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14.06.2017

Landrat Frank beeindruckt von »Landwirtschaft 4.0«

Landrat Reinhard Frank hat sich jetzt bei einem Besuch des Betriebs Stemmler in Uissigheim über neueste technische Entwicklungen in der Landwirtschaft informiert. Diese lassen sich unter dem Begriff „Landwirtschaft 4.0“ zusammenfassen. Dabei geht es um die Digitalisierung der Landwirtschaft – also darum, dass moderne Geräte und Programme Daten erheben, miteinander kommunizieren und innerhalb eines vom Anwender vorgegebenen Rahmens selbständig Entscheidungen treffen.

Im Gespräch auf dem Betrieb Stemmler in Uissigheim

Was beispielsweise vorne am Schlepper mittels eines Sensors gemessen wird, empfängt der Computer in der Fahrerkabine. Dieser teilt dann sofort dem Düngerstreuer im Heck des Schleppers mit, ob er die Düngermenge erhöhen oder reduzieren soll. In Verbindung mit GPS-gestützten, automatisierten Lenksystemen, über die heute bereits viele Schlepper verfügen, lässt sich der Verbrauch von Düngemitteln reduzieren und der Ertrag steigern („Precision Farming“ = „Präziser Landbau“).

Für ihren Ackerbaubetrieb hat die Familie Stemmler vor einiger Zeit einen solchen N-Sensor angeschafft. Dieser misst mit Hilfe mehrerer Kameras bei der Düngerausbringung, welche Stickstoffgabe notwendig ist. Dazu werden die Chlorophyll-Werte, also der Wert des grünen Blattfarbstoffs, in den zu düngenden Pflanzen sowie die Pflanzendichte automatisch gemessen. „Somit kann nach einem Wachstumsindex Dünger gestreut werden“, sagte Simon Stemmler, Juniorchef des Unternehmens und gelernter Landmaschinentechniker.

Bei der Ernte wird direkt über den Mähdrescher die Erntemenge gemessen und georeferenziert kartiert. Diese Daten stehen dem System dann im nächsten Jahr als zusätzliche Werte zur Verfügung und verbessern die Datengrundlage.

„Unser Ziel ist, noch bedarfsangepasster zu düngen als bisher und genau dort zu streuen, wo Nährstoffe fehlen“, erklärte Betriebsinhaber Reiner Stemmler. Hierbei hilft auch die Teilbreitenschaltung, mit welcher der Düngerstreuer ausgestattet ist. Sie sorgt für eine Variation der Streubreite. In Verbindung mit der präzisen, GPS-gestützten Lenkung des Schleppers werden so Überlappungen, aber auch Fehlstellen vermieden. Dadurch wird eine Verringerung des Düngerverbrauchs um bis zu zehn Prozent und gleichzeitig eine Ertragssteigerung um fünf Prozent erwartet. „Damit möchten wir auch einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten“, erklärte Reiner Stemmler.

Derart moderne Technik der Mineraldüngerausbringung werde aktuell wohl nur auf etwa fünf Prozent der landwirtschaftlichen Anbauflächen im Kreis eingesetzt. Familie Stemmler zeigte sich aber überzeugt, dass die Digitalisierung in der Breite der Landwirtschaft schnell voranschreiten wird. Im eigenen Betrieb werden die nächsten Neuanschaffungen, sei es im Bereich Pflanzenschutz oder in der Aussaattechnik, mit der entsprechenden Technik ausgestattet.

Landrat Reinhard Frank zeigte sich von dem modernen Betrieb sehr beeindruckt: „Die Landwirtschaft ist heute kein einfaches Geschäft. Die Familie Stemmler beweist, dass man dennoch erfolgreich sein kann, wenn man sich ständig weiterentwickelt und sich auf ausgewählte Geschäftsfelder konzentriert. Besonders imponiert mir, wie hier die ganze Familie mitzieht, weil man selbstständig arbeiten und sein eigener Herr sein möchte.“ Der Landrat wurde bei dem Besuch von Bürgermeister Thomas Schreglmann (Stadt Külsheim) und dem Leiter des Landwirtschaftsamtes im Landratsamt, Meinhard Stärkel, mit seinen Mitarbeitern Klemens Joerger und Hartmut Lindner begleitet.

Die heutige Stemmler GbR geht auf die Betriebsgründung von Walter und Hildegard (geb. Freundschuh) Stemmler im Jahr 1961 zurück. Damals wurden eine Ackerfläche von 16 Hektar bewirtschaftet und zehn Kühe gehalten. 1977 wurde die erste große Halle errichtet, die bis heute genutzt wird.

Im Jahr 1990, im Alter von 57 Jahren, übergab Walter Stemmler die Betriebsleitung an seinen Sohn Reiner. Dieser gab die Milchviehhaltung auf und stieg in die Forstwirtschaft ein. Heute erledigt der Betrieb für sieben Kommunen und im Staatswald Rückearbeiten. Dieser Betriebszweig steht im Winter im Vordergrund. Während der übrigen Jahreszeiten bildet der Ackerbau mit dem Schwerpunkt Getreideanbau das Kerngeschäft. Die Größe der bewirtschafteten Flächen ist im Laufe der Jahrzehnte um ein Vielfaches gewachsen, analog zum allgemeinen Strukturwandel in der Landwirtschaft. Im Jahr 2006 wurde eine zusätzliche GbR mit dem Landwirt Dieter Heußlein zur gemeinsamen Nutzung von Maschinen gegründet.

Weitere Meilensteine waren der Bau des Getreidelagers mit einem Fassungsvermögen von über 2000 Tonnen im Jahr 1998 und die Anschaffung eines Holzhäckslers im Jahr 2010. Damit werden als zusätzlicher Betriebszweig Holzhackschnitzel hergestellt, unter anderem für Heizungsanlagen. Vor vier Jahren wurde eine große Maschinenhalle in Reicholzheim gekauft. Das Unternehmen verfügt unter anderem über zwei eigene Mähdrescher und beschäftigt drei ständige Mitarbeiter sowie mehrere Aushilfen. Sohn Simon Stemmler (19) möchte den Betrieb künftig in dritter Generation fortführen.




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