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10.08.2017

Wegfall der Bäcker- und Fleischerausbildung würde Region schaden

Landrat Reinhard Frank hat in einem Schreiben an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann flexible Regelungen für die Mindestschülerzahlen an den Beruflichen Schulen im ländlichen Raum gefordert. Derzeit sind mehrere Angebote für Ausbildungsberufe an den Beruflichen Schulen im Main-Tauber-Kreis von der Schließung bedroht. Die vom Land Baden-Württemberg geforderten Mindestschülerzahlen werden nicht erreicht.

Fleischerausbildung

Für einige Lehrangebote im Main-Tauber-Kreis hat das Land neue Hinweisverfahren ausgesprochen oder bestehende Hinweisverfahren fortgesetzt. Diese Hinweisverfahren beginnen laut Landes-Schulgesetz, sobald die Mindestschülerzahl von 16 Schülern in einer Klasse unterschritten ist. Betroffene Lehrangebote werden mit gelber oder roter Ampelfarbe geführt.

Bei einer gelben Ampelfarbe kann das Lehrangebot zunächst weiter unterrichtet werden; sobald eine alternative Lösung gefunden ist, wird das Lehrangebot eingestellt. Bei einer roten Ampelfarbe wird das Lehrangebot letztmals im kommenden Schuljahr 2017/2018 angeboten. Es droht dann die Einstellung. Für Auszubildende im Main-Tauber-Kreis würde dies bedeuten, dass sie künftig nicht mehr die nahe gelegenen Beruflichen Schulen in Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim und Wertheim besuchen können. Stattdessen müssen sie zu weit vom Wohn- und Ausbildungsort entfernt liegenden Schulen fahren. „Welcher Jugendliche nimmt das heute bei dem Überangebot von Ausbildungsstellen noch auf sich?“, fragt Landrat Frank in seinem Schreiben.

„Der Main-Tauber-Kreis wird sich auch im Sinne des Landes Baden-Württemberg mit seinen Beruflichen Schulen bemühen, Berufsbilder, die an mehreren Standorten unterrichtet werden, zu konzentrieren. Eventuell kann dann das Hinweisverfahren beendet und damit das Lehrangebot im Landkreis erhalten werden“, schreibt Landrat Reinhard Frank. Allerdings setzten sich die Schulleiter – auch im Interesse der Schüler – für die Erhaltung der dezentralen Bildungsangebote auch unter dem Klassenteiler von 16 Schülerinnen und Schülern ein.

Große Sorgen bereiten Landrat Frank die Handwerksberufe Fleischer und Fleischereifachverkäufer sowie Bäcker und Bäckereifachverkäufer. Für diese Ausbildungsberufe ist es heute generell schwierig, Ausbildungswillige zu gewinnen. Die Schülerzahlen in diesen Ausbildungsklassen an der Gewerblichen Schule in Bad Mergentheim sind sehr gering. Sie liegen je nach Beruf und Ausbildungsjahr zwischen einem und acht Schülern. Die künftigen Fleischer/Fleischereifachverkäufer und die Bäcker/Bäckereifachverkäufer werden aufgrund dieser geringen Zahlen bereits überwiegend gemeinsam unterrichtet. In der Summe sind 52 Schülerinnen und Schüler betroffen.

Trotz dieser geringen Schülerzahlen und der „roten Ampel“ für Fleischer/Fleischereifachverkäufer plädiert Landrat Frank dafür, diese Ausbildungsgänge im Main-Tauber-Kreis zu erhalten: „Es ist uns bewusst, dass hierfür Lehrerstunden finanziert werden müssen. Diesen finanziellen Einsatz halte ich volkswirtschaftlich betrachtet dennoch für sinnig.“ Die häufig familiengeführten Fleischereien und Bäckereien hätten sonst – wenn die Beruflichen Schulen zu weit entfernt gelegen – überhaupt keine Chance mehr, junge Menschen für ihre Ausbildungsberufe zu finden. „Dies würde bedeuten, dass sukzessive auch familiengeführte Bäckereien und Fleischereien im ländlichen Raum wie dem Main-Tauber-Kreis verschwinden. Dieses Szenario gilt bei Beibehaltung der jetzigen regionalen Schulplanung in Kürze auch für andere Handwerksberufe“, schreibt der Landrat an die Ministerin.

Daher bittet Landrat Frank noch einmal darum, dass die Mindestschülerzahlen im ländlichen Raum deutlich herabgesetzt oder aufgehoben werden. Im ländlichen Raum sollte nach seiner Meinung ein höherer volkswirtschaftlicher Nutzen in der Erhaltung der handwerklichen Strukturen durch familiengeführte Betriebe als durch eingesparte Lehrerkosten gesehen werden. „Nur bei kurzen Wegen zwischen Wohnort, Ausbildungsort und Berufsschule besteht die Chance, junge Menschen für diese Berufe zu gewinnen und Handwerksbetriebe zu erhalten“, bekräftigt Landrat Frank. Zudem sei nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung von künftig wieder steigenden Schülerzahlen auszugehen. „Eine Neuregelung würde helfen, die Zeit des temporären Schülerrückgangs zu überbrücken und es müssten keine Handwerksstrukturen aufgegeben werden.“




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