung für alle Altersgruppen und in vielen Lebensbereichen gelegt werden. Denn Prävention und Gesundheitsförderung sollen dort greifen, wo Menschen leben, lernen und arbeiten“, sagte Krug.

Besonders hob sie auch als aktuellen Arbeitsschwerpunkt die CTC-Schülerbefragung hervor. Hierbei ging man erstmals weg von Entscheidungen der Experten über die Zielgruppe, hin zur Befragung der Zielgruppe selbst. Die Ergebnisse zeigen neben erhöhten Werten beim Konsum von Alkohol teils auch schon in jungen Jahren auch interessante Ergebnisse zu den Themen Mobbing und Gewalt. Ein Drittel der 11- bis 14-jährigen Befragten gab zum Beispiel an, ausgeschlossen worden zu sein. Der Blick nach Niedersachsen, wo CTC landesweit bereits mehrfach durchgeführt wurde, zeigt, dass dort Werte von knapp 30 Prozent bei der Prävalenz für Mobbingerfahrung in den letzten vier Wochen angegeben wurden.

Sigrid Mündlein stellte als Kommunale Suchtbeauftragte beim Landratsamt und zugleich Vorsitzende des AkS die Aufgaben, Arbeitsschwerpunkte und Unterstützungsangebote des Gremiums dar. „Es lebt von seinen engagierten Mitgliedern“, betonte sie. Die Arbeit vor Ort sei unerlässlich: „Bei Vorträgen für die Heranwachsenden, Elternabenden oder auch bei der Beratung der Schulen gibt es vielfältige Möglichkeiten, durch die Fachleute des AkS Unterstützung zu erhalten.“

Auch finanzielle Mittel für Präventionsprojekte können beim AkS beantragt werden. Zudem unterstützt der Förderverein AkS, der sich aus Vertretern der Politik, der Wirtschaft und der Kommunen zusammensetzt, die Prävention ideell und finanziell. Auch mit dem Zivilcouragepreis sensibilisiere man die Bevölkerung für wichtige Präventionsthemen.

Gerhard Heine von der Suchtberatungsstelle der AGJ und Bernhard Bopp von der Psychologischen Beratungsstelle des Caritasverbandes zeigten ihre Arbeit an einzelnen Bausteinen von Konflikt-KULTUR der letzten zwei Dekaden auf. „Konflikt-KULTUR war ein gutes Programm, um in den Schulen auf ganz unterschiedlichen Ebenen gewaltpräventiv zu wirken“, sagte Bopp.

Begonnen hat alles mit der Realschule Tauberbischofsheim. Hier wurde zuerst die Schülerstreitschlichtung eingeführt, ein Projektteam aus der Lehrerschaft gebildet und später dann der Tat- Ausgleich, eine konfrontative Gesprächsführung, eingeführt. Die Entwicklung von pädagogischen einheitlichen Handlungsgrundsätzen forderte manche Lehrkräfte heraus und prägt heute noch die einzelnen Schulen.

Weitere Schulen kamen schnell hinzu, die ebenfalls die Konflikt-KULTUR einführen wollten. Beide Referenten betreuten über 20 Schulen im Main-Tauber-Kreis. Das Projekt wurde auch auf Grundschulen und Berufsschulen ausgedehnt und mit weiteren Bausteinen ergänzt. „Begriffe wie ‚Stups‘, ‚Kuckmal‘ und ‚Keep cool‘ gehören seit dieser Zeit zur Schullandschaft“, sagte Heine. Diese Bausteine stehen für Konzepte der Gewaltprävention für weiterführende Schulen in den unterschiedlichen Jahrgangsstufen.

Zusätzliche wurden weitere Konzepte wie „project adventure“ unterstützt und die Arbeit mit Schulklassen bei Mobbing eingeführt. Wichtig war für Bopp und Heine immer, die Lehrer regelmäßig zu begleiten und „Motor“ zu sein für die Gewaltprävention an den betreuten Schulen. „Konflikt-KULTUR hat die Schullandschaft in der Gewaltprävention positiv verändert“, sagte Heine.

Als Hauptreferentin sprach Diplomsozialpädagogin (FH) Corona Fertig, die im Neckar-Odenwald-Kreis als Schulsozialarbeiterin tätig ist. Sie berichtete über ihre Erfahrungen als Trainerin für Gewaltprävention. Am Beispiel von Konflikt-KULTUR beschreibt sie ein den Stellenwert eines umfassenden, praxiserprobten und wissenschaftlich fundierten Fortbildungs- und Präventionsprogramm mit zahlreichen Bausteinen zum Thema Leben und Lernen in Schule und Jugendhilfe. Es richtet sich an pädagogische Fachkräfte und wurde durch das Referat Prävention im AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e.V. entwickelt. Heranwachsende erfahren dabei einen Zuwachs an sozialen Kompetenzen und werden befähigt, konstruktiv mit Konflikten umzugehen. Gleichzeitig werden Grundbedingungen für effektives Lernen geschaffen.

Den teilnehmenden Lehrkräften wird ermöglicht, weitere pädagogische Handlungskompetenzen zu erlernen. „Lehrkräfte tun sich im Umgang mit Alltagkonflikten unter den Schülern wesentlich leichter, wenn sie sinnvolle Strategien an der Hand haben, um mit diesen umzugehen. Darüber hinaus benötigen sie wirkungsvolle Methoden, um Mobbing aufzuarbeiten, damit sich Kinder- und Jugendliche im Lebensraum Schule wohlfühlen können“, erklärte die Referentin.

Die Teilnehmer diskutierten lebhaft, wie man die Prävention weiterhin fortführen kann und was essentielle Teile der Arbeit sind. Auch das Rahmenkonzept stark.stärker.WIR. des Kultusministeriums mit seinen vielfältigen Aktivitäten in der Prävention und Gesundheitsförderung kann künftig ein wichtiger Anker für Präventionsarbeit an Schulen werden.

Schließlich wurde auch Abschied von einem Fachmann der Sucht- und Gewaltprävention mit langjähriger Berufserfahrung genommen. Gerhard Heine geht nach über 25-jähriger Tätigkeit im Main-Tauber-Kreis in den Ruhestand. Als sein Nachfolger wurde Mathias Schulz vorgestellt.

Weitere Informationen zum AkS sowie zu dessen Förderverein gibt es unter www.main-tauber-kreis.de/praeventionspartnerschaft.

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