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Titelfoto Ausbildung

Ausbildung Forstwirt - "Erfahrungsbericht"

Dem 16-jährigen Moritz Barthel geht’s gar nicht gut, ihm wird übel, schwindlig, er muss sich setzen – auf einen eiskalten Baumstamm, mitten in einem verschneiten Wald. Die Kälte kriecht durch seine Schuhe, seine Jacke, sein Atem wird zu weißen Wolken. So anstrengend hatte er sich das nicht vorgestellt: Für eine Reportage in unserer Mitarbeiterzeitung sollte der Realschüler, Praktikant in unserer Pressestelle, den Forstwirt-Azubis über die Schulter schauen. Nach gut einer Stunde muss er aufgeben. Ein Erfahrungsbericht.

Schneebedecktes Feld am Waldrand - Arbeitsplatz der jungen Forstwirts-Auszubildenden des Landkreises. Moritz Barthel, Praktikant in der Pressestelle, musste bei seinem Besuch vor Ort erfahren, wie anstrengend die Kälte sein kann.

Ich stieg um 8.10 Uhr aus dem warmen Auto des Forstamtsleiters Jürgen Weihmann, wir gingen zusammen gleich in die Ausbildungsstelle am forstlichen Stützpunkt Buch. Im ersten Raum vor dem nachfolgenden Arbeitsraum war es an diesem Mittwochmorgen nicht sehr warm, was wohl daran lag, dass die Heizung aus war. Ich folgte Weihmann in den Arbeitsraum, dort standen vier Azubis an den Motorsägen, Äxten und anderen Arbeitsgegenständen und säuberten jene. Ich begrüßte sie und stellte mich ihnen vor. Unter ihnen ist auch Leonard Enge, ein 17-jähriger Junge, der mit 16 Jahren ganz alleine von Thüringen in den Main-Tauber-Kreis zog, um hier eine Lehre anzufangen.

Schließlich folgte ich Jürgen Weihmann in den Gemeinschaftsraum hinter dem Arbeitsraum. Dort begrüßte ich die Aufsichtspersonen, den Revier- und Stützpunktleiter Werner Frank und den Ausbildungsmeister Stefan Brameier. Nun stellte ich Werner Frank ein paar Fragen zu dem Stützpunkt. Er erzählte mir, dass aktuell sechs junge Männer zu Forstwirten ausgebildet werden, immer zwei pro Lehrjahr.

Die betriebliche Ausbildung findet an der Ausbildungsstelle am forstlichen Stützpunkt Buch statt, die überbetriebliche Ausbildung am Forstlichen Bildungszentrum in Königsbronn und am Forstlichen Ausbildungszentrum in Mattenhof in der Nähe von Offenburg. Dort gibt es jeweils eine drei- bis vierwöchige Blockunterrichtseinheit. Die Hauptausbildungsthemen sind nach Franks Worten zum Beispiel Kulturbegründung (also Bäume anpflanzen) oder Forstschutz (das Schützen der verschiedenen Pflanzenarten). Sonst gibt es noch Bestandespflege (die Erziehung von jungen Bäumen durch Schnittarbeiten u.ä.), Naturschutzarbeiten (zum Beispiel das Markieren von hohlen oder kranken Bäumen) oder Landschaftspflegearbeiten (zum Beispiel das Entfernen von Dornen, damit Pflanzen besser wachsen können). Natürlich arbeitet man dort auch viel mit Holz und anderen Werkstoffen. Ansonsten pflege man als Forstwirt auch noch jagdliche Einrichtungen, etwa Hochsitze oder Wildfütterungen.

Arbeit mit der Motorsäge im eisig kalten Wald - wenigstens sind die Griffe beheizt

Werner Frank erklärte mir die Möglichkeiten nach der Ausbildung. Zum einen, meinte er, kann man einfach der Arbeit als Forstwirt nachgehen. Man könnte aber auch weiter auf eine berufliche Schule gehen, wodurch man die Chance habe, Förster zu werden. Es gibt auch die Möglichkeit, sich ein Spezialgebiet zu suchen, zum Beispiel als Forstmaschinenfahrer, Baumpfleger oder Forstwirtschaftsmeister, wofür man aber mindestens drei Jahre lang gearbeitet haben muss, um schließlich eine Meisterausbildung mit abschließender Meisterprüfung zu absolvieren. Werner Frank erklärte mir, dass die meisten Forstwirts-Auszubildenden hier aus der Region seien. 70 Prozent kommen aus dem Main-Tauber-Kreis, 20 Prozent aus benachbarten Landkreisen und zehn Prozent aus benachbarten Bundesländern.

Nach diesem kurzen Gespräch war ich natürlich bestens informiert und konnte mit dem Azubi Leonard Enge unter vier Augen reden. Er erzählte mir, er sei 17 Jahre alt und komme ursprünglich aus Berlin, aber seine Eltern seien zuletzt nach Ruhla in Thüringen umgezogen. Jetzt wohnt er alleine in Ahorn-Hohenstadt. Die Arbeit hier werde gut eingeteilt, so dass immer jeder genug zu tun hat und niemand etwas alleine machen muss.

Des Weiteren erzählte er mir, dass ihm das Alleinleben gut gefällt, man habe ja schließlich keine Vorschriften, und niemand sagt ihm, was er zu tun hat. Auch sagte er, dass er keine weiteren Probleme hat, er müsse eben bloß alles selbst machen, da er niemanden hat, der für ihn putzt, wäscht, kocht und so weiter, es sei eine ziemlich starke Umstellung gewesen.

Trotzdem ist er auf jeden Fall glücklich so. An seiner Berufswahl habe er keine Zweifel. Er wollte schon immer raus an die frische Luft, und so hat er genau das gefunden, was er wollte. Er ist von daheim weggegangen, weil er unbedingt Forstwirt lernen wollte, er hat sich bundesweit beworben und bestimmt 50 Bewerbungen abgeschickt, meint er. Als er hier genommen wurde, musste er nun mal flexibel sein und wegziehen. Leonard Enge hat seine Ausbildung im September 2008 begonnen und befindet sich nun im zweiten Lehrjahr. Die Arbeitszeiten sind je nach Jahreszeit unterschiedlich. Im Sommer zum Beispiel müssen er und die anderen Azubis von 7 Uhr bis um 16 Uhr arbeiten, im Winter dagegen von 7.30 Uhr bis um 16.30 Uhr.

Auf sich alleine gestellt: Forstwirt-Azubi Leonhard Enge (17) hat in Ahorn eine eigene Wohnung, seine Eltern leben im thüringischen Ruhla, 225 Kilometer entfernt. Enge hatte für seine Ausbildungsstelle bundesweit 50 Bewerbungen geschrieben.

Ich fragte ihn, ob er gerne wieder nach Hause zurück wolle oder ob ihn hier viel hält. Darauf erwiderte er, angenommen, er würde daheim eine Stelle kriegen, würde er eventuell dort hingehen, aber eigentlich würde er schon am liebsten hierbleiben, weil er nun die Leute hier kennt, sich mit allen gut versteht und auch Freunde gefunden hat. Die würde er ja dann verlieren.

Leonard Enge meinte, die Sache hier sei eine reine Frage der Lebenseinstellung, und man sollte es wollen, „sonst kann das hier nicht funktionieren“. Ich fragte nach seiner Wohnung, er erklärte, dass sie ungefähr 60 Quadratmeter groß sei, das sei groß genug. Zudem wird er sowieso demnächst nach Eubigheim umziehen, weil ihm die Lage dort besser gefällt und die neue Wohnung größer ist, außerdem ist dort mehr los als da, wo er jetzt wohnt. Natürlich fragte ich, ob ihm der Beruf auch dauerhaft gut gefällt. Er meinte: „Klar ist es ab und zu mal nicht so toll, wenn man vielleicht Sachen erledigen muss, die etwas weniger Spaß machen, aber ansonsten ist alles wunderbar, es ist abwechslungsreich und die Leute sind auch nett.“ Als letztes fragte ich noch, ob ihm die Arbeit sehr schwer fällt. „Sicher ist die Arbeit schwer, man braucht dafür natürlich auch die körperlichen Vorraussetzungen.“

Anschließend gab es Frühstück, jeder brachte sein eigenes Essen mit. Ich selbst hatte leider nur Erdnüsse und nichts zu trinken dabei, aber ich bekam etwas. Nach ungefähr 20 Minuten (um 9 Uhr) waren dann auch alle fertig mit essen, und die vier anwesenden Azubis bereiteten sich für die Fahrt in den Wald vor. Sie holten Motorsägen und Sprit aus dem Arbeitsraum und brachten die Sachen in den Anhänger eines kleineren Lieferwagens. Der Kofferraum des Autos war bereits voll mit verschiedenen Geräten.

Mit der Motorsäge im Wald in Aktion

Ich bekam Handschuhe und einen Helm, nach Ausbildungsmeister Stefan Brameier ist dies das Mindeste, was man tragen sollte. Mir wurde angeboten, festere Stiefel zu tragen, aber ich lehnte dankend ab in dem Glauben, meine Schuhe seien fest genug. Während ich wartete, bis alles eingepackt war, fiel mir unangenehm auf, wie kalt es war, da das Atmen in der Lunge wehtat und sich beim Atmen kleine Wölkchen bildeten. Schließlich war alles eingepackt. Wir setzten uns in das Auto, und Stefan Brameier fuhr uns in den Wald.

Nach 20 Minuten waren wir im Wald angekommen, ich stieg aus und sah zu, wie die Azubis die Arbeitsgeräte auspackten. Mir fiel auf, dass es im Wald noch kälter zu sein schien als beim Stützpunkt. Dazu kam noch, dass alles schneebedeckt war, obwohl dieser Schnee hart wie der Boden darunter war. Ich fragte Stefan Brameier, was die Striche an den Bäumen zu bedeuten haben, er erklärte mir, die gelben Striche zeigten einen Weg an, den ein Forstwirt mit seinem Schlepper befahren darf. Die roten Striche dagegen zeigtenBäume an, die meist alt sind und andere beim Wachsen behindern. Deswegen dürften ebendiese gefällt werden. So gingen wir alle zusammen etwas tiefer in den Wald, ließen das Auto am Waldweg stehen.

Wir waren am Waldrand, dahinter erstreckte sich ein scheinbar endloses Feld. Wie so die Sonne darüber schien, sah das sehr schönaus, und ich schoss gleich ein paar Fotos. Zum Fotoschießen musste ich die Handschuhe ausziehen, was bewirkte, dass meine Hände noch kälter wurden als sie sowieso schon waren. Wegen dem Schnee unter den Sohlen wurden auch zunehmend meine Füße kälter.

Ausbildungsmeister Stefan Brameier

Trotz der starken Kälte gingen die Jungs munter ans Werk und fingen an, den ersten Baum zu fällen. Einer sägte die Äste drum herum ab, damit die Äste den Baum beim Stürzen nicht behinderten. Dann fing einer an, den Baum anzusägen, schließlich wurden Keile in den Baum geschlagen, bis der Baum krachend umfiel. Leider war ich beim ersten Baum etwas langsam dran mit der Kamera und konnte kein Foto schießen. Stefan Brameier ermutigte mich: „Beim nächsten Baum klappt’s sicher.“ Der soeben gefällte Baum wurde dann von einem Traktor weggezogen und von zwei der Jungs in Stücke zerlegt. Ich sah zu und schoss weitere Fotos.

Nun verteilten sich alle an verschiedene Bäume und sägten sie an. Der Waldrand sah dank des hellen Lichts sehr schön aus, trotzdem konnte das nicht über die unglaubliche Kälte hinwegtäuschen. Inzwischen waren meine Füße extrem kalt, genauso wie meine Hände, mein Atem bildete riesige Wolken. Der nächste Baum fiel, endlich erwischte ich ihn während des Falls. Auch dieser Baum wurde an den Schlepper angebunden und weggezogen.

Die Kälte nahm immer noch zu. Die arbeitenden Jungs schien das nicht weiter zu stören, sie waren weiter am Sägen und Keile in die Bäume schlagen, wahrscheinlich verkrafteten sie die Kälte aufgrund ihrer skianzugähnlichen Monturen und ihrer Stiefel so gut. Leider war ich mit einer dicken Jacke und Winterschuhen nicht ganz so warm angezogen. Trotz allem riss ich mich zusammen und schoss weiter fleißig Fotos und beobachtete die Lage. Stefan Brameier sagte mir, die Griffe der Motorsägen seien beheizt, und das sei sehr angenehm für den, der die Kettensäge ohne Handschuhe benutzt.

Revierleiter Werner Frank

Auf einmal fühlte ich mich nicht nur kalt, sondern es wurde mir auch noch schlecht und schwindelig. Ich setzte mich auf einen Baumstamm und atmete tief durch. Es war wirklich verdammt kalt hier oben. Ich fand es echt bewundernswert, wie die vier Jungs die Kälte wegsteckten. Und dabei mussten sie ja noch viel länger am Werk bleiben, als ich schon hier war. Wie ich vorher beim Gespräch mit Leonard Enge erfahren hatte, mussten sie ja bis 16.30 Uhr arbeiten. Ich schoss noch ein paar weitere Fotos, trotzdem war mir inzwischen so schlecht, dass ich dachte, ich muss mich übergeben. Natürlich fiel mein Zustand auf, und Stefan Brameier meinte, ich solle mich ins Auto setzen, er mache die Autoheizung an und rufe Werner Frank an.

Ich saß nun im Auto und mir war immer noch fürchterlich kalt, ich sah wie die Azubis immer noch fröhlich am Arbeiten waren, klar kam ich mir da nicht so toll vor. Schließlich kam Werner Frank, ich machte noch Gruppenfotos und ein Einzelbild von Leonard Enge. Schließlich, um 10.30 Uhr, schleppte ich mich fast zu Franks Auto, er fuhr mich nach Tauberbischofsheim zurück. Auf der Fahrt meinte er, es sei klar, dass ich das nicht so gut verkraften würde. Für sie sei das reine Routine, und Routine muss da auch einsetzen. Man muss sich daran gewöhnen. Es war voraussehbar, dass ich nach einer Stunde die Kälte nicht mehr verkraften würde, weil ich so etwas einfach nicht gewöhnt sei. Trotz des Zwischenfalls hatte ich genug über die Arbeit der Forstwirte erfahren, und es war eine interessante Erfahrung.

Dieser Beitrag entstand im März 2010.

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